Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnet in Villach den Carinthischen Sommer 2024

Alexander Van der Bellen: »Kunst öffnet Welten«

Bundespräsident eröffnet in Villach den Carinthischen Sommer 2024.

Meine Damen und Herren!

Zunächst einmal vielen Dank an die Musikerinnen und Musiker aus Portugal und an Petra Morzé, die diese Eröffnung künstlerisch gestaltet haben.

Beim Durchblättern  des diesjährigen Programmes  ist mir etwas aufgefallen,  was für ein renommiertes Festival  höchst ungewöhnlich ist: 30 Prozent der Veranstaltungen  des Carinthischen Sommers  können bei freiem Eintritt besucht werden. 30 Prozent - ein Drittel aller Veranstaltungen. Ich habe das extra nachgezählt.

Das ist nämlich außerordentlich und wirklich auch eine Einladung, vielleicht erstmals in ein Festival hineinzuschnuppern und eine neue Welt zu entdecken.

Kunst öffnet Welten.

Sie lässt uns aber auch die alten neu sehen, weil sie unseren Blick verändert. Kunst ist, einfach gesagt, mehr als ein Luxus, mehr als ein Vergnügen, mehr als eine Ablenkung vom Alltag. Das mag sie vielleicht auch sein, und daran ist auch nichts falsch oder verwerflich. Diese Qualität der Kunst,  dass wir uns an ihr erfreuen,  spiegelt aber nur einen Aspekt wider. Kunst ist jedoch ganz eng mit dem Menschsein als solchem verbunden. Deswegen ist die Teilhabe an Kunst, was wir oft vergessen, ein Menschenrecht. Die, wie es heißt,  freie Teilnahme am kulturellen Leben, ist in Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte  von 1948 verankert.

Und vielleicht sind gerade die manchmal kleinen, feinen Angebote im Programm des Carinthischen Sommers besonders geeignet, um zu einem Festivalbesuch zu überreden. Größe alleine ist jedenfalls kein Qualitätskriterium. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Konzert von Johann Strauß in Boston 1872, als er ein Orchester von 20.000 Musikern dirigierte,  sein bestes war. Dann schon lieber heuer in Villach eines der Morgenkonzerte in der Evangelischen Kirche im Stadtpark besuchen,  bei denen es, neben der Musik,  sehr viele neue Texte zu entdecken gibt,  die eigens für diesen Anlass  in Auftrag gegeben wurden.

Auch dies ist eine Qualität des Carinthischen Sommers, die nicht vergessen werden darf: Kunstproduktion zu fördern, zu ermöglichen.

Meine Damen und Herren!

Mit dem Carinthischen Sommer startet der Reigen der Festspiele in Österreich. In den kommenden zwei Monaten werden Musik, Theater und Kunst das Land beherrschen. Danach folgen, wie hinlänglich bekannt, die Wahlen zum österreichischen Nationalrat. Deshalb komme ich noch einmal kurz zum Anfang zurück, als wir über Teilhabe an der Kunst gesprochen haben.

Kunst ist kein Selbstzweck und die Demokratie ist das auch nicht. Stellen Sie sich nur einmal vor, es sind Festspiele und keiner geht hin…Wozu dann das alles?

Nun, bei Festspielen ist es schade, wenn keiner hingeht. Bei Wahlen ist es fatal.

Unsere liberale Demokratie lebt davon, dass wir mitentscheiden.

Dass wir, dass Sie, sagen was Sie für die Zukunft dieses Landes wollen.Welche Ideen Sie gut finden. Mir zum Beispiel, als Bundespräsident, ist wichtig, dass künftig jene unser schönes Österreich gestalten,  die einen und nicht auseinanderbringen wollen. Überlegen Sie sich bitte, was Ihnen wichtig ist! Denn Sie, wir alle, können dem neuen Parlament einen Auftrag mitgeben. Aber eben nur, wenn Sie teilhaben. Es ist eben nicht egal, ob Sie hingehen oder nicht.

 

Aber jetzt wieder zurück zur Kunst: Vielen Dank für die Einladung zur Eröffnung des Carinthischen Sommers. Meine Frau und ich freuen uns, heute diesen Festakt mit Ihnen begehen zu können. Und selbstverständlich freuen wir uns auch schon auf das anschließende Konzert.

Mein besonderer Dank gilt der neuen Intendantin des Festivals, Nadja Kayali,die, wie ich glaube, mit ihrer oft unorthodoxen, erfrischenden Herangehensweise den „spirit“ des Carinthischen Sommers angemessen und energiereich in die Zukunft lenken kann. Herzlichen Glückwunsch zu dieser neuen Aufgabe und alles Gute!

Eröffnung des Carinthischen Sommers 6. Juli 2024
Eröffnung des Carinthischen Sommers 6. Juli 2024

Fotos: Peter Lechner/HBF