Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim 10. Austrian World Summit in der Wiener Hofburg.

Bundespräsident beim Austrian World Summit: »Da sind wir uns einig«

Rede von Alexander Van der Bellen beim 10. Austrian World Summit in der Wiener Hofburg.

Excellencies,

Ladies and Gentlemen,

friends and allies,

dear Arnold!

Welcome to Vienna – thank you all for coming here to the beautiful Hofburg Palace.

I know, some of you have travelled far. So, please allow me to take you even further. To a real gem that is famous around the world above all for its elegance, its grace and its melody: German.

Meine Damen und Herren!

Ich möchte gerne mit ein paar Fragen an Sie, das Publikum, beginnen:

Hat jemand von Ihnen etwas gegen Gletscher – und hätte gerne, dass sie verschwinden?

Nein? Okay.

Wer von Ihnen ist dafür, dass die Unwetter immer häufiger werden? 

Auch niemand.

Möchte jemand vielleicht mehr Feinstaub in der Luft? Oder, dass immer mehr Pflanzen und Tierarten aussterben? Wie wäre es mit einer Rekordhitze nach der anderen?

Eben. Natürlich wollen wir all das nicht.

Ich denke, auch über diesen Raum hinaus werden wir ähnliche Resultate feststellen:

Niemand ist für die Erderhitzung. Niemand ist für die Klimakrise.

Da sind wir uns einig.

Ebenso wie wir uns einig sind, dass eins plus eins zwei ergibt. Oder dass wir hier gerade in Wien sind.

Über viele andere Dinge lässt sich streiten: Ob Spritpreisbremse oder Tempolimits wirksamer sind oder ob ein höherer CO2-Preis oder gesetzliche Regulierung mehr bringt. Was aber die Folgen der Klimakrise betrifft, ist alles völlig klar: Sie sind für uns Menschen schlecht. Und für unsere Erde.

Unseren Planeten zu schützen, war daher nie eine ideologische Frage. Sondern eine logische: Wir alle wollen ohne Wetterkatastrophen leben. Ohne Extremhitze und Ernteausfälle.

 

Trotzdem gibt es Menschen, die uns erzählen, dass das alles eh nicht so schlimm ist. Dass es früher auch schon heiße Tage gab. Oder dass Windräder „Loser“ sind.

Diesen Menschen geht es nicht um die Sache. Es geht um den Profit – in Form von Macht, Einfluss, Wählerstimmen, Geld. Und am besten profitiert man nun mal, wenn die Menschen uneins sind. Und schon wird aus einer Sache, bei der wir uns alle einig sind, ein Märchen gesponnen, das uns entzweit.

Leider erkennt man diese Märchen nicht immer sofort als Lügen. Oft kommen sie im Schafspelz ernst gemeinter Information daher. Oder als Nachricht,  die dir dein Vater auf Telegram oder WhatsApp weiterleitet.

Vor ein paar Wochen machte ein Satz die Runde: „Du, der Klimawandel ist abgesagt.“ Der Satz fand seinen Weg von sozialen Medien bis in Büro-Kantinen.

Wo auch immer wir ihm begegnen, so einen Blödsinn dürfen wir nicht stehenlassen. Wir müssen dagegenhalten.

Mit sachlicher Information. Mit dem beständigen Aufzeigen, wenn eine Falschinformation verbreitet wird.

Nein, Windräder sind keine „Loser“. Sie gewinnen saubere Energie! Nein, erneuerbare Energie ist keine Bedrohung für die Wirtschaft. Sie ermöglicht Chancen! Nein, Klimaschutz vernichtet keine Jobs. Er schafft neue!

Wir erkennen gerade, dass wir hier in Europa stärker sind, wenn wir uns von fossilen Energieimporten  unabhängig machen.

Wir erkennen, dass geopolitische Verwerfungen wie die Blockade der Straße von Hormus, die wirkliche Bedrohung für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand sind.

Und wir erkennen, dass mutiger Klimaschutz uns Chancen bietet.

Ergreifen wir sie also!

Wir haben alles dafür: Erfindergeist, innovative Unternehmen, eine starke industrielle Basis und gut ausgebildete Fachkräfte.

Also: Die Klimakrise ist nicht abgesagt, nur weil das Worst-Case-Szenario verworfen wurde. Über all das sollten wir uns eigentlich einig sein - wie über das Ergebnis von 1+1.

Worüber wir diskutieren sollten, ist, finde ich: Welche Ideen am besten funktionieren. Was wir voneinander lernen können. Ausloten, anpassen, verbessern. Die besten Lösungen suchen. Darin sind wir Menschen echt gut.

Und genau das ist es, was wir seit 10 Jahren hier in Wien tun: beim Austrian World Summit.

Vielen Dank, lieber Arnold, an dieser Stelle, für deinen Mut, deine Beharrlichkeit, und deine Zuversicht.

Jede und jeder kann etwas beitragen. Als Mensch, als Stadt, als Region, als Bundesstaat:

Minnesota – Gov. Tim Walz ist heute hier – leistet in puncto „Clean Energy“ viel Vorarbeit, trotz Gegenwind auf nationaler Ebene.

Am Ende ist unser „One Big Beautiful Planet“ eben wichtiger als jede „Bill“. 

Auch Kalifornien, heute vertreten durch Kamala Harris hat sich selbst scharfe Klimaziele gesetzt.

Der Gegenwind mag noch so harsch wehen. Wenn man Windräder aufstellt, lässt sich selbst daraus Energie gewinnen. 

 

Meine Damen und Herren!

Jede und jeder von uns nutzt seine Plattformen: Schauspieler, Sportler,  Unternehmer. Gemeinsam decken wir  eine ganz schön große Sphäre ab.  Das ist der Mehrwert des Austrian World Summit. Ob Kalifornien, Minnesota – oder Wien. gemeinsam sind wir „unstoppable“! 

Vielen Dank – und viel Erfolg uns allen!

10. Austrian World Summit, 16. Juni 2026
10. Austrian World Summit, 16. Juni 2026

Fotos: Carina Karlovits/HBF