Bundespräsident: »'Niemals wieder' heißt auch, dass wir unsere Demokratie pflegen und stärken."
Vor 80 Jahren, am 27. Jänner 1945, befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Bundespräsident Alexander Van der Bellen reiste am Montag gemeinsam mit der österreichischen Delegation nach Polen und nahm an der Befreiungsfeier auf dem Gelände des ehemaligen KZ teil.
Die Delegation von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bestand aus Bundesministerin Susanne Raab (i. V. von Bundeskanzler Alexander Schallenberg), Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Hannah Lessing, Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, und Andreas Kranebitter, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands, sowie Emmerich Gärtner-Horvath, Beiratsvorsitzender der Volksgruppe der Roma.
Zur Befreiungsfeier kamen Vertreterinnen und Vertreter aus über 45 Staaten. Die diesjährige Zeremonie stand ganz im Zeichen der Überlebenden des Lagers – einige von ihnen kamen während der Feier zu Wort, dazwischen wurde Musik Überlebender der Lager Auschwitz und Theresienstadt gespielt. Jahr für Jahr wird die Zahl der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kleiner, die von den Qualen der Konzentrationslager und ihren Erlebnissen während der Naziherrschaft berichten können. Ein Überlebender des KZ Auschwitz formuliert dazu: „Nothing will be easy about returning to Auschwitz, 80 years after I was liberated. This commemoration will be the last of its kind. We will be there. Will you stand with us?”
Wir alle tragen heute das Licht in die Dunkelheit der Erinnerung.
— Alexander Van der Bellen (@vanderbellen) January 27, 2025
In die Dunkelheit der Trauer um die Gedemütigten, Gequälten, Ermordeten.
Hier – in Auschwitz.
Hier – im gemeinsamen Gedenken an die Opfer und Überlebenden des barbarischen Verbrechens der Nazionalsozialisten. pic.twitter.com/BavtXZyqmL
Bundespräsident Alexander Van der Bellen betonte anlässlich seiner Teilnahme an der Befreiungsfeier: „Der 27. Jänner erinnert uns an die grausamen Verbrechen, die in Auschwitz, aber eben auch an vielen anderen Orten verübt wurden. Es ist unsere Verpflichtung, sicherzustellen, dass solche Verbrechen niemals wieder geschehen. Dieses ‚Niemals wieder‘ darf nicht nur gesagt, es muss getan werden. Indem wir dazwischen gehen, wenn Menschen beschimpft werden, die den Davidstern tragen. Und: Indem wir wachsam bleiben, wenn antidemokratische Kräfte erwachen.
‚Niemals wieder‘ heißt eben auch, dass wir unsere liberale Demokratie pflegen und stärken.
Und laut und deutlich betonen: Antisemitismus und Hass haben hier keinen Platz. Nur so werden wir den Worten ‚Niemals wieder‘ gerecht.“
Über die Bedeutung der Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit sagte der Bundespräsident: „Der Rassismus, der Antisemitismus und die Verbrechen der Nationalsozialisten sind nicht vom Himmel gefallen – auf Abwertung folgte Entwürdigung und Diskriminierung, und schließlich systematische Entmenschlichung und Ermordung. Diese Verbrechen an der Menschlichkeit dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Aktuell sind wir damit konfrontiert, dass immer weniger junge Menschen über den Holocaust Bescheid wissen. Umso stärker muss unser Wille und unsere Verpflichtung sein, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren.“