Bundespräsident: »Zentrale Aufgabe für uns ist, die Erinnerung an die Shoah wach zu erhalten.«
Der israelische Staatspräsident Yitzhak Herzog hat am Dienstag bei einem Besuch in Wien Österreichs Kampf gegen Antisemitismus gelobt. Der "kompromisslose Kampf gegen Antisemitismus" der österreichischen Regierung solle "Beispiel" für andere Länder sein, sagte Yitzhak Herzog in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Israel schätze das "sehr". Präsident Herzog erinnerte auch an den Holocaust. "Die Narben sind tief."
Alexander Van der Bellen bekräftigte, dass für Österreich die Erinnerung an die Shoah wachzuhalten, eine "zentrale Aufgabe" sei. Die Verfolgung und Vertreibung zehntausender jüdischer Österreicherinnen und Österreicher "können und wollen wir nicht vergessen", so der Bundespräsident.
Bundespräsident Van der Bellen und Präsident Herzog sprachen aber auch über aktuelle politische Themen. Zu den Abraham Accords, den Normalisierungsabkommen Israels mit arabischen Ländern, sagte der israelische Präsident, dass er glaube, dass es "noch weitere Abkommen geben wird". Gleichzeitig verschärfe sich die sicherheitspolitische Bedrohung Israels durch das iranische Atomprogramm. Yitzhak Herzog sprach von "dramatischen Zeiten. Wir sind an einer Schwelle."
Österreich und Israel verbindet eine gemeinsame, auch schmerzvolle Geschichte. Heute kann ich mit Freude sagen, dass unsere Beziehungen getragen sind von starkem gegenseitigem Vertrauen, Freundschaft und Respekt. Das schien noch vor wenigen Jahrzehnten wie ein Märchen. (1/3) pic.twitter.com/y0OGrKNUKl
— A. Van der Bellen (@vanderbellen) September 5, 2023
Alexander Van der Bellen erklärte, die israelischen Sorgen im Hinblick auf den Iran und die Hisbollah zu teilen. Die Entwicklung und der Erwerb von Atomwaffen durch Teheran seien zu verhindern. Außerdem betonte er, dass Österreich weiterhin an der Zweistaatslösung festhalte. Hier seien "jede Menge von Fragen offen". Zum Thema Justizreform sagte Bundespräsident Van der Bellen, dass sich Yitzhak Herzog für einen "breiten Konsens" einsetze. Er wünschte seinem israelischen Amtskollegen alles Gute dafür.
Beide Staatsoberhäupter bezeichneten die Beziehungen zwischen Österreich und Israel als so gut wie nie zuvor. Durch eine vereinbarte Strategische Partnerschaft würden diese weiter intensiviert. Israel könne Österreich im Bereich Innovation, Forschung und Technologie noch vieles lehren, sagte Bundespräsident Van der Bellen, der auch darauf verwies, dass Wien unter den Top-5-Destinationen für israelische Touristen sei.
Dass die Beziehungen zwischen Israel und Österreich "heute so gut sind, schien uns vor wenigen Jahrzehnten unmöglich, fast wie ein Märchen", erklärte Alexander Van der Bellen weiter. Aber: "Wir wollten das erreichen." Er zog einen Bogen zu dem österreichischen Publizisten Theodor Herzl, dem Vordenker des Staates Israel, der sagte, "wenn ihr wollt, ist es kein Märchen".
Am Nachmittag gedenken die beiden Staatsoberhäupter mit einer Kranzniederlegung an der Shoah-Namensmauer im Ostarrichi-Park der im Holocaust ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich.