Salzburger Festspiele: Bundespräsident Alexander Van der Bellen empfängt seinen rumänischen Amtskollegen in Salzburg.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Freitag den rumänischen Präsidenten Nicușor Dan in Salzburg zu einem Offiziellen Besuch empfangen. Der Proeuropäer Dan ist nach einem turbulenten Wahlkampf in Rumänien seit 26. Mai Präsident. In einer Pressekonferenz am Abend verwiesen beide Staatsoberhäupter auf die vielfältigen Verflechtungen der beiden Länder und betonten, dass es nach den Verstimmungen der Vergangenheit wieder eine Stärkung der Zusammenarbeit brauche.
Er habe das im Dezember des Vorjahres aufgegebene Veto Österreichs gegen den vollen Schengen-Beitritt Rumäniens stets für einen Fehler gehalten, erklärte Alexander Van der Bellen. "Die Blockade war ein Beispiel dafür, wie politische Maßnahmen auf einen zurückfallen und einem schaden können, weil das Vertrauen in österreichische Unternehmen in Rumänien nachweislich gestört worden ist." Er sei darum glücklich, dass diese Frage nun gelöst sei. Auch Präsident Dan betonte, dass es in der Politik darum gehe, in die Zukunft zu blicken und die Zusammenarbeit weiterzuführen und zu stärken.
Es ist eine besondere Freude und Ehre, Präsident @NicusorDanRO fast genau zwei Monate nach seinem Amtsantritt zu seinem ersten offiziellen Besuch in Österreich zu begrüßen. (1/2) pic.twitter.com/iZCc5FTMKy
— Alexander Van der Bellen (@vanderbellen) July 25, 2025
Heimische Unternehmen zweitstärkste Investorengruppe
Der bilaterale Handel zwischen den beiden Ländern sei nach einem Hoch im Jahr 2023 im Vorjahr zwar zurückgegangen, österreichische Unternehmen seien jedoch nach wie vor die zweitwichtigste Investorengruppe im Land.
"Es gibt aber riesiges Wachstumspotenzial", betonte Rumäniens Präsident Dan. Ausdrücklich sprach er dabei die Bereiche Bank- und Finanzwesen und Spitzentechnologie, vor allem aber den Energiesektor an. So ist die OMV über OMV Petrom am Erdgas-Förderprojekt "Neptun Deep" im Schwarzen Meer beteiligt. Dort liegt eines der größten Gasvorkommen in Europa, das nicht nur Rumänien unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen soll. "Das Projekt hat auch Folgen für Österreich. Wir hoffen, dass es den Gasmarkt in ganz Europa beruhigen wird", sagte Bundespräsident Van der Bellen.
Pressegespräch der beiden Staatsoberhäupter in der Residenz zu Salzburg (Foto: Peter Lechner/HBF).
Einigkeit über Unterstützung für die Ukraine
Die beiden Staatsoberhäupter sprachen in der Pressekonferenz zahlreiche andere Inhalte ihres Treffens an, etwa die EU-Erweiterung um Länder des Westbalkans, Moldaus und die Ukraine. "Das würde der Sicherheit in Europa und der wirtschaftlichen Entwicklung gut tun", betonte Präsident Dan. Bundespräsident Van der Bellen sprach gar von einem "geostrategischen Muss." Einig waren sich die beiden Präsidenten auch, die Kooperation im Rahmen der EU-Strategie für den Donauraum zu intensivieren. "Die Donau wird als Verkehrsweg unterschätzt und soll eine wichtigere Rolle im Transport und Handel spielen", erklärte Alexander Van der Bellen. Nicușor Dan sprach von einer wirtschaftlichen Gelegenheit für alle Anrainerländer - auch in Verbindung mit dem Wiederaufbau der Ukraine.
In Bezug auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist man sich einig, dass die Unterstützung und Solidarität brauche: jetzt, während des Kriegs, aber auch im Wiederaufbau, betonten die beiden Präsidenten. Ein weiterer Punkt war die rumänische Gemeinschaft in Österreich, die mit rund 150.000 Personen die zweitgrößte EU-Ausländergruppe nach Deutschland bildet. Alexander Van der Bellen bedankte sich dabei explizit auch bei jenen Rumäninnen und Rumänen, die im österreichischen Gesundheitssystem arbeiten.