Filmvorführung "Die Stadt ohne Juden" in der Präsidentschaftskanzlei

»Stadt ohne Juden«: Ein cinematografisches Zeitdokument

Im Frühjahr dieses Jahres fand im Metro Kinokulturhaus die Weltpremiere des restaurierten Filmes »Die Stadt ohne Juden« statt. Nun konnte der Film auch in der Präsidentschaftskanzlei gezeigt werden.

Hugo Bettauers „Stadt ohne Juden“ und der gleichnamige Film von Hans Karl Breslauer sind Zeitdokumente von hohem Stellenwert und tagesaktueller Bedeutung. Der 1922 veröffentlichte Roman beschreibt die damals noch utopische Vorstellung einer Vertreibung der Juden aus Wien. Die Verfilmung durch Regisseur Hans Karl Breslauer war 1924 bereits von Störaktionen der Nationalsozialisten begleitet, 1925 wurde Bettauer von einem Nationalsozialisten erschossen.

Mit der neu rekonstruierten und digital restaurierten Fassung des österreichischen Stummfilms hat das Filmarchiv Austria ein wichtiges Zeugnis der Filmgeschichte und der Ersten Republik wiederhergestellt und gesichert und liefert damit einen wichtigen Beitrag zum Gedenken an die Ereignisse des Jahres 1938.

Nun ist es gelungen, dieses cinematografische Zeitdokument auch in der Präsidentschaftskanzlei zu zeigen. Die Räume in der Hofburg sind zwar kein Kino. Aber es geht auch um etwas anderes: Es geht darum, deutlich zu machen, dass die zeithistorische und künstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in allen Bereichen der Gesellschaft stattfindet, oder stattfinden soll: im Kino ebenso wie am Amtssitz des Staatsoberhauptes.

„Das wirklich Erschreckende sowohl an der Romanvorlage von Hugo Bettauer als auch an der Verfilmung von Hans Karl Breslauer ist: Zu ihrer Zeit war die gezielte Vertreibung der Wiener Juden noch Zukunft – wie wir heute wissen. Die wirkliche Dimension der späteren Judenvertreibung und -ermordung durch die Nazis war damals vermutlich noch gar nicht erahnbar“, so Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner Rede. Bettauer und Breslauer reagierten mit ihren Werken sensibel auf gesellschaftliche Entwicklungen. Sie reagierten auf den mehr und mehr um sich greifenden Antisemitismus. „Sie waren als Künstler – wie so oft – empfindsame Seimographen ihrer Zeit“, so der Bundespräsident.

Nach der Präsentation in der Präsidentschaftskanzlei wird „Stadt ohne Juden“ ab 9. November 2018 im Rahmen eines regulären Kinostarts österreichweit und auch international wieder aufgeführt werden.

Präsentation des Filmes "Stadt ohne Juden"

Fotos: Peter Lechner/HBF