Gedenkakt für die Opfer des Terroranschlages vom 2. November 2020

»Es gibt keine Worte, die angemessen wären angesichts dessen, was hier draußen vor dieser Kirche passiert ist vor einem Jahr«

Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim Gedenkakt für die Opfer des Terroranschlages vom 2. November 2020

Liebe Trauernde!

 

Was kann ich sagen?

Kein Wort, das angemessen wäre angesichts dessen, was hier draußen vor dieser Kirche passiert ist vor einem Jahr.

Angesichts dessen, was den Opfern und ihren Angehörigen angetan wurde.

Kein Wort, das auch nur annähernd trösten könnte.  

Alles, was ich tun kann, ist, Ihnen meine tief empfundene Anteilnahme auszudrücken.

In meinem Namen und im Namen der Republik Österreich.

 

Ihnen, den Familien, den Schwestern, Brüdern, Vätern und Müttern, Kindern, Freundinnen, Freunden, denen ein geliebter Mensch geraubt wurde.

Denen die Zukunft mit diesem Menschen geraubt wurde. All die gemeinsamen Jahre, die nun nicht mehr stattfinden werden.

Der Republik bleibt hier nur, zumindest ein Zeichen zu setzen, etwa in Form des Terroropferfonds.

Ich weiß aber auch: Nichts kann dafür „entschädigen“ und wieder gut machen, was geschehen ist.

Aber meine Bitte an die Angehörigen: Nehmen Sie mein Mitgefühl an.

Wir fühlen mit Ihnen. Und wir werden das Andenken an die Opfer bewahren.

 

Ich möchte nun die Vornamen der Getöteten aussprechen und gemeinsam mit allen, die zuhören und zusehen, ihrer gedenken.

 

Wir denken an Gudrun.

 

Wir denken an Nedjip. 

 

Wir denken an Qiang.

 

Wir denken an Vanessa.

 

Wir denken auch an die Vielen, die physisch oder psychisch verletzt wurden. Zum Teil schwer.

 

Ganz besonders danken möchte ich den Menschen der Exekutive, die ihr Leben und ihre Gesundheit in die Waagschale geworfen haben, um andere zu beschützen.  Es ist Ihnen gelungen, weitere Morde zu verhindern. Sie haben innerhalb kürzester Zeit entschlossen gehandelt und dem Horror ein Ende gesetzt.

Ich danke Ihnen dafür im Namen des ganzen Landes.

 

Stellvertretend für alle Einsatzkräfte, und überhaupt für alle Menschen, die in dieser Nacht anderen Menschen geholfen haben, danke ich dem Polizisten Stefan, der am 2. November 2020 schwer verletzt wurde, und seinem Helfer, dem gebürtigen Palästinenser Osama.

Sie, so wie alle Ihre Kolleginnen und Kollegen, haben keine Sekunde gezögert, als Sie vor der Entscheidung standen, Ihr eigenes Leben oder das Leben anderer zu retten.

Sie haben uns alle verteidigt.

Schließlich: Den Menschen, die mit dem Täter sympathisiert haben, ihn unterstützt haben, möchte ich sagen:

Sehen Sie genau her. Sehen Sie, was Sie getan haben. Sie können sich nicht hinter einer Ideologie verstecken.

Niemand kann das. Am Ende ist es immer ein Mensch, der einem anderen Menschen etwas antut. Am Ende bleibt es kalter Mord. Am Ende werden Sie dafür zur Verantwortung gezogen.

Wir denken an: Gudrun, Nedjip, Qiang. und Vanessa.

Wir werden Euch nicht vergessen. Wir werden für Eure Hinterbliebenen da sein.

Lasst uns füreinander da sein.

Gedenkveranstaltung anlässlich des Terroranschlags am 2. November 2020, am 2.11.2021
Gedenkveranstaltung anlässlich des Terroranschlags am 2. November 2020, am 2.11.2021

Fotos: Peter Lechner/HBF