Teilnahme an der Sub auspiciis-Promotion an der Universität Salzburg.

»Was motiviert also junge Menschen wie Sie zu solchen Anstrengungen?«

Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Sub-auspiciis-Promotion an der Universität Salzburg.

Magnifizenz!

Spektabilitäten!

Geschätzte Damen und Herren!

Lieber Herr Dr. Di Stolfo!

 

Sie haben durch Jahre, anderthalb Jahrzehnte eigentlich, schulische und wissenschaftliche Höchstleistungen erbracht. In dieser Zeitspanne, nehme ich an, war nicht immer nur Sonnenschein. Und besonders die letzten Jahre, die Jahre der Pandemie, haben sicher eine zusätzliche Herausforderung dargestellt.

Denn so erfreulich die Möglichkeiten zunehmender Digitalisierung sind,so nützlich sich die Möglichkeiten von distance learning in der Pandemie auch erwiesen haben, – einen gleichwertigen Ersatz für den Präsenzunterricht, für das Lernen und Forschen vor Ort, für den Austausch von Gedanken mit den Kolleginnen und Kollegen – in der Mensa oder dem Caféhaus -, einen gleichwertigen Ersatz stellt der digitale Universitätsbetrieb nicht dar.

 

Meine Damen und Herren!

Die Zeiten für Lehre und Forschung, Wissenschaft und Fortschritt waren kaum einmal wirklich optimal (ganz abgesehen davon, dass immer zu wenig Geld vorhanden ist...).

1622,  als die Universität Salzburg gegründet wurde, tobte gerade der 30-jährige Krieg. Missernten, Hungersnöte und Seuchen - darunter oft auch die Pest, waren an der Tagesordnung.

Und als vor 70 Jahren, 1952,  (Beschlussfassung am 5. März, Inkrafttreten am 1. Mai 1952), das Bundesgesetz über die Promotion unter den Auspizien des Bundespräsidenten ins Leben gerufen wurde, waren die Verhandlungen um den Staatsvertrag noch in vollem Gange. Der Krieg war gerade einmal sieben Jahre vorbei, und die Arbeiten zum Wiederaufbau Österreichs noch lange nicht abgeschlossen.

Angesichts dessen kann man sich schon fragen: Was treibt ein – besetztes und unselbstständiges – Land dazu, sich mit Fragen wie dem Studienerfolg ganz weniger Menschen auseinanderzusetzen? Man kann sogar ein wenig provokant fragen: Hatten die damals keine anderen Sorgen?

Ja, sie hatten andere Sorgen, was aber nicht verhindert hat, dass sich politische Entscheidungsträger Fragen der wissenschaftlichen Exzellenz und deren Würdigung gewidmet haben. Das finde ich erstaunlich und klug zugleich. Denn dass ein Land Anreize für Höchstleistungen schafft, ist vernünftig.

Gleichzeitig frage ich mich, ob denn die Aussicht auf einen Ehrenring, der durch den Bundespräsidenten verliehen wird, tatsächlich ein besonderer Anreiz ist. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass 15-, 16- oder 17-Jährige, die gerade die Oberstufe besuchen und auch schon dort lauter Auszeichnungen erlangen müssen, dass jungen Menschen wie Sie, Herr Di Stolfo eine rund 10 Jahre später stattfindende Zeremonie im Auge haben. Mir selbst wäre das jedenfalls eigenartig vorgekommen – als ich 16 war.

Was also motiviert junge Menschen wie Sie zu solchen Anstrengungen über einen Zeitraum von 10 oder mehr Jahren? Ich möchte Ihnen nicht Ihre eigenen Beweggründe vortragen, dennoch wage ich eine erste Antwort, die lautet: die Freude, ja die Lust am Lernen.

Das klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht.

Wissensgewinn als etwas Erstrebenswertes anzusehen, ist wirklich nicht selbstverständlich.

Und dennoch gibt es Menschen,die diese Quelle der Freude für sich entdecken und zu einem Lebensinhalt ausformen. Das finde ich erstaunlich und erfreulich zugleich. Denn die Herausforderungen, mit denen sich jede Zeit und jede Generation konfrontiert sieht, können nur über den Erwerb von Wissen, das Schaffen von Wissen und das Abwägen von Argumenten bewältigt werden.

 

Sehr geehrter Herr Dr. Di Stolfo!

Ich möchte Ihnen ganz herzlich zu Ihrer Leistung gratulieren. Was Sie geschafft haben, gelingt nicht einmal einem Promille aller Akademiker. Sie haben diese Leistung erbracht. Aber, wie ich denke, nicht ganz alleine. Sie wurden unterstützt von Ihrer Familie, Kolleginnen und Kollegen, Lehrenden, von Freunden und Bekannten.

Und letztlich von Ihrer Universität – der ich abschließend auch noch gratulieren möchte. 400 Jahre ist sie jung. Ich wünsche der Universität, und ich wünsche Ihnen, Herr Dr. Di Stolfo, alles, alles Gute für die Zukunft.

 

 

Sub auspiciis-Promotion an der Universität Salzburg 7. April 2022
Sub auspiciis-Promotion an der Universität Salzburg 7. April 2022

Fotos: Peter Lechner/HBF