Am 27. April 2025 begeht Österreich den 80. Jahrestag der Wiedererrichtung der Republik Österreich. Wir feiern den »Geburtstag« der Zweiten Republik.
Es war ein zentraler Schritt zur politischen und rechtlichen Neugründung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg, quasi die Geburtsstunde der Zweiten Republik:
Am 27. April 1945 – also noch vor dem tatsächlichen Ende des Krieges am 8. Mai 1945 – erklärten die Vertreter von SPÖ, ÖVP und KPÖ im Wiener Rathaus die Unabhängigkeit Österreichs. Den Text der Unabhängigkeitserklärung entwarf Karl Renner, der spätere erste Bundespräsident der Zweiten Republik – und damit einer der Vorgänger von Bundespräsident Alexander Van der Bellen.
Die provisorische österreichische Bundesregierung im Parlament, 2.v.r. Johann Koplenig (KPÖ), 4.v.r. Bürgermeister Theodor Körner (SPÖ), 5.v.r. der Generalleutnant Alexej W. Blagodatow. Foto: Wilhelm Obransky/ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Unabhängigkeitserklärung wurde am Nachmittag des 27. April im Rahmen der konstituierenden Sitzung der provisorische Staatsregierung unterzeichnet. Karl Renner, der ursprünglich nur bei der Konstituierung behilflich sein wollte, wurde Vorsitzender der Regierung und somit Staatskanzler. Ziel der Regierung war die Wiederherstellung der Österreichischen Republik auf der Grundlage der Verfassung von 1920 und der Novelle von 1929.
Unabhängigkeitserklärung der Provisorischen Regierung, 27.4.1945. ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Unabhängigkeitserklärung war mehr als ein juristischer Akt – sie war ein nach innen und außen gerichteter Akt symbolischer Selbstbehauptung inmitten eines zerstörten Europas. Gleichzeitig legte sie aber auch die Basis für ein Selbstbild als „erstes Opfer der nationalsozialistischen Aggression“ – ein Narrativ, das erst Jahrzehnte später zu Recht kritisch hinterfragt wurde, insbesondere im Hinblick auf die tatsächliche Beteiligung vieler Österreicher:innen an den Gräueltaten des NS-Regimes.
Die Staatsregierung wurde zunächst einzig von der Sowjetunion anerkannt und war de facto nur in der sowjetisch besetzten Zone im Osten Österreichs voll wirkmächtig. Renner, dem Stalin zuvor sein Vertrauen ausgesprochen hatte (er kannte Renner noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg), stand bei den Westalliierten sogar im Verdacht, mit den Sowjets zu kollaborieren. Erst am 20. Oktober 1945 folgten die USA, Großbritannien und Frankreich per Beschluss des Alliierten Rates. Am 25. November 1945 fanden die ersten Nationalratswahlen statt. Am 20. Dezember 1945 wurde Karl Renner als erster Bundespräsident des freien Österreich angelobt.
Staatsakt im Zeichen der Freiheit
Bundespräsident Alexander Van der Bellen lädt am 27. April 2025 zu einem Staatsakt anlässlich des 80. Jahrestages der Wiedererrichtung der Republik Österreich. Gemeinsam wird diesem historischen Tag in der Hofburg gedacht – mit Ehrengästen aus Politik und Gesellschaft, mit Zeitzeugen und vielen jungen Menschen.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen betonte in seiner Rede, dass aus dem gemeinsamen Geist der Lagerstraße unsere Heimat, unsere Zweite Republik, unsere Republik Österreich entstand.
Aus dem gemeinsamen Geist der Lagerstraße erstand unsere Heimat, unsere Zweite Republik, unsere Republik Österreich.
![]() | Die Festrede hält der australische Historiker und Professor an der Universität Cambridge, Sir Christopher Clark. Der anerkannte Experte für die Geschichte Europas im 19. und 20. Jahrhundert zeigt in seinen Forschungsschwerpunkten und Büchern („Die Schlafwandler“) seine tiefgehende Auseinandersetzung mit den politischen Entwicklungen und internationalen Beziehungen dieser Zeit. Durch seine intensive Beschäftigung mit Mitteleuropa, insbesondere mit Deutschland und Österreich, gilt er auch als Kenner der österreichischen Zeitgeschichte. Sir Christopher Clark hat in seiner Festrede die Geschichte Österreichs der letzten 80 Jahre in einen welthistorischen Kontext gestellt und die Herausforderungen der Gegenwart skizziert hat. |
![]() | Im Rahmen des Staatsaktes wird eine Komposition von Gabriele Proy uraufgeführt. Proy hat das Stück „Achtzig“ für Streichsextett anlässlich 80. Jahrestages der Wiedererrichtung der Republik Österreich komponiert. Gabriele Proy zählt zu den profiliertesten zeitgenössischen Komponistinnen Österreichs. Proys zahlreiche Werke für Chor, Orchester und Kammermusik wurden u.a. vom Philharmonischen Chor München, Wiener Concert-Verein, ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Denkmalchor Leipzig, Orchestre Estro Armonico Luxembourg, Orchesterakademie der Wiener Philharmoniker, Sarajevo Philharmonic Orchestra und Mitgliedern der Wiener Philharmoniker zur Aufführung gebracht. |
Das Streichsextett „Achtzig“ von Gabriele Proy wird vom Kammermusikensemble des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien beim Staatsakt anlässlich des 80. Jahrestages der Wiedererrichtung der Republik Österreich am 27. April 2025 im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg uraufgeführt. Es spielen:
Anaïs Tamisier, Violine
Aileen Dullaghan, Violine
Lara Sophie Schmitt, Viola
Raphael Handschuh, Viola
Julia Schreyvogel, Violoncello
Raffael Dolezal, Violoncello
Gabriele Proy: »Achtzig« für Streichsextett
„Es ist für mich eine besonders große Ehre und Auszeichnung, als österreichische Komponistin diesen Kompositionsauftrag erhalten zu haben“, so Gabriele Proy.
„Schon in meinem Chorwerk ,Frieden', ein Kompositionsauftrag der Stadt Leipzig zum Europäischen Friedenskonzert Leipzig 1813-1913-2013, habe ich mich thematisch mit Krieg und Frieden und dem Werk der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner beschäftigt. In meinem neuen Streichsextett ,Achtzig' werden sich in exakt achtzig komponierten Takten ,80 Jahre Unabhängigkeit Österreichs – 80 Jahre Demokratie' widerspiegeln. Eine Demokratie, die sich voller Zuversicht entfalten konnte, die wachsen durfte und trotz oder gerade wegen vieler aktueller Entwicklungen in der Welt voller fragender Hoffnung in die Zukunft blickt. Melodielinien geschrieben im Adagio Festivo durchweben mein neues Streichsextett, verbinden verschiedene Abschnitte einer dichten musikalischen Textur, erklingen filigran und ,con amore' im pianopianissimo ppp bis fulminat und ,espressivo' im fortissimo ff. Klangwelten voller Hoffnung und Zuversicht von glitzernd fragilem Vibrato zu humoristisch klangvollem Pizzicato formen sich zu einer immer dichter werdenden musikalischen Struktur. Ein Dialog von schwebenden, sich verwebenden Melodiebögen entfaltet sich über achtzig Takte und mündet schließlich im Ritardando mit innehaltender Fermate.“

