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Rede im Essl Museum bei der Eröffnung der Ausstellung "die letzten tage der menschheit"

30.01.2014 | Reden

Heinz Fischer würdigt den Werkzyklus von Deborah Sengl als "Politisch und künstlerisch wichtig". Es zeige "das Grauen und das unsägliche Leid, das Kriege - glanz gleich, wann und wo sie stattfinden - über die Menschen bringen"

Eröffnung der Ausstellung „die letzten tage der menschheit“ von Deborah Sengl durch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer

Donnerstag, 30. Jänner 2014, Essl Museum Klosterneuburg

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich freue mich, wieder einmal im Essl-Museum in Klosterneuburg zu sein und die Ausstellung eröffnen zu können.

Ich freue mich besonders, dass es eine Ausstellung von Deborah Sengl ist. Und eine weitere Steigerungsstufe darin begründet, dass es ein so spannendes, erschütterndes, fundamentales Thema ist, dem sich Deborah Sengl gewidmet hat.

In meiner Neujahrsansprache am 1. Jänner habe ich mir erlaubt, darauf hinzuweisen – nicht als erster und nicht als letzter – dass das Jahr 2014 uns geradezu zwingt, sich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren, zu beschäftigen. Dass zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg ein innerer Zusammenhang besteht, ist ein Allgemeingut der Geschichtswissenschaft und daher wird der Erste Weltkrieg vielfach als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Was nun die Ausstellung selbst betrifft:

Zum einen handelt es sich – soviel ich weiß – um die erste große Einzelausstellung von Deborah Sengl. Zwar waren und sind ihre Werke in zahlreichen Museen und Ausstellungen bereits gezeigt worden, eine „Personale“ dieser Dimension aber findet hier zum ersten Mal statt.

Dass die Künstlerin für diese Ausstellung nicht einen Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen ausgewählt hat, sondern in einer bewundernswerten Intensität an einen in sich geschlossenen neuen Werkzyklus erarbeitet hat, verdient ebenfalls Respekt.

Und wer Deborah Sengl kennt, wird sich auch nicht wundern, dass sie für diesen Werkzyklus ein Thema gewählt hat, das ihrem Selbstverständnis als Künstlerin in mehrfacher Hinsicht entspricht:

Es ist zum einen eine Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte, mit den dramatischen Ereignissen, die vor 100 Jahren ihren Anfang genommen haben, und deren Auswirkungen und Reichweite damals – also 1914 – wohl niemand richtig einschätzen konnte.

Es handelt sich auch um eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung, eine Darstellung, die den Schrecken des Krieges sprichwörtlich bis in die Wohnzimmer, ja in die Köpfe der Beteiligten nachspürt.

Und schließlich handelt es sich um eine Beschäftigung mit einem Werk der Literatur, also um eine Bezugnahme auf die künstlerische Verarbeitung dieses traumatischen Krieges.

Als Ausdruckmittel hat die Künstlerin dabei zu einer drastischen Form gegriffen und greifen müssen.

Die ganze „Banalität des Krieges“, um eine Formulierung von Hannah Arendt zu paraphrasieren, wird ebenso beklemmend lebendig, wie das unmittelbare Grauen des Krieges und das unsägliche Leid, das sie, ganz gleich, wann und wo sie stattfinden, über die Menschen bringen.

 

Meine Damen und Herren!

Dass Kriege künstlerisch aufgearbeitet werden, ist so alt, wie die Kunst selbst. Schlachtenbilder stellen einen fixen Bestandteil der europäischen, ja der weltweiten Kunstgeschichte dar. Die Leistung, die Deborah Sengl in ihrer Auseinandersetzung mit den „Letzten Tagen der Menschheit“ vollbracht hat, geht aber – ebenso wie das Stück von Karl Kraus - weit über den Anlass hinaus. Das historische Ereignis verwandelt sich im Werk von Deborh Sengl zur Apokalypse, zum Ende alles Menschlichen.

So betrachtet ist die heutige Ausstellungseröffnung nicht nur ein wichtiger künstlerischer Beitrag, sondern auch ein wichtiger politische Beitrag, für den ich der Künstlerin sowie den Verantwortlichen des Essl-Museums sehr herzlich danke.

 

Mein Damen und Herren!

Abschließend möchte ich noch dem Essl-Museum ganz herzlich zu seinem diesjährigen Jubiläum gratulieren und Kommerzialrat Professor Karlheinz Essl sowie seiner Frau für ihr vielfältiges Engagement für die zeitgenössische österreichische Kunst danken. Was hier in Klosterneuburg für die junge Kunstszene gelungen ist, bleibt ein war beispielgebend (wenn ich an andere Museumsgründungen der letzten Jahre denke) und wird dies hoffentlich auch bleiben. Gerne habe ich daher auch den Ehrenschutz über die Ausstellungsserie „made in austria“ übernommen, die in diesem besonderen Jahr am Essl-Museum stattfinden wird.

Indem ich allen, die zum Gelingen der Ausstellung von Deborah Sengl beigetragen haben herzlich danke, erkläre ich zwar nicht die letzten Tage der Menschheit, wohl aber die Ausstellung unter diesem Titel für eröffnet.

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