Sehr geehrter Herr Generaldirektor Stepic mit Familie!
Hoch geschätzte Gäste! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Der Name des heute zu Ehrenden ist eng verbunden mit der jüngeren Wirtschaftsgeschichte Österreichs und besonders mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Österreichs mit den CEE-Staaten sowie mit der Transformation dieser ost- und südosteuropäischen Nachbarn hin zu entwickelten Marktwirtschaften.
Die zentral- und osteuropäischen Länder haben nach 1989 einen mühsamen, vielfach noch nicht abgeschlossenen Weg eingeschlagen, um ihre Volkswirtschaften nach westlichem Vorbild umzubauen.
Damit haben sich die Lebensbedingungen in der Region innerhalb kurzer Zeit – zwar mit Rückschlägen, aber doch erheblich verändert und verbessert. Das Bankensystem hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Das dynamische Wachstum in den Jahren vor der Krise wurde auch von österreichischen Banken, die in der Region einen hohen Marktanteil erwerben konnten, mit finanziert.
Spätestens seit Joseph Schumpeter wissen wir, dass ein gut entwickeltes Finanzsystem wesentliche Voraussetzung für eine solide ökonomische Entwicklung ist.
Generaldirektor Stepic war einer der Pioniere bei der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnis.
Er setzte sehr früh auf das Entwicklungspotenzial in Zentral- und Osteuropa, zu einer Zeit, als es noch schwer abzuschätzen war, ob das eingeschlagene Experiment, der Übergang zu Marktwirtschaften, tatsächlich von Erfolg gekrönt sein wird.
Ganz und gar nicht unbeträchtlich waren damals die Zweifel und auch die Risiken, die bei Investition in – damals noch – politisch instabile Länder gesehen wurden.
Durch die Gründung von Banken in der Region wurde aber ein deutliches Signal gesetzt – letztlich auch an andere ausländischen Investoren. Und zahlreiche Investitionen folgten. Unsere Unternehmen haben vom Osteuropaengagement unserer Banken zweifellos profitiert – und der Anstieg unserer Exporte und Direktinvestitionen in die Region zeigt dies eindrucksvoll.
Ich möchte hier auch hervorheben, dass sich Generaldirektor Stepic im Rahmen zahlreicher persönlicher Kontakte und öffentlicher Auftritte für den Wirtschaftsstandort Österreich wirkungsvoll eingesetzt hat, und gleichzeitig auch für ein Zusammenwachsen Europas und für die Fortsetzung des EU-Erweiterungsprozesses.
Meine Damen und Herren!
Seit Krisenausbruch sind die Risiken des Bankenengagements in Osteuropa verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass mit der sogenannten ‚Vienna Initiative‘ unsere Banken Verantwortungsbewusstsein gezeigt haben.
Damals wurde vereinbart, dass die Banken in der Region verbleiben und die Volkswirtschaften weiterhin mit Liquidität versorgen.
Mit dieser Initiative wurde somit – koordiniert zwischen Banken, supranationalen Institutionen und nationalen Regierungen – eine Ausweitung der Krise Ende 2008/Anfang 2009 verhindert. Damit konnte großer Schaden für die österreichische Wirtschaft abgewendet werden.
Generaldirektor Stepic, der heute gewürdigt wird, hat federführend diese Initiative mitgetragen und bei deren Umsetzung eine wichtige Rolle gespielt.
Wir alle wissen, dass unsere Probleme noch bei weitem nicht gelöst sind. Fast täglich stellen sich neue Herausforderungen. Die Krise ist noch nicht vorüber.
Gerade die nächsten Wochen und Monate werden für die weitere Zukunft entscheidend sein und auch die nächsten Jahre werden von dem was heute geschieht – oder unterlassen wird – mitgeprägt.
Sehr geehrter Herr Generaldirektor!
Ich möchte hervorheben und anerkennen, dass Sie sich in dieser schwierigen Situation klar und eindeutig für den Euro und für Europa aussprechen. Ebenso für ein weiteres Engagement der heimischen Banken in Zentral- und Osteuropa – und zwar auf einem nachhaltigen Niveau und mit einem tragbaren Geschäftsmodell. Das haben Sie immer wieder deutlich gemacht.
Ich habe auch die gute und verlässliche Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihre Österreich-Gesinnung immer wieder kennen und schätzen gelernt.
Sie haben sich in hohem Maße um die österreichische Wirtschaft und um die Republik Österreich verdient gemacht.
Darum ist es für mich eine besondere Freude, Ihnen heute das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich überreichen zu können. Ich möchte Ihnen dazu auf das Herzlichste gratulieren, Ihnen danken und für die Zukunft alles Gute wünschen.