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"Für mich ist Ute Bock eine Heldin des Alltags. Ohne Eitelkeit, ohne Selbstgefälligkeit."

03.02.2018 | Reden

Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigt in seiner Rede beim "Lichtermeer" zu Ehren der kürzlich verstorbenen Flüchtlingshelferin Ute Bock ihre großen Verdienste, ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Hilfsbereitschaft.

Sehr geehrte Damen und Herren! 

Es ist jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr her, dass wir Ute Bock zum 75. Geburtstag gratuliert haben.

Wir alle verneigten uns vor ihr: Freundinnen und Freunde, Unterstützerinnen und Unterstützer, Sympathisantinnen und Sympathisanten.

Dank, Freude und Anerkennung kam vor allem von jenen, denen Ute Bock im Laufe der Jahre in so großartiger Weise beigestanden hatte.

Im Rahmen ihrer Projekte und mit ihrem Vereinshaus für Flüchtlinge und Obdachlose.

Ich bin also nicht überrascht, dass auch heute so viele Menschen zusammengekommen sind.

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich könnte viel über den Menschen Ute Bock erzählen: von ihrer Zivilcourage, ihrem Mut, ihrer Beharrlichkeit. Von ihrer Großherzigkeit und ihrem Verantwortungsgefühl.

Von einer großartigen Frau, die sich nie behindern und nie beirren ließ bei dem, was sie für richtig, menschlich und notwendig fand.

Ute Bocks Hilfsbereitschaft kannte keine Schranken.

Weder im Kopf, noch im Herzen.

 

Meine Damen und Herren!

Es gibt einen Satz, den Sie alle kennen:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“.

Es ist der erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die vor 70 Jahren, am 10. Dezember 1948, von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde.

Die Erklärung war eine direkte Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust.

Zugleich sollten damit die Probleme von staatenlosen Flüchtlingen gelindert werden.

Wir werden das 70-Jahr-Jubiläum der UN-Menschenrechtscharta im heurigen Gedenkjahr noch ausgiebig würdigen.

Ich glaube aber, es ist wichtig, daran zu erinnern, dass es immer auch Menschen braucht, die diese hehren Worte in konkrete Taten umsetzen, die sich dafür einsetzen, die dafür kämpfen, die sie verteidigen.

Ute Bock war so ein Mensch.

 

Flüchtlinge sind in erster Linie Menschen.

Wenn einer was braucht, dann geb‘ ich’s ihm.

Das ist doch normal“.

 

In diesen einfachen, unmissverständlichen Worten steckt der  weltbekannte erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Menschen in Not brauchen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Alter, Geschlecht, Religion oder Sprache - zunächst einmal das Wichtigste:

Eine Anlaufstelle, und ein Gefühl von Sicherheit. Ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen, medizinische Hilfe und rechtlichen Beistand, Integrations- und Kontaktmöglichkeiten.

Damit beschäftigte sich Ute Bock Tag für Tag, Jahr für Jahr. Bis zu ihrem Tod.

Diese Einstellung gab sie nie auf. Und sie stumpfte auch nie ab.

 

Für mich ist Ute Bock eine Heldin des Alltags.

Ohne Eitelkeit, ohne Selbstgefälligkeit.

 

Achtung und Respekt? Ja!

Wenn ihr jemand blöd daherkam, da kannte sie wirklich kein Pardon.

 

Verklärung oder Idealisierung? Nein!

Dafür konnte sie sich wirklich nicht erwärmen.

 

Dann lieber Selbstironie:

Ich habe einen Vogel“,

hat sie einmal über sich selbst und ihre Arbeit gesagt.

Aber Gott sei Dank unterstützen so viele meinen Vogel“,

 

Das war übrigens 2012, als die Republik sie mit dem Goldenen Verdienstzeichen ehrte.

Ich glaube, es waren Worte wie diese, weshalb Ute Bock schon zu Lebzeiten nicht nur eine moralische Instanz war, sondern auch ein Wiener Original.

Sie hinterlässt eine Lücke, die nicht so leicht zu füllen ist.

Aber ich bin zuversichtlich, dass ihr Lebenswerk weitergetragen wird.

Denn Ute Bocks Engagement hat Strahlkraft, über ihren Tod hinaus.

Es ist die Kraft der Großzügigkeit, der Großherzigkeit, der Humanität, der Hilfsbereitschaft, des Zusammenstehens und der Solidarität,

Ohne das alles kann eine Gesellschaft nicht überleben. Das ist Ute Bocks Erbe, ihr Vermächtnis, ihr Nachlass, ihr Auftrag.

In diesem Sinn:

Danke, verehrte Ute Bock!

Danke an all jene unter Ihnen, die Ute Bocks Vermächtnis unbeirrt und kraftvoll in die Zukunft hineintragen werden.

Danke

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