Rootline Navigation

Eröffnung des Brucknerfestes 2012

09.09.2012 | Reden

Bundespräsident Heinz Fischer veurteilt in seiner Rede zur Eröffnung des Brucknerfestes die Veröffentlichung eines mutmaßlich antisemitischen Cartoons durch FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache scharf

Sehr geehrte Damen und Herren!

Herzlichen Dank für die Einladung nach Linz zur traditionsreichen Eröffnung des Brucknerfestes. 

Diese Stadt ist in erfreulicher Weise unterwegs, die kulturelle Komponente in ihrem Aufgabenspektrum zu stärken und zu vergrößern.

Spätestens seit dem Jahr 2008, in dem Linz als Kulturhauptstadt Europas neue Maßstäbe gesetzt hat, ist weit über die Grenzen unseres Landes hinaus deutlich geworden, dass die Industriestadt Linz auch als Zentrum für Kunst und Kultur an Anziehungskraft und Bedeutung gewinnt.  

Da aber auch viele andere Linz als Veranstaltungsort schätzen, hat es heute eine Terminkollision des Brucknerfestes mit dem 20. Österreichischen Bundesfeuerwehrtag mit Feuerwehren aus ganz Österreich gegeben. 

Die ehrenamtliche Tätigkeit von tausenden Männern und Frauen im Bereich der Feuerwehren, aber auch in anderen gemeinnützigen und freiwilligen Organisationen zu würdigen, ist mir ein wirkliches Anliegen und die zumindest kurze Teilnahme an der Festveranstaltung der österreichischen Feuerwehren war – wie ja bereits gesagt wurde – auch der Grund weshalb der Herr Landeshauptmann und ich etwas verspätet zum heutigen Festakt hier in das Brucknerhaus gekommen sind.

Wir dürfen hoffen, dass Sie dafür Verständnis haben.

 

Meine Damen und Herren! 

Ich habe begonnen mit der Feststellung, dass Linz deutliche Akzente als Stadt der Kultur gesetzt hat und weiter setzt. Als einer der nächsten Schritte kann wohl die Fertigstellung eines neuen Musiktheaters in Linz bezeichnet werden. 

Ich darf schon jetzt - wenige Monate vor der Eröffnung dieses neuen Hauses - dem Land Oberösterreich und der Stadt Linz zu diesem Schritt herzlich gratulieren.  

Wir alle wissen, dass bis zur Realisierung dieses ambitionierten Projektes schwierige Hürden überwunden werden mussten. Umso mehr sind wir alle gespannt, welche Bereicherung diese neue Spielstätte für das Kulturangebot in Linz bringen wird. Das Wort Bereicherung ist ja insoferne doppeldeutig als es eine ideelle und eine materielle Komponente hat.

Immer wieder hört man und liest man, dass öffentliche Gelder, die in den Bereich der Kultur investiert werden, sich in Form der sogenannten Umwegrentabilität bezahlt machen. 

Das mag in vielen Fällen den Tatsachen entsprechen und ist zweifellos ein wichtiger Faktor bei der Willensbildung und Entscheidungsfindung. Auf der anderen Seite darf aber etwas ganz Wesentliches nicht aus dem Blickfeld geraten, nämlich die Tatsache, dass Kunst und Kultur ein Wert an sich sind. Ein Wert, der im Sinne des Wesens der Kunst weit über die ökonomische Sinnhaftigkeit und Rechtfertigung hinausreicht.

Es ist mir natürlich völlig klar, dass gerade in einer Demokratie politische Entscheidungsträger rechenschaftspflichtig sind und gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern Verantwortung tragen.  

Ich plädiere nicht gegen diese Verantwortlichkeit, sondern ich plädiere dafür, dass der Begriff der Verantwortung im Bereich der Kunst über den fiskalischen und materiellen Bereich hinaus auch einen immateriellen Bereich umfassen muss.

 

Meine Damen und Herren! 

Wenn von Kunst und Kultur gesprochen wird, kommt mir in den letzten Jahren und Monaten verstärkt auch der Begriff der politischen Kultur in den Sinn. Politische Kultur ist nicht leicht zu definieren, aber sie ist von größter Bedeutung und es muss gemeinsame überparteiliche Anstrengungen in Österreich und übrigens auch in anderen Demokratien geben, die politische Kultur zu festigen. Also die Kombination von Gesetzestreue, Fairness, Grundwerten und Respekt für ungeschriebene Regeln.

Wenn jemand in den politischen Diskurs eine Karikatur einbringt, wo ein feister Kapitalist mit gekrümmter Hackennase dargestellt wird – nämlich just mit einer gegenüber der ursprünglichen Zeichnung stärker gekrümmten Hakennase – dann ist das eine feige Spekulation mit Überresten des Antisemitismus und somit ein Tiefpunkt politischer Kultur, der allgemeine Verachtung verdient. Dazu kann man nur sagen: So nicht!

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren! 

Eine Persönlichkeit, die sich seit vielen, vielen Jahren für politische Kultur, für eine offene Gesellschaft, für ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen und für verantwortungsvolle Medienarbeit einsetzt, ist der heutige Festredner Armin Thurnher. Ich darf ihn von dieser Stelle aus herzlich begrüßen und ihm sagen, dass ich seine Gradlinigkeit und seine Beharrlichkeit sehr schätze. Und ich möchte ihm für seine der Aufklärung verpflichtete, unermüdliche journalistische Arbeit danken. Es ist eine journalistische Arbeit, die auf jenen Werten und Zielen beruht, die mit dem Begriff Aufklärung verbunden werden. 

Chefredakteur Thurnher weiß um die Macht der Medien Bescheid, um die unverzichtbare Rolle freier Medien in einer Demokratie, aber auch um die zerstörerische Rolle, die verantwortungsloser Journalismus ausüben kann.

Es gibt viele gute Gründe auf seine Ausführungen gespannt zu sein.

Meine Damen und Herren! 

Ich bedanke mich bei allen, die an der Planung, Organisation und Durchführung der heutigen Festveranstaltung beteiligt waren. Ich bedanke mich bei allen Künstlerinnen und Künstlern, insbesondere auch beim Bruckner Orchester Linz und ich mache gerne von der Einladung Gebrauch, das Brucknerfest 2012 für eröffnet zu erklären.

 

Aktionen