Die Entscheidung der EU-Finanzminister, Griechenland zwei Jahre mehr Zeit zu geben, beurteilen Österreich und Tschechien unterschiedlich. "Die griechische Agonie zu verlängern, ist ein tragischer Fehler", sagte der tschechische Präsident Vaclav Klaus in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundespräsident Heinz Fischer am Dienstag in Wien. Ein "Zwangsaufenthalt" Griechenlands im Euroraum sei "eine Katastrophe". Fischer dagegen erklärte, auf jene Ökonomen zu vertrauen, die ihm sagten, dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone größere Nachteile bringen würde als ein Verbleib im gemeinsamen Währungsraum. Er wünsche sich Stabilität für die Eurozone und hoffe darauf, dass die unternommenen Anstrengungen erfolgreich sein werden. Klaus und Fischer lobten außerdem die bilateralen Beziehungen. Der tschechische Präsident sprach von einer "Brüderschaft" der beiden Länder. Fischer betonte, dass Tschechien für Österreich der 6. wichtigste Handels- und Wirtschaftspartner sei und umgekehrt Österreich für Tschechien an 7. Stelle stehe. Die Präsidenten gingen aber auch auf Streitfragen im bilateralen Verhältnis ein. In der Atomenergie sei für beide die Sicherheit entscheidend. "Mir liegt sehr viel an der Sicherheit der Kernenergie", erklärte Klaus, der auch ein Wochenendhäuschen in Südböhmen mit Blick auf die Kühltürme des umstrittenen AKW Temelin hat. Zum Thema Vertreibung der Sudetendeutschen sagte Fischer, dass beide Präsidenten "nicht die Augen schließen vor Verbrechen, die im 20. Jahrhundert begannen wurden". Es seien nach dem Zweiten Weltkrieg Verbrechen an Sudetendeutschen verübt worden. "Wir müssen mit gleichen Maßstäben jedes Verbrechen als Verbrechen bezeichnen", aber gleichzeitig müsse auf den historischen Kontext geachtet werden. Fischer meinte, ein gemeinsames Geschichtsbuch wäre ein Erfolg.
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