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Werdegang

Heinz Fischer wurde am 9. Oktober 1938 in Graz geboren. Sein Großvater väterlicherseits war Buchhalter in einer Firma in Wiener Neustadt, sein Großvater mütterlicherseits war Eisenbahner. Seine Großmutter mütterlicherseits stammte aus Westungarn.

Seine Eltern (Dr. Rudolf und Emmi Fischer) hatten sich bei einem Esperanto-Kurs in Wiener Neustadt kennen gelernt und übersiedelten nach den Ereignissen vom Februar 1934 nach Graz, wo Heinz Fischer 1938 zur Welt kam.

Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland und der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor Dr. Rudolf Fischer seinen Posten beim Magistrat der Stadt Graz und nachdem er auch keine andere Anstellung in Graz fand, übersiedelte die Familie während des Krieges nach Wien.

Die Volksschule begann Heinz Fischer in dem kleinen burgenländischen Ort Pamhagen. Seine Mutter hatte dort eine Cousine, zu der der Sechsjährige geschickt wurde, als der Bombenkrieg Wien erreichte.

Als gegen Ende des Jahres 1944 die Front näher rückte, übersiedelte Heinz Fischer gemeinsam mit seiner Schwester Edith von Pamhagen in den kleinen niederösterreichischen Ort Loich an der Mariazeller Bahn, wo er die erste Klasse Volksschule beendete.

Einige Montate nach Kriegsende kehrte die Familie nach Wien zurück, wo Heinz Fischer die Volksschule an der Otto Glöckel-Schule in Wien Hietzing fortsetzte und beendete und dann für acht Jahre das Hietzinger Gymnasium in Wien 13., Fichtnergasse besuchte. Als Mittelschüler begeisterte er sich besonders für Sport (vor allem für Fußball), aber auch Politik begann ihn frühzeitig zu interessieren. Die Tatsache, dass sein Vater von 1954 bis 1956 (also während der Zeit des Abschlusses des Staatsvertrages) Staatssekretär in der Regierung Raab/Schärf war, gab seinem politischen Interesse zusätzlichen Auftrieb, und er schloss sich gegen Mitte der fünfziger Jahre der Sozialdemokratischen Mittelschüler-Bewegung an.

Heinz Fischer maturierte 1956, absolvierte nach der Matura den einjährigen Abiturientenkurs an der Handelsakademie am Karlsplatz in Wien und inskribierte dann Rechts- und Staatswissenschaften.

Die ungarische Revolution des Jahres 1956 gegen die stalinistische Diktatur beschäftigte ihn außerordentlich intensiv und er beteiligte sich an vielen Aktionen in Österreich, die den Freiheitskampf der Ungarn unterstützten und die stalinistische Diktatur anklagten. 1958 (von März bis Dezember) absolvierte er den damals neunmonatigen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer, spielte Fußball in der Fußballmannschaft des ASV13 (aus der zweiten Klasse der Wiener Fußballliga) und begann sich verstärkt für Bergsteigen und Bergwanderungen zu begeistern.

Während seiner Studienzeit war er aktiv in der Österreichischen Hochschülerschaft tätig, sowohl im Hauptausschuss der Universität Wien als auch im gesamtösterreichischen Zentralausschuss der Österreichischen Hochschülerschaft (der damals noch in allgemeinen und direkten Wahlen von allen Studierenden gewählt wurde). Bei den Hochschülerschaftswahlen von 1961 war er Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Studenten. Im gleichen Jahr beendete er sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Rechts- und Staatswissenschaften und begann, das Gerichtsjahr zu absolvieren.

Ende 1961 bekam er das Angebot, als juristischer Berater in der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion zu arbeiten, wobei er formal dem Zweiten Präsidenten des Nationalrates Dienst zugeteilt war. Diese Tätigkeit begann er Anfang 1962, zu einem Zeitpunkt, als noch Leopold Figl Präsident des Nationalrates war und Parlamentarier wie Franz Jonas, Franz Olah, Bruno Pittermann, Rosa Jochmann, Bruno Kreisky, aber auch Alfons Gorbach, Alfred Maleta oder Grete Rehor dem Nationalrat angehörten.

Der spätere Bundespräsident Franz Jonas, zu dieser Zeit Wiener Bürgermeister und Mitglied des Nationalrates, ist übrigens damals der Sitznachbar des jungen Klubmitarbeiters im Sitzungssaal der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion gewesen.

Als Heinz Fischer im Sommer 1963 als Nachfolger von Leopold Gratz Klubsekretär der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion wurde, musste er sich auch bei Bundespräsident Adolf Schärf vorstellen, weil dieser (als ehemaliger Klubsekretär aus der Zeit der Ersten Republik) besonderes Interesse an den personellen und inhaltlichen Vorgängen im Parlament hatte.

1964 wurde Heinz Fischer in den Bundesparteivorstand der SPÖ kooptiert und kandidierte zwei Jahre später (auf einem aussichtlosen Listenplatz) erstmals für den Nationalrat. Mit Bruno Kreisky, der Anfang 1967 als Nachfolger von Bruno Pittermann zum Vorsitzenden der SPÖ gewählt wurde, arbeitete Heinz Fischer eng zusammen und Bruno Kreisky war es auch, der im Frühjahr 1967 ein Empfehlungsschreiben an Professor Henry Kissinger in Harvard richtete, als sich Heinz Fischer um die Aufnahme in ein Post Graduate Seminar im Sommersemester 1967 an der Harvard Universität bewarb, das von Henry Kissinger geleitet wurde.

In diesen Jahren (also in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre) schrieb Heinz Fischer seine ersten Bücher, darunter einen Kommentar zur Geschäftsordnung des Nationalrates, eine Textsammlung zur österreichischen Verfassungsgeschichte und ein Buch über Otto Bauer. 1970 war er Preisträger des Theodor Körner Fonds.

Am 20. September 1968 heiratete Heinz Fischer seine Frau Margit, die in Stockholm geboren wurde, weil ihr Vater zunächst von den Nationalsozialisten verhaftet und in ein Konzentrationslager verbracht wurde, dann aber nach Schweden emigrieren konnte.

Bei den Nationalratswahlen im Jahr 1971 wurde Dr. Heinz Fischer mit 33 Jahren zum Mitglied des Nationalrates gewählt, behielt über Vorschlag von Bruno Kreisky und von Leopold Gratz auch die Funktion des Klubsekretärs bei und wurde 1975 von Kreisky zum geschäftsführenden Klubobmann der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion vorgeschlagen. Damit war auch seine Mitgliedschaft im Parteipräsidium der SPÖ verbunden.

1979 wurde Dr. Heinz Fischer zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden der SPÖ gewählt. Er setzte in den siebziger Jahren seine intensive publizistische Tätigkeit fort und das im Jahr 1974 erschienene Buch "Das politische System Österreichs" wurde zu einem der Standardwerke im Bereich der Politikwissenschaft.

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre erhielt er von Univ.-Prof. Dr. Hans Klecatsky, der an der Universität Innsbruck Institutsvorstand war, die Einladung zu einem Habilitationsverfahren an der Universität Innsbruck. Fischer nahm diese Einladung an und wurde 1978 als Universitätsdozent für Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck habilitiert, wo er auch durch viele Semester hindurch Vorlesungen hielt und Prüfungen abnahm.

Als Bruno Kreisky 1983 seine politischen Funktionen niederlegte und Fred Sinowatz als seinen Nachfolger in den Funktionen des Bundeskanzlers und des Parteivorsitzenden vorschlug, übernahm Heinz Fischer in der Regierung Sinowatz das Wissenschaftsministerium, zu dem damals auch die Museen und Bibliotheken des Bundes gehörten. Aus dieser Funktion heraus verstärkte Wissenschaftsminister Dr. Heinz Fischer seine guten Kontakte zu vielen Wissenschaftern und Künstlern, die zu einem guten Teil bis heute aufrecht geblieben sind.

1987 (nach der Bildung der großen Koalition zwischen SPÖ und ÖVP) kehrte Heinz Fischer als SPÖ-Klubobmann ins Parlament zurück und behielt diese Funktion bis 1990, sodass er insgesamt 11 ½ Jahre als Klubobmann bzw. geschäftsführender Klubobmann tätig war. In dieser Funktion baute er vor allem mit Stephan Koren, aber auch mit Alois Mock und Heinrich Neisser gute und freundschaftliche Beziehungen auf. 1990 wurde er mit eindrucksvoller Mehrheit zum Präsidenten des Nationalrates gewählt und behielt auch diese Funktion (nach mehrmaliger Wiederwahl) zwölf Jahre hindurch.

1992 wurde Dr. Fischer auch zum stellvertretenden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Europas gewählt (eine Funktion, die er bis zur Wahl zum Bundespräsidenten ausübte) und 1994 übernahm er die Funktion des Vorsitzenden des Europäischen Forums für Demokratie und Solidarität. Es handelte sich dabei um eine internationale Organisation, deren Aufgabe es war, sich um die Entwicklung demokratischer Strukturen in den jungen Demokratien des ehemaligen Ostblocks zu kümmern. In dieser Funktion entwickelten sich zahlreiche Kontakte zu führenden Persönlichkeiten in den Ländern des ehemaligen Ostblockes, aber auch in anderen Staaten, die eine Beitrittsperspektive zur Europäischen Union verfolgten.

1994 wurde er zum Ordentlichen Universitätsprofessor ernannt und die wichtigsten Publikationen der neunziger Jahre waren die Bücher "Die Kreisky-Jahre" (1993) und "Reflexionen" (1998). Sein Buch aus dem Jahr 2003 trägt den Titel "Wende-Zeiten". Es schildert sowohl die Regierungsverhandlungen der Jahre 1999/2000 als auch jene der Jahre 2002/2003, wobei Heinz Fischer an allen Regierungsverhandlungen teilgenommen hat, die von der SPÖ von 1975 bis 2004 geführt wurden.

Sein vorläufig letztes Buch trägt den Titel "Überzeugungen - Eine politische Biografie". In diesem Buch nimmt Dr. Heinz Fischer zu den Überzeugungen, die ihn leiten, Stellung, zudem enthält es Ausschnitte aus seinen wichtigsten Reden und Texten und spannt damit einen weiten Bogen von den 60er-Jahren bis zur Gegenwart. Es gibt Einblick in sein politisches Denken, erzählt seine politische Laufbahn und fasst seine Gedanken, Sorgen und Hoffnungen für den weiteren Weg Österreichs zusammen.

Dr. Heinz Fischers Liebe zur Musik (auch Jazzmusik) geht auf seine Mittelschulzeit zurück (sein Musikprofessor in der Fichtnergasse war der Komponist und Pionier der modernen Musik Friedrich Cerha). Seine Vorliebe für das Bergsteigen führte dazu, dass er 1972 zum Präsidenten der Österreichischen Naturfreunde gewählt wurde - eine Funktion, die er bis zum Frühjahr des Jahres 2005 ausübte (also 33 Jahre lang).

Seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten erfolgte am 3. Jänner 2004 und bei der Bundespräsidentenwahl vom 25. April 2004 wurde er mit 52,39 Prozent der Stimmen zum achten Bundespräsidenten der Zweiten Republik gewählt.

Seine Angelobung erfolgte am 8. Juli vor der Bundesversammlung in Wien, also in einer gemeinsamen Sitzung von Nationalrat und Bundesrat.

Margit und Heinz Fischer haben zwei Kinder, Philip (geb. 1972, Betriebsberater) und Lisa (geb. 1975, Ärztin).

Heinz und Margit Fischer bewohnen seit mehr als 33 Jahren die gleiche Wohnung in Wien Josefstadt, die etwa 5000 Bücher beherbergen muss.