Von Dr. Heinz Fischer
Im Tagesablauf eines Bundespräsidenten gibt es viel Abwechslung. Jeder Arbeitstag ist anders, keiner gleicht dem anderen und das macht meine Tätigkeit so spannend.
Meistens stehe ich um 6.30 Uhr auf. Für ein bisschen Sport muss Zeit sein und danach geht es zum Frühstück. Dieses ist nicht sehr abwechslungsreich. Fast immer ungezuckerter Tee und Früchte oder Müsli. Ins Parlament bin ich früher meistens zu Fuß gegangen und nur manchmal mit dem Auto gefahren. Jetzt ist es umgekehrt: Ich fahre meistens mit dem Auto und zwar deshalb, weil ich mir am Abend immer noch eine Aktentasche mit Post oder einer Lesemappe mit nach Hause nehme, und die muss in der Früh wieder ins Büro befördert werden.
Im Büro bin ich meistens zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr. Die Vormittage sind ganz unterschiedlich. Die Termine sind meistens in 20- oder 30-Minuten-Abständen eingeteilt. Aber es gibt natürlich auch Termine, die man in zehn Minuten erledigen kann, und manchmal muss für einen Termin eine ganze Stunde reserviert werden. Die Bandbreite der möglichen Gesprächspartner ist groß. Es können Regierungsmitglieder oder Parlamentarier sein, es können ausländische Diplomaten oder Journalisten sein, es können Vertreter von Kunst oder Wissenschaft sein, es können Besucher aus dem Ausland sein, es können persönliche Freunde oder auch einmal meine Kinder sein, es können Vertreter der Wirtschaft oder Gewerkschafter/innen sein und würde ich jetzt meinen Kalender zur Hand nehmen, dann würden mir sicher noch weitere Kategorien einfallen.
Natürlich gibt es auch Termine außer Haus, Teilnahme an Veranstaltungen, Eröffnungsreden etc. Das Mittagessen muss manchmal zur Gänze entfallen, manchmal besteht es aus einer Semmel und Obst und manchmal ist es die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen mit einer Persönlichkeit (oder mit mehreren Persönlichkeiten), mit der/denen man Ausführlicheres zu besprechen hat. Oft stehen auch Termine außerhalb Wiens auf meinem Programm und ich glaube, sagen zu dürfen, dass ich viel und gerne in den Bundesländern unterwegs bin.
Am Nachmittag werden ebenfalls Termine für Besuche in den Kalender genommen, aber es muss auch Zeit bleiben, die Post zu studieren, Akten zu erledigen, Telefonate zu beantworten oder Besprechungen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchzuführen. Manchmal kommen auch Besuchergruppen in die Hofburg und auf diesem Gebiet gibt es wesentlich mehr Nachfragen als man auf Grund des Kalenders Zusagen geben kann.
Ja, und auch das Programm für die Abende ist abwechslungsreich, weil viele Kulturveranstaltungen traditionell am Abend stattfinden wie Ausstellungseröffnungen, Abendessen, Festveranstaltungen etc. Auch der Besuch von Sportveranstaltungen soll nicht unerwähnt bleiben.
Termine für Besuche von Ballveranstaltungen wird man hingegen in meinem Kalender kaum finden. Schon aus Gründen der Gleichbehandlung und der Vermeidung des Gefühls der Benachteiligung habe ich mich entschlossen, nur den Opernball als Staatsball zu besuchen und ansonsten um Verständnis dafür zu ersuchen, dass ich Einladungen zu Ballveranstaltungen nicht annehmen kann.
Natürlich haben auch die Jahreszeiten einen gewissen Einfluss auf den Terminkalender. Im Winter muss naturgemäß manches ein bisschen anders organisiert werden als im Sommer, und der Terminkalender sieht im Jänner etwas anders aus als im August...