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Pietra-Dura-Zimmer

virtueller Rundgang

 

Der erste eigentliche Repräsentationsraum ist das „Pietra-dura-Zimmer“, so genannt nach den buntfarbigen „Gemälden“ an den Wänden, die nicht, wie es den Anschein hat, mit Ölfarben auf Leinwand gemalt, sondern aus geschnittenen farbigen Halbedelsteinen mosaikartig zusammengesetzt sind. Die Sammlung im „Pietra-dura-Zimmer“ ist die mit Abstand größte in der Welt.

pietra dura = harter Stein

Die Technik des sogenannten „Florentiner Mosaiks“ wurde als „commesso in pietre dure“ (pietra dura = harter Stein) in den Hofwerkstätten der Medici in Florenz im 16. Jahrhundert entwickelt. Sie verwendet zugeschnittene und geschliffene dünne Steinplättchen zur Darstellung von Landschaften, Szenen aus dem Gesellschaftsleben, Allegorien und Stillleben. Vielfach werden die natürlichen Farbschattierungen der Steine ausgenützt, um etwa Wolken naturgetreu abzubilden.


Die Steinbilder im Leopoldinischen Trakt der Burg wurden in der Florentiner Werkstätte in der Zeitvon 1737 bis 1767 unter der Leitung von Pietro Scacciati, Lodovico Sieries und Cosimo Sieries hergestellt. Die Entwürfe stammen zumeist von Guiseppe Zocchi. Die Sammlung wurde im Auftrag Franz Stephans von Lothringen angelegt, der als Franz II. Großherzog von Toscana und als Franz I. Römischer Kaiser war. Die Bilder wurden nach Wien gebracht und zunächst im sogenannten „Kaiserhaus“ in der Wallnerstraße aufbewahrt. Nach dem Jahre 1791 gelangten sie in einen Nebenraum des kaiserlichen Mineralienkabinetts in der Hofburg, seit 1841 hängen sie im Leopoldinischen Trakt.

Zwischen den 67 Pietra-dura-Bildern sind die Porträts des Kaisers Josef II., seines Bruders und Nachfolgers Leopold II. und des Feldmarschalls Laudon aus dem Jahre 1790 angebracht; Dabei handelt es sich um sogenannte Scagiolen, das sind Einlegearbeiten aus Kunstmarmor. Sie stammen vom Maler Wolfgang Köpp von Felsenthal.

Auch die Schränke und Tische dieses Zimmers sind Florentiner Pietra-dura-Arbeit. Der größte und schönste dieser Tische wurde während der NS-Zeit vom damaligen Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach, dem italienischen Außenminister Conte Ciano als Gastgeschenk überreicht und fehlt seither in der Sammlung.

 

Der prächtige, besonders große und dekorative Ofen in diesem Raum stammt nicht aus der Zeit Maria Theresias, sondern wahrscheinlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Quer über dem Mittelteil des Ofens ist in barockisierender Zierschrift in Goldbuchstaben der Wahlspruch Kaisers Franz Josephs „Viribus Unitis“ angebracht; vermutlich war der Kamin ein Geschenk an den Kaiser anlässlich eines Thronjubiläums.