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Maria-Theresien-Zimmer

virtueller Rundgang



Dieser große dreifenstrige Raum diente der Maria Theresia während ihrer Witwenzeit als Schlafgemach; hier ist sie dreiundsechzigjährig im Jahre 1780 gestorben - für damalige Begriffe eine alte Frau.

Über die ursprüngliche Einrichtung sind wir durch ein Bild unterrichtet, das an der Stirnwand des Raumes hängt. Das Zimmer war mit dunkelrotem, goldbesticktem Samt bespannt, von dem noch einzelne Stücke erhalten sind. In der Mitte der Längswand ragte das Prunkbett in den Raum, darüber wölbte sich ein schwerer Samtbaldachin, dessen mächtiger haltender Haken erst nach dem Einzug der Präsidentschaftskanzlei aus der Decke entfernt wurde. Es muß ein recht düsterer Schlafraum gewesen sein, wie er dem Geschmack der Zeit entsprach. Der heutige Verwendungszweck als Empfangszimmer des Bundespräsidenten und offizieller Raum für Regierungsangelobungen, Staatsbesuche und die Überreichung von Beglaubigungsschreiben ausländischer Botschafter bedingte freilich eine freundlichere Gestaltung. Zwei lebensgroße Porträts von Maria Theresia und Franz I. erinnern an die ursprünglichen Bewohner.

Astronomische Standuhr

Das interessanteste Stück der alten Einrichtung steht noch heute an derselben Stelle wie einst. Es ist eine hohe astronomische Standuhr aus wertvollem Material mit Schildpatt, getriebenem Silber und geätzten Goldplättchen. Der bayrische Hofuhrmacher Mayr hat sie im Jahre 1671 als Musterbeispiel höchster Handwerkskunst verfertigt. Ihr vierkantiger Aufsatz zeigt nach allen Seiten Zifferblätter, von denen man alle möglichen Angaben über Mondphasen, geographische Zeitunterschiede, ja sogar den Namen des Tagesheiligen ablesen kann.

Das Merkwürdigste aber ist, dass das Zifferblatt der Ortszeit verkehrt angeordnet ist und sich die Zeiger gegen den Uhrzeigersinn bewegen. Über den Grund dieser eigenwilligen Anordnung gibt es mehrere Versionen. Die wahrscheinlichste will wissen, dass dies der Bequemlichkeit der Kaiserin dienen sollte, damit sie vom Bett aus die richtige Zeit im gegenüberhängenden großen Spiegel ablesen konnte, ohne sich umzuwenden. Für diese Annahme spricht die Tatsache, dass die schweren Vorhänge ihres Bettes des Maria Theresia unmöglich gemacht hätten, das Zifferblatt einer neben diesem Bett stehenden Uhr zu sehen. Auf dem Bild, das den Raum in seinem ursprünglichen Zustand zeigt, ist diese Situation erkennbar.

Das zweite Schmuckstück dieses Zimmers ist der Schreibtisch Maria Theresias, der ursprünglich in dem benachbarten Arbeitskabinett (jetzt das „Miniaturenkabinett“) stand. Im Stil des berühmten Hoftischlers Ludwigs XIV., André Charles Boulle, gehalten - Einlegearbeit aus Ebenholz, Elfenbein, Perlmutt, Schildpatt und Bronze -, hat der kleine, zierliche Sekretär, in dem sogar heute noch das Tintenfass und der Streusandbehälter der Kaiserin eingeschlossen sind, nicht nur historischen, sondern auch einen ästhetischen Wert.

1957: Hausaltar entdeckt



Bei 1957 in diesem Raum vorgenommenen Restaurierungsarbeiten wurde eine überraschende Entdeckung gemacht. Nach Entfernung einer glatten Wandverkleidung und einer dahinterliegenden Holzverschalung kam ein in eine Wandnische eingelassener Altar zum Vorschein, der mit einem aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts stammenden Bild, einer originellen Variation der berühmten „Anbetung der Hirten“ von Correggio, geschmückt ist. Obwohl keine der Beschreibungen und Aufzeichnungen diesen Hausaltar ausdrücklich erwähnt, dürfte er dennoch eine interessante Geschichte haben:

1782 besuchte Papst Pius VI. in Wien Josef II., um ihn zu einer milderen Politik gegenüber den Klöstern zu überreden. Aus der vor mehr als hundert Jahren erschienenen „Beschreibung der kaiserlichen Burg“ von Realis weiß man, dass Josef II. „seinem erhabenen Gast jene Gemächer im Leopoldinischen Trakt einräumen ließ, welche seine Mutter Maria Theresia bewohnt und wo sie erst vor zwei Jahren ihren Geist aufgegeben hatte“. Und nun heißt es weiter: „Den Kammeraltar Seiner Heiligkeit schmückte das bekannte wundertätige ferdinandinische Kruzifix, welche Aufmerksamkeit Pius VI. sehr zu schätzen wußte“. (Es handelt sich um das in der Schatzkammer aufbewahrte Kruzifix, vor dem Ferdinand II. Hilfe erflehte, als er in der Burg von den protestantischen Standesherren arg bedrängt wurde.)

Die Notiz von Realis könnte darauf schließen lassen, dass Josef II. den Hausaltar für den Besuch des Papstes im Schlaf- und Sterbegemach seiner Mutter einbauen ließ. Nach der Abreise des Papstes geriet der Altar in Vergessenheit; dies mag daran liegen, dass er nach der Abreise des Papstes zwar nicht abgetragen, aber hinter der Wandverkleidung verborgen wurde, um das Zimmer wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Bei der jüngsten Restaurierung wurde die Bespannung zum Öffnen eingerichtet, so dass der Altar sichtbar gemacht werden kann.

Anschließend: Das Jagdzimmer

Die anschließenden Räume der Hofseite des Leopoldinischen Traktes, von denen der erste, das sogenannte „Jagdzimmer“, jetzt als Konferenzzimmer der Präsidentschaftskanzlei dient, gehörten nicht zur Wohnung Maria Theresias.

Sie standen vielmehr mit dem Schweizerhof, dem späteren Appartement Franz II., in Verbindung. Diese Räume wurden, wie der ganze östliche Burgflügel, während der Besatzungszeit 1945-55 von der Armee der Sowjetunion als Militärkasino benützt.