Rootline Navigation

Josephskapelle



Am Westende des Leopoldinischen Traktes, der Bellaria benachbart, erwartet den Besucher noch eine letzte Überraschung. In einem schmalen Vorzimmer öffnet man ihm die Tür eines vermeintlichen Wandschranks und er blickt hinab in eine geräumige Kapelle, beinahe schon eine kleine Kirche, die, mehrere Stockwerke hoch, in den Leopoldinischen Trakt eingebaut ist. Die „Schranktür“ bildet den Eingang zum Oratorium, in dem Maria Theresia, ohne ihre Wohnung zu verlassen, die Messe mitfeiern konnte. Nur wenige Wiener wissen von der Existenz dieser „Josephskapelle“: Ihre vier dem Heldenplatz zugewendeten oberen Fenster sind nur um ein paar Scheiben höher als die vielen anderen des langen Traktes, so dass man von außen her nicht ahnt, was sich hinter ihnen verbirgt.



Die Kapelle, die früher St. Michaels oder Kammerkapelle hieß, wurde 1772 von Maria Theresia von Grund auf erneuert und ersetzte bei hohen Festen, zum Beispiel bei der Grablegung am Karfreitag, die fehlende Seitenkapelle der im Schweizertrakt gelegenen gotischen Hofkapelle. Das ursprüngliche Altarbild „Tod des hl. Joseph“ von Carlo Maratti wurde in den Chroniken als besonders schön gerühmt. Anlässlich der Silbernen Hochzeit von Franz Joseph und Elisabeth („Sisi“) wurde es durch ein von den Kindern (Kronprinz Rudolf und den Schwestern Gisela und Marie Valerie) gestiftetes, dreiteiliges Gemälde Hans Canons ersetzt, das die Porträts der damaligen kaiserlichen Familie in allegorischer Darstellung vereinigt.