Rede des Bundespräsidenten beim Festakt "50 Jahre Südtirol-Paket"

»Österreich wird auch in Zukunft an der Seite Südtirols stehen.«

50 Jahre nach der Annahme des »Südtirol-Pakets« nahmen der Bundespräsident und Italiens Präsident Sergio Mattarella an einem Festakt auf Schloss Tirol bei Meran teil.

"Südtirol ist ein weltweites Vorzeigemodell des gelebten Minderheitenschutzes", erklärte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner Rede. Es sei ein "blühendes, friedliches Land, ein ganz besonderes Land", so Van der Bellen. Dies gelte auch für ihn persönlich - schließlich sei er im Kaunertal nahe der Grenze zur autonomen Provinz aufgewachsen. "Südtirol ist für mich eine Herzensangelegenheit", meinte das Staatsoberhaupt.

"Österreich wird auch in Zukunft an der Seite Südtirols stehen", betonte Van der Bellen die Schutzfunktion des Landes und betonte gleichzeitig die "gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit" mit Italien. Ein Zeichen dafür sei auch das Treffen mit seinem Amtskollegen anlässlich "50 Jahre Südtirol-Paket" und 100 Jahre Friedensvertrag von Saint-Germain mit der Abtrennung Südtirols von Österreich. "Das ist alles nicht ganz selbstverständlich", so der Bundespräsident. Die Annahme des Südtirol-Pakets bei der Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei vor 50 Jahren sei jedenfalls ursächlich gewesen für die heutige "moderne Autonomie Südtirols".

"Wir sind durch eine enge Freundschaft verbunden", unterstrich auch Mattarella die Beziehung zwischen Österreich und Italien sowie jener ihrer Staatsoberhäupter. Die Autonomie Südtirols habe einen "langen, positiven Weg zurückgelegt" und sei ein "weltweites Beispiel für ein friedliches Zusammenleben".

Mattarella verwies aber auch darauf, dass die Autonomie auch "dunkle Zeiten hinter sich" habe und erwähnte dabei die Anschläge des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS), die schließlich in die sogenannte "Feuernacht" vom 11. auf den 12. Juni 1961 mündeten. Vorwiegend habe es aber "Phasen intensiver Zusammenarbeit" gegeben.

 

Vor Van der Bellen und Mattarella hatte Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher in seiner Rede den Pakt vor 50 Jahren als "Sieg des Veränderungswillens über das Misstrauen" und als eine "Sternstunde der Demokratie" bezeichnet. Südtirol stehe heute dank der Autonomie "wirtschaftlich und kulturell gut da", eine langfristige "Assimilierung" habe nicht stattgefunden. Die Autonomie müsse auch heute ständig weiterentwickelt und an neue Erfordernisse angepasst werden, betonte Kompatscher. Der Landeshauptmann schlug auch nachdenkliche und warnende Töne an. "Diese positive Entwicklung wird aber nachhaltig gestört, ja aufs Spiel gesetzt, wenn es immer wieder ein Zündeln und gegenseitiges Provozieren gibt", kritisierte er und wies etwa auf den "Umgang mit Symbolen der belasteten und belastenden Vergangenheit" hin.

Nach dem Festakt reisten Mattarella und Van der Bellen nach Bozen weiter. Dort kam es zu zwei kurzen geschichtsträchtigen Gedenken. Am Bozner Ansitz Stillendorf wurde des Südtiroler Lehrers Franz Innerhofer vor dessen Gedenktafel gedacht. Dieser war am "Blutsonntag" des 21. April 1921 beim Versuch, einen Schüler zu beschützen, von faschistischen Schlägern erschossen worden. Noch nie hatte ein italienischer Staatspräsident zuvor einem Südtiroler Opfer des Faschismus die Ehre erwiesen.

Und schließlich legten die beiden Staatsoberhäupter an der Mauer des Bozner Durchgangslagers während der Nazi-Zeit einen Kranz nieder. Zum ersten Mal setzten die beiden Präsidenten von Italien und Österreich gemeinsam ein solches Zeichen.
APA/PRK

Festakt "50 Jahre Südtirol-Paket" 23. November 2019

Fotos: Peter Lechner/HBF