Länder feierten die Gründung der Republik vor 100 Jahren

Festakt mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Palais Niederösterreich.

Mit einem Festakt ist am Donnerstag der Gründung der Republik Österreich vor 100 Jahren gedacht worden. Die Landeshauptleute brachen dabei eine Lanze für den Föderalismus und die EU, Bundespräsident Alexander Van der Bellen lobte die Länder als "Kitt eines gemeinsamen Europa". EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erntete Applaus für seinen Appell, gegen "Gefahr von rechts" aufzustehen.


Der Ort des Festaktes, das Palais Niederösterreich in der Wiener Herrengasse, wurde bewusst gewählt: Am 21. Oktober 1918 war es in diesem Gebäude zur Konstituierung einer provisorischen Nationalversammlung durch Abgeordnete aus mehrheitlich deutsch besiedelten Gebieten gekommen - der Beginn zur Gründung der Republik, betonte der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz Hans Niessl. "Die Länder haben damit einen wesentlichen Anteil am Entstehen der Republik." Erwartungsgemäß brach Landeshauptmann Niessl auch eine Lanze für den Föderalismus heute und warb einmal mehr für ein "Europa der Regionen" und eine Stärkung des Subsidiaritätsprinzips.

Die Bundesländer seien "Motoren" bei grenzüberschreitenden Kooperationen in den Regionen, betonte Alexander Van der Bellen bei der Feier, zu der zahlreiche Prominenz der Republik erschienen war. Sie arbeiteten so täglich an der Festigung und am Ausbau einer föderalen EU.

Besonderer Gast war denn auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der die Länder zu Beginn seiner Rede auf seine ganz eigene Art würdigte: "Ich treffe die Landeshauptleute regelmäßig in Brüssel oder sonst wo, und ich mag diese Treffen sehr, weil wir ungestört über Europa und über die Bundesregierung schimpfen können", erheiterte  Jean-Claude Juncker die Gäste.

Der Kommissionspräsident hatte aber durchaus auch ernste Worte im Gepäck. An einem Tag wie heute - "ein stolzer Moment in der Geschichte" - müsse man sich auch mit der Vergangenheit beschäftigen, erinnerte der Kommissionspräsident etwa an die Zeit des Nationalsozialismus. Wer die Geschichte nicht kennt, dem fehle die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Die EU werde nicht zu den Vereinigten Staaten von Europa werden, aber er sei auch gegen "Verzwergung", meinte Jean-Claude Juncker. "Wir müssen aufstehen, wenn Gefahr von rechts sich ungehindert durchsetzt, wenn stupider Populismus und bornierter Nationalismus einen Marsch in die Zukunft antreten, den man stoppen muss, solange dazu noch Zeit ist." Österreich sei ein Brückenbauer und "eine Republik, die gegen Unrecht und für Gerechtigkeit kämpfen muss", das wünsche er für den weiteren Weg.

Er sei dankbar, dass Jean-Claude Juncker nicht verraten habe, was gesprochen werde, "wenn die Regierungschefs und du beisammen sind", konterte Bundeskanzler Sebastian Kurz dem Kommissionspräsidenten launig. Österreich sei ein föderales und subsidiäres Land, in dem die Bundesländer stets "identitätsgebend" gewesen seien. Auch wenn sich die Gebietskörperschaften "gegenseitig viel ausrichten", funktioniere die Zusammenarbeit gut, versicherte Sebastian Kurz. Aus der Geschichte solle man lernen, dass der demokratische Diskurs stets respektvoll stattfinden solle, auch wenn die Zugänge politisch unterschiedlich seien. Heute sei Österreich ein starkes und stabiles Land, fest verankert in der EU und gewillt, Europa aktiv mitzugestalten. Dennoch müsse man sich immer vor Augen halten, dass Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Friede, soziale Sicherheit und Wohlstand nicht selbstverständlich seien.

APA/PRK

Festakt „100. Jahrestag der Wiederkehr der Gründung der Republik Österreich“

Fotos: HBF/Carina Karlovits