Hinter den Kulissen am Ballhausplatz

Der Ballhausplatz ist die erste Adresse der Republik und mit dem Parlament am Ring zentraler Ort des politischen Geschehens in Österreich. Ein Blick in die bewegte Geschichte und hinter die Kulissen des Ballhausplatzes.

Ein lautes „Guten Morgen!“, ein kollegiales „Mahlzeit“ oder ein wortloses Zunicken über den Platz hinweg – am Ballhausplatz in Wien herrscht neben touristischem Treiben und der üblichen Belebtheit, die eine Großstadt zu bieten hat, eine hohe Gruß-Frequenz. Warum das so ist, ist leicht erklärt: Man kennt sich. Es sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der rundum beheimateten politischen Institutionen, Parlament, Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei, die einander hier begegnen. Denn der Ballhausplatz ist das Regierungszentrum Österreichs, in dessen Nähe sich auch das Außenministerium sowie das Innenministerium, der Sitz des Vizekanzlers und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung befinden. In nur wenigen Ländern stehen die wichtigsten Amtsgebäude so dicht beieinander. Und in nur wenigen Ländern konzentriert sich die politische Macht auf so engem Raum und ermöglicht den handelnden Personen auf kurzem Wege den Gang zu den jeweils anderen Gebäuden und damit zum wichtigen politischen Austausch.

Einmal quer über den Platz

Aber auch für manche Szene am Rande von Staatsakten bietet der Ballhausplatz eine Bühne. So tritt eine neu gebildete Bundesregierung traditionellerweise per pedes den Weg vom Bundeskanzleramt zur Präsidentschaftskanzlei an, um vom Bundespräsidenten angelobt zu werden.

Staatsgäste queren den Platz in die Gegenrichtung – etwa dann, wenn sie nach dem offiziellen Empfang beim Bundespräsidenten auch einen Termin im Bundeskanzleramt wahrnehmen. Staatsgäste, die vom Bundespräsidenten mit Militärischen Ehren empfangen werden, kommen übrigens nicht am Ballhausplatz an. Diese Zeremoniell findet im Inneren Burghof der Hofburg statt.

Ein Ort wechselvoller Geschichte

So vielfältig wie die Personen, die den Ballhausplatz queren, so vielfältig sind auch die historischen Aspekte, die dieser Ort birgt. Der Ballhausplatz spiegelt die wechselvolle Geschichte von der Monarchie zur Ersten Republik, zum Ständestaat, zur Zeit des Nationalsozialismus und des Wiedererstehens des neuen Österreich 1945 in eindrucksvoller Weise wider. Hier wurde im wahrsten Sinn des Wortes – in dunklen und in hellen Zeiten – österreichische Geschichte geschrieben.

Vom heutigen Bundeskanzleramt aus regierten Maria Theresias wichtigste Berater Fürst Kaunitz und danach der mächtige Staatskanzler Metternich, in dessen Regierungsperiode der Ballhausplatz als Geheime Staatskanzlei seine Blütezeit erlebte. Heute ist „der Ballhausplatz“ auch Synonym für das der Präsidentschaftskanzlei gegenüberliegende Bundeskanzleramt, das vor 300 Jahren von Johann Lukas von Hildebrandt erbaut wurde.

Der Ballhausplatz ist in der Geschichte der Zweiten Republik auch jener Platz, auf dem politische Kundgebungen, Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen stattgefunden haben und stattfinden und spiegelt somit das aktuelle politische Geschehen wider.

Dass die Geschichte dieses Platzes immer noch weitergeschrieben wird, zeigt die Errichtung des Denkmals für die Verfolgten der NS-Militärjustiz im Jahr 2014 am südwestlichen Rand des Volksgartens – ein Platz, der einst für die Aufstellung eines Denkmals für den ermordeten Bundeskanzler Engelbert Dollfuß vorgesehen war. Der Künstler Olaf Nicolai hat eine begehbare Treppenskulptur in Form eines liegenden X entworfen.

Übrigens: Der Wiener Ballhausplatz in seiner heutigen Form besteht erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als die Stadtmauer abgetragen wurde und damit ein neuer öffentlicher Raum entstanden ist.