Pressegespräch der beiden Staatsoberhäupter in Beirut

Bundespräsident Alexander Van der Bellen traf Präsident Michel Aoun in Beirut

Alexander Van der Bellen würdigte die »Gastfreundschaft« der Libanesen gegenüber den Flüchtlingen.

 

 

Ein Ende des Syrien-Kriegs ist nur mit Russland und den USA möglich. Das erklärte Libanons Präsident Michel Aoun bei einem Treffen mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen in Beirut. Erst wenn diese Mächte aufhören würden, ihre Einflusssphären in der Region abzustecken, sei eine dringend nötige politische Lösung denkbar, so Präsident Aoun.

Eine solche hänge nämlich nicht nur "von uns und von Syrien" ab, formulierte der Präsident. Vielmehr müssten eben Player wie Russland oder die USA davon abrücken, nur "kurzfristige Lösungen" zu suchen. Der Libanon habe bereits die Konsequenzen des Konflikts getragen, sagte Michel Aoun in Anspielung auf die große Anzahl von syrischen Flüchtlingen im Libanon. Ihre Zahl beläuft sich unterschiedlichen Angaben zufolge auf bis zu 1,3 Millionen, das Land selbst hat knapp unter fünf Millionen Einwohner.

"Wir können keine weitere Bürden übernehmen", erklärte Präsident Aoun, "die Internationale Gemeinschaft muss Verantwortung übernehmen." Es müsse damit begonnen werden, die vom Krieg Vertriebenen wieder in ihre Heimat zu bringen.

 

Alexander Van der Bellen würdigte die "Gastfreundschaft" der Libanesen gegenüber den Flüchtlingen. Auch Österreich liege mit der Anzahl der Asylanträge pro Kopf der Bevölkerung an der Spitze, erinnerte der Bundespräsident, mit der Situation im Libanon sei dies aber nicht vergleichbar.

Österreich und die EU würden aber den UNO-Einsatz in Syrien und die Bemühungen der Vereinten Nationen zur Lösung der humanitären Krise unterstützen, erinnerte Alexander Van der Bellen. Er erwähnte auch die Bemühungen von Organisationen wie dem Österreichischen Roten Kreuz, das in libanesischen Flüchtlingscamps beispielsweise im Gesundheitsbereich oder im Sanitärwesen für die Wasserversorgung und das Abwassermanagement verantwortlich seien.

Bundespräsident Van der Bellen lobte den Libanon dafür, dass das Land trotz kultureller und religiöser Differenzen stabil geblieben sei. Zudem sei es gelungen, den Libanon "in einem sehr herausfordernden Umfeld vor Turbulenzen zu bewahren".

Präsident Aoun beklagte anhaltende Territorialverletzungen ("Am Land, zur See und in der Luft") durch Israel. Alexander Van der Bellen riet dazu, sich von diesen "Nadelstichen" nicht beunruhigen zu lassen. Er hoffe jedenfalls auf eine friedliche Zukunft in der Region. "Ich würde gerne als Tourist wieder in den Libanon kommen."

Am Nachmittag folgte für Alexander Van der Bellen die Teilnahme an einem österreichisch-libanesischem Wirtschaftsforum. Am Mittwoch wird der Bundespräsident den österreichischen Bundesheer-Soldaten im Rahmen der UNIFIL-Mission einen vorweihnachtlichen Besuch im Camp Naqoura abstatten. Diese sind dort als Friedenstruppen im Einsatz.

Seit November 2011 beteiligt sich das Bundesheer an der UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen im Libanon. An dem "United Nations Interim Forces in Lebanon"-Einsatz nehmen nach Angaben des Verteidigungsministeriums rund 11.800 Soldaten und 1.000 UN-Zivilangestellte aus 40 Nationen teil. Österreichs Beitrag besteht derzeit aus 175 Soldaten.

 

Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Libanon - Politische Gespräche

Fotos: Peter Lechner/HBF