Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Bundesminister!
Sehr geehrter Herr Generalstabschef!
Sehr geehrte Ehren- und Festgäste!
Und vor allem Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, die
Sie heute in aller Form Ihre Offiziersausbildung
beenden und im Rahmen dieser traditionsreichen Feier auf diesem historischen
Platz als die jüngsten Offiziere in das Österreichische Bundesheer übernommen
werden.
Dieser Tag ist für Sie einer, an den Sie sich – davon bin ich überzeugt –
stets und gerne erinnern werden, steht er doch am Ende eines langen und hohe
Anforderungen stellenden Ausbildungsweges, den Sie erfolgreich zurückgelegt
haben – wozu ich Ihnen herzlich gratuliere.
Diese Ausmusterung 2005 wird Ihnen aber vielleicht auch deshalb in
besonderer Erinnerung bleiben, weil sie in einem Jahr erfolgt, das für
Österreich und für das österreichische Bundesheer von großer Bedeutung ist.
Für Österreich jährt sich heuer zum sechzigsten Mal das Ende eines
schrecklichen und blutigen Krieges, aber auch das Ende der verbrecherischen
Diktatur des Nationalsozialismus, gleichzeitig aber auch der sechzigste
Jahrestag der Wiedererrichtung unserer demokratischen Republik Österreich.
Es wurden aus diesem Anlass Klarstellungen getroffen, die auch vom
österreichischen Bundesheer mitgetragen werden, z.B. die Klarstellung, dass es
auch unter uns Österreichern während der Zeit des Nationalsozialismus Opfer und
Täter gegeben hat, oder auch die Klarstellung, dass Männer und Frauen, die
versucht haben, Widerstand zu leisten, oder die versucht haben, auf eine
vorzeitige Beendigung dieses schrecklichen Krieges hinzuarbeiten, unseren
vollen Respekt verdienen, wie das z.B. in der Ehrung des in der NS-Zeit
hingerichteten Oberstleutnant Bernardis oder in der Ehrung des mit großem Mut
im Widerstand tätigen Major Szokol zum Ausdruck gekommen ist.
Im heurigen Jahr jährt sich aber auch zum fünfzigsten Mal der Abschluss des
österreichischen Staatsvertrages. Je größer der zeitliche Abstand zu diesem
historischen 15. Mai 1955 geworden ist, umso deutlicher sehen wir,
wie wichtig dieses Datum für die Geschichte unseres Landes und für den Aufstieg
der Zweiten Republik ist. Österreich hat damit die volle und uneingeschränkte
staatliche Souveränität erlangt, und der Abschluss des Staatsvertrages hat auch
die Wiederaufstellung des österreichischen Bundesheeres ermöglicht. Vor wenigen
Tagen jährte sich zum fünfzigsten Mal die Beschlussfassung über das
österreichische Wehrgesetz, und auch wenn wir den 50. Geburtstag des
österreichischen Bundesheeres am 26. September noch in gesonderter Weise
feiern werden, darf man auch hier und heute dem österreichischen Bundesheer,
dem Sie meine Damen und Herren ja zutiefst verbunden sind, zum
50. Geburtstag gratulieren.
Dazu kommt, dass mit der Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes am
26. Oktober 1955 Österreich eine ganz bestimmte Funktion zwischen den
damaligen Militärblöcken eingenommen und ein eindeutiges,
verfassungsrechtlich verankertes Bekenntnis zur Friedenspolitik abgelegt hat.
Neutralität heißt vor allem keine Beteiligung an Kriegen, keine
fremden Truppen im eigenen Land, keine Teilnahme an einem Militärpakt,
und das österreichische Bundesheer unterstützt in Übereinstimmung mit der
österreichischen Bevölkerung diese Ziele.
Meine Damen und Herren!
In den vergangenen 50 Jahren hat unsere Heimat eine für das Land und seine
Bürger und Bürgerinnen außerordentlich positive Entwicklung in fast allen
Lebensbereichen genommen. Eine Entwicklung, wie sie die Menschen im Jahr 1955
und erst recht im Jahr 1945 in diesem Ausmaß nicht zu hoffen gewagt hätten.
Auch unser Bundesheer hat dazu wesentliche Beiträge geleistet. Immer, wenn
Gefahren für unsere Heimat gedroht haben, wenn es krisenhafte Entwicklungen gab,
oder wenn wir von Katastrophen betroffen waren, hat das österreichische
Bundesheer in seiner Gesamtheit seinen Auftrag bestens erfüllt.
Die erste Bewährungsprobe für das noch junge Heer war zweifellos die so
genannte „Ungarnkrise“ im Herbst 1956, als Österreich schutzsuchenden Menschen
und Flüchtlingen aus unserem Nachbarland Hilfe und Sicherheit angedeihen ließ
und gleichzeitig demonstrierte, dass Neutralität nicht Gesinnungslosigkeit oder
Gleichgültigkeit bedeutet und mit Solidarität jedenfalls vereinbar ist.
Ähnliches galt einige Jahre später, als der so genannte „Prager Frühling“ im
August 1968 durch militärische Intervention ein jähes Ende fand.
Gerade in den letzten Wochen habe ich auch von den Landeshauptleuten dreier
Bundesländer, die von einer schweren Hochwasserkatastrophe betroffen waren,
gehört, wie effizient, wirksam und gut organisiert der Hilfseinsatz des
österreichischen Bundesheeres war. Ich darf bekennen, dass ich stolz über diese
Mitteilung und daher stolz auf das Bundesheer bin, und ich danke von dieser
Stelle aus allen, die an diesen Einsätzen beteiligt waren.
Meine Damen und Herren des Ausmusterungsjahrganges 2005!
Sie treten nunmehr Ihren Dienst als Offiziere der Republik Österreich an,
in einer Situation, die sich von den Gegebenheiten nach der Gründung des
Bundesheeres wesentlich unterscheidet. Österreich ist heute Mitglied der
Europäischen Union, umgeben von Ländern, mit denen wir nicht nur
freundschaftliche Beziehungen haben, sondern mit denen wir auch aufs Engste
zusammenarbeiten.
Eine klassische militärische Bedrohung von einem unserer Nachbarn liegt
nicht vor.
Aber auch heute ist der Friede kein Geschenk und keine
Selbstverständlichkeit. Das Bedrohungsbild hat sich zwar gewandelt, aber
Gefahren und Gefährdungen verschiedenster Art müssen weiterhin ernst genommen
werden. Dazu zählt auch das Problem des Terrorismus, oder die Tatsache, dass wir
heute noch intensiver als in früheren Jahrzehnten entschlossen sind,
Menschenrechte ernst zu nehmen oder der Entwicklung von Krisenherden
vorzubeugen. Aus guten Gründen bekenne ich mich daher weiterhin zu unserem
österreichischen, auf bewährten gesetzlichen Bestimmungen aufgebauten
Bundesheer, das kein Staat im Staat ist, sondern Staat und Gemeinschaft
schützt.
Meine Damen und Herren Offiziere des Jahrganges „O’DONELL“!
Es wurde Ihnen in den vergangenen Jahren das erforderliche Wissen und
Können für Ihren verantwortungsvollen Beruf vermittelt. Sie sind auf die vor
Ihnen stehenden Herausforderungen bestens vorbereitet. Sie bekennen sich zur
demokratischen Republik, und Sie haben gelernt, immer den Mensch in den
Mittelpunkt Ihres Denkens und Handelns zu stellen. In diesem Sinne darf ich
Ihnen danke dafür sagen, dass Sie bereit sind, als Berufsoffiziere unserer
Republik zu dienen.
In gleicher Weise formuliere ich auch meinen Dank an jene Herren des
Milizstandes, die bereit sind, neben einem zivilen Beruf als Offiziere der
Heimat zu dienen.
Mein Dank gilt auch allen Angehörigen der Theresianischen Militärakademie,
Professoren, Lehrern und Ausbildern, die an der hochwertigen Ausbildung unserer
Berufsoffiziere mitgewirkt haben.
Und ein Wort des Dankes wird vielleicht noch deutlicher, wenn es mit einer
symbolischen Geste verbunden ist: Es ist mir eine Ehre, als Bundespräsident und
verfassungsmäßiger Oberbefehlshaber des österreichischen Bundesheeres,
beginnend mit dem Jubiläumsjahr 2005 jährlich einen Ehrensäbel zu stiften.
Dieser Säbel wird dem Jahrgangsersten, stellvertretend für den gesamten
Ausmusterungsjahrgang, überreicht. Heute, bei der erstmaligen Überreichung,
betrachte ich das auch als Zeichen des Dankes an die Generationen von
Offizieren und Soldaten, die seit nunmehr fünfzig Jahren treu ihren Dienst
geleistet und sich zu ihrem Gelöbnis bekannt haben.
Für die Erfüllung der auf Sie zukommenden, verantwortungsvollen Aufgaben
wünsche ich Ihnen alles Gute und Freude an Ihrem Beruf. Vor allem wünsche ich
dem Bundesheer und unserem Land, dass uns auch weiterhin ein Leben in Frieden
möglich sein möge.
Es lebe die Republik Österreich!