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”Tag der Leutnante” an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, 10.09.2005

10.09.2005 | Reden

Dank an das österreichische Bundesheer beim ”Tag der Leutnante”: ”Der Friede ist kein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit”

Es gilt das gesprochene Wort!

  Sehr geehrter Herr Bundesminister!
  Sehr geehrter Herr Generalstabschef!
  Sehr geehrte Ehren- und Festgäste!

  Und vor allem Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Sie heute in aller Form Ihre Offiziersausbildung beenden und im Rahmen dieser traditionsreichen Feier auf diesem historischen Platz als die jüngsten Offiziere in das Österreichische Bundesheer übernommen werden.

  Dieser Tag ist für Sie einer, an den Sie sich – davon bin ich überzeugt – stets und gerne erinnern werden, steht er doch am Ende eines langen und hohe Anforderungen stellenden Ausbildungsweges, den Sie erfolgreich zurückgelegt haben – wozu ich Ihnen herzlich gratuliere.

  Diese Ausmusterung 2005 wird Ihnen aber vielleicht auch deshalb in besonderer Erinnerung bleiben, weil sie in einem Jahr erfolgt, das für Österreich und für das österreichische Bundesheer von großer Bedeutung ist.

  Für Österreich jährt sich heuer zum sechzigsten Mal das Ende eines schrecklichen und blutigen Krieges, aber auch das Ende der verbrecherischen Diktatur des Nationalsozialismus, gleichzeitig aber auch der sechzigste Jahrestag der Wiedererrichtung unserer demokratischen Republik Österreich.

  Es wurden aus diesem Anlass Klarstellungen getroffen, die auch vom österreichischen Bundesheer mitgetragen werden, z.B. die Klarstellung, dass es auch unter uns Österreichern während der Zeit des Nationalsozialismus Opfer und Täter gegeben hat, oder auch die Klarstellung, dass Männer und Frauen, die versucht haben, Widerstand zu leisten, oder die versucht haben, auf eine vorzeitige Beendigung dieses schrecklichen Krieges hinzuarbeiten, unseren vollen Respekt verdienen, wie das z.B. in der Ehrung des in der NS-Zeit hingerichteten Oberstleutnant Bernardis oder in der Ehrung des mit großem Mut im Widerstand tätigen Major Szokol zum Ausdruck gekommen ist.

  Im heurigen Jahr jährt sich aber auch zum fünfzigsten Mal der Abschluss des österreichischen Staatsvertrages. Je größer der zeitliche Abstand zu diesem historischen 15. Mai 1955 geworden ist, umso deutlicher sehen wir, wie wichtig dieses Datum für die Geschichte unseres Landes und für den Aufstieg der Zweiten Republik ist. Österreich hat damit die volle und uneingeschränkte staatliche Souveränität erlangt, und der Abschluss des Staatsvertrages hat auch die Wiederaufstellung des österreichischen Bundesheeres ermöglicht. Vor wenigen Tagen jährte sich zum fünfzigsten Mal die Beschlussfassung über das österreichische Wehrgesetz, und auch wenn wir den 50. Geburtstag des österreichischen Bundesheeres am 26. September noch in gesonderter Weise feiern werden, darf man auch hier und heute dem österreichischen Bundesheer, dem Sie meine Damen und Herren ja zutiefst verbunden sind, zum 50. Geburtstag gratulieren.

  Dazu kommt, dass mit der Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes am 26. Oktober 1955 Österreich eine ganz bestimmte Funktion zwischen den damaligen Militärblöcken eingenommen und ein eindeutiges, verfassungsrechtlich verankertes Bekenntnis zur Friedenspolitik abgelegt hat. Neutralität heißt vor allem keine Beteiligung an Kriegen, keine fremden Truppen im eigenen Land, keine Teilnahme an einem Militärpakt, und das österreichische Bundesheer unterstützt in Übereinstimmung mit der österreichischen Bevölkerung diese Ziele.

 
  Meine Damen und Herren!

  In den vergangenen 50 Jahren hat unsere Heimat eine für das Land und seine Bürger und Bürgerinnen außerordentlich positive Entwicklung in fast allen Lebensbereichen genommen. Eine Entwicklung, wie sie die Menschen im Jahr 1955 und erst recht im Jahr 1945 in diesem Ausmaß nicht zu hoffen gewagt hätten.

  Auch unser Bundesheer hat dazu wesentliche Beiträge geleistet. Immer, wenn Gefahren für unsere Heimat gedroht haben, wenn es krisenhafte Entwicklungen gab, oder wenn wir von Katastrophen betroffen waren, hat das österreichische Bundesheer in seiner Gesamtheit seinen Auftrag bestens erfüllt.

  Die erste Bewährungsprobe für das noch junge Heer war zweifellos die so genannte „Ungarnkrise“ im Herbst 1956, als Österreich schutzsuchenden Menschen und Flüchtlingen aus unserem Nachbarland Hilfe und Sicherheit angedeihen ließ und gleichzeitig demonstrierte, dass Neutralität nicht Gesinnungslosigkeit oder Gleichgültigkeit bedeutet und mit Solidarität jedenfalls vereinbar ist. Ähnliches galt einige Jahre später, als der so genannte „Prager Frühling“ im August 1968 durch militärische Intervention ein jähes Ende fand.

  Gerade in den letzten Wochen habe ich auch von den Landeshauptleuten dreier Bundesländer, die von einer schweren Hochwasserkatastrophe betroffen waren, gehört, wie effizient, wirksam und gut organisiert der Hilfseinsatz des österreichischen Bundesheeres war. Ich darf bekennen, dass ich stolz über diese Mitteilung und daher stolz auf das Bundesheer bin, und ich danke von dieser Stelle aus allen, die an diesen Einsätzen beteiligt waren.

 
  Meine Damen und Herren des Ausmusterungsjahrganges 2005!

  Sie treten nunmehr Ihren Dienst als Offiziere der Republik Österreich an, in einer Situation, die sich von den Gegebenheiten nach der Gründung des Bundesheeres wesentlich unterscheidet. Österreich ist heute Mitglied der Europäischen Union, umgeben von Ländern, mit denen wir nicht nur freundschaftliche Beziehungen haben, sondern mit denen wir auch aufs Engste zusammenarbeiten.

  Eine klassische militärische Bedrohung von einem unserer Nachbarn liegt nicht vor.

Aber auch heute ist der Friede kein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit. Das Bedrohungsbild hat sich zwar gewandelt, aber Gefahren und Gefährdungen verschiedenster Art müssen weiterhin ernst genommen werden. Dazu zählt auch das Problem des Terrorismus, oder die Tatsache, dass wir heute noch intensiver als in früheren Jahrzehnten entschlossen sind, Menschenrechte ernst zu nehmen oder der Entwicklung von Krisenherden vorzubeugen. Aus guten Gründen bekenne ich mich daher weiterhin zu unserem österreichischen, auf bewährten gesetzlichen Bestimmungen aufgebauten Bundesheer, das kein Staat im Staat ist, sondern Staat und Gemeinschaft schützt.

 
  Meine Damen und Herren Offiziere des Jahrganges „O’DONELL“!

  Es wurde Ihnen in den vergangenen Jahren das erforderliche Wissen und Können für Ihren verantwortungsvollen Beruf vermittelt. Sie sind auf die vor Ihnen stehenden Herausforderungen bestens vorbereitet. Sie bekennen sich zur demokratischen Republik, und Sie haben gelernt, immer den Mensch in den Mittelpunkt Ihres Denkens und Handelns zu stellen. In diesem Sinne darf ich Ihnen danke dafür sagen, dass Sie bereit sind, als Berufsoffiziere unserer Republik zu dienen.

  In gleicher Weise formuliere ich auch meinen Dank an jene Herren des Milizstandes, die bereit sind, neben einem zivilen Beruf als Offiziere der Heimat zu dienen.

  Mein Dank gilt auch allen Angehörigen der Theresianischen Militärakademie, Professoren, Lehrern und Ausbildern, die an der hochwertigen Ausbildung unserer Berufsoffiziere mitgewirkt haben.

  Und ein Wort des Dankes wird vielleicht noch deutlicher, wenn es mit einer symbolischen Geste verbunden ist: Es ist mir eine Ehre, als Bundespräsident und verfassungsmäßiger Oberbefehlshaber des österreichischen Bundesheeres, beginnend mit dem Jubiläumsjahr 2005 jährlich einen Ehrensäbel zu stiften.

  Dieser Säbel wird dem Jahrgangsersten, stellvertretend für den gesamten Ausmusterungsjahrgang, überreicht. Heute, bei der erstmaligen Überreichung, betrachte ich das auch als Zeichen des Dankes an die Generationen von Offizieren und Soldaten, die seit nunmehr fünfzig Jahren treu ihren Dienst geleistet und sich zu ihrem Gelöbnis bekannt haben.

  Für die Erfüllung der auf Sie zukommenden, verantwortungsvollen Aufgaben wünsche ich Ihnen alles Gute und Freude an Ihrem Beruf. Vor allem wünsche ich dem Bundesheer und unserem Land, dass uns auch weiterhin ein Leben in Frieden möglich sein möge.

  Es lebe die Republik Österreich!

 

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