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"Sie hätte sich gefreut ..." - Abschied von Barbara Prammer mit großer Anerkennung für ihr Wirken

09.08.2014 | Reden

Bundespräsident Heinz Fischer in seiner Trauer-Rede vor dem Parlament: "Sie wird als beeindruckende Persönlichkeit in die Geschichte unseres Landes eingehen"

Liebe Familie von Barbara Prammer!

Hochgeschätzte Trauergemeinde!

Exzellenzen und verehrte Gäste aus dem Ausland!

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

 

Der Tod ist ein Phänomen, das die Menschen begleitet und bedrückt, seit es Menschen gibt. Er betrifft irgendwann ausnahmslos jeden von uns und dennoch ist er ein unfassbares Phänomen, das tiefen Schmerz verursacht, wenn er einen geschätzten und geliebten Menschen aus unserer Mitte reißt.

Barbara Prammer, deren Ableben der Anlass für diese Trauerkundgebung vor dem Parlament ist, stand vor einem Jahr noch im Zenit ihres Lebens.

Sie war eine anerkannte und geschätzte Präsidentin des Nationalrates und eine geachtete Persönlichkeit, eine geliebte Mutter und Familienangehörige.

Über ihre parlamentarischen Aufgaben hinaus diente sie unserem Land auf vielen weiteren Gebieten: Zum Beispiel als sachkundige Sprecherin für Anliegen der Frauen, als Präsidentin des Österreichischen Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus, als Vorsitzende des Senates der Akademie der Wissenschaften oder als Präsidentin des Verbandes österreichischer Volkshochschulen.

Und ganz allgemein als Stimme der Vernunft, die auch über die Grenzen unseres Landes hinaus gehört wurde und Anerkennung fand. Es schien, dass sie noch viele gute Jahre vor sich haben sollte.

Mitte des vergangenen Jahres traf sie und ihre Familie ein ebenso schwerer wie unerwarteter Schicksalsschlag, nämlich der Befund über ihre Erkrankung.

Ihren Besuch bei uns zu Hause, als sie meiner Frau und mir davon Mitteilung machte, werden wir nie vergessen.

Barbara fand einen bewundernswerten und bewunderten Weg, mit dieser Krankheit umzugehen.

Mutig und entschlossen ging sie an die Öffentlichkeit und stellte sich weiterhin ihren schwierigen Aufgaben.

Am 29. Oktober 2013 wurde Barbara Prammer zum dritten Mal zur Präsidentin des österreichischen Nationalrates gewählt. Sie erhielt 83,5 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen – das war ihr bestes Wahlresultat.

Ihr 60. Geburtstag am Beginn des heurigen Jahres war eine Kundgebung ihres Lebenswillens. Es war auch eine Gelegenheit, ihr Mut zu machen.

Und die Geburt ihrer Enkeltochter vor wenigen Monaten war zweifellos ein emotionaler Höhepunkt in ihrem nach wie vor arbeitsreichen Leben.

Aber die heimtückische Krankheit war stärker als der stärkste Lebenswille.

Barbara ließ sich, solange es ging, davon möglichst wenig anmerken und wollte sich ihr Leben von der Krankheit so wenig wie möglich verändern lassen.

Selbst bei meinem letzten Besuch an ihrem Krankenbett vor einigen Wochen hatte Barbara Prammer ihre Pläne für einen Besuch der Salzburger Festspiele noch nicht ganz aufgegeben. Sie machte auch Pläne für die parlamentarische Arbeit im Herbst. Kurze Zeit später wurde jedoch ersichtlich, dass die Kunst der Ärzte an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angelangt war.

Am 2. August nachmittags hat das Herz dieser zarten, starken, liebenswerten Frau zu schlagen aufgehört.

 

Hochgeschätzte Trauergemeinde!

Es ist mir ein wirkliches Bedürfnis, gerade auch an dieser Stelle ihren Ärzten mit Univ.-Prof. Dr. Zielinski an der Spitze und dem gesamten Pflegepersonal sowie der Krebshilfe für ihre vorbildliche, sachkundige und aufopfernde Tätigkeit in den letzten Monaten des Lebens von Barbara Prammer herzlich zu danken.

Gleiches gilt für ihre treuen und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Parlament, die sich in ihrer menschlichen, hilfsbereiten und diskreten Unterstützung für die Präsidentin des Nationalrates außerordentlich bewährt haben.

Sie alle haben sich damit in höchstem Maß Dank und auch Anerkennung verdient.

 

Geschätzte Trauergemeinde!

Zuletzt noch eine Überlegung, die mich in diesen Tagen immer wieder beschäftigt: Mit Genugtuung und Freude konnte man seit dem Tod von Barbara Prammer feststellen, wie viel Lob, Anerkennung und Zustimmung sie in der Öffentlichkeit und auch von den Medien posthum verdienterweise erhalten hat.

Ich kann daher den Gedanken nicht verdrängen, wie sehr sich Barbara Prammer über einen kleinen Bruchteil dieses Lobes gefreut hätte, wenn sie dies noch zu Lebzeiten hätte hören und lesen können.

Meine Bitte, die sich daraus ergibt: Entwickeln wir, alle miteinander, zeitgerecht mehr Sensibilität, Fairness und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit anderen Menschen und bei deren Beurteilung. Das gilt für die Politik, für die Medien und auch im Alltagsleben.

 

Hochgeschätzte Trauergemeinde!

Unbestritten ist, dass Barbara Prammer als beeindruckende Persönlichkeit in die Geschichte unseres Landes eingehen wird.

Ihre Eltern, ihre Kinder, ihre anderen Verwandten und Wegbegleiter können stolz auf sie sein und mögen ein wenig Trost in dem Gedanken finden, dass der große Schmerz des Abschiedes im Laufe der Zeit mit Sicherheit einer liebevollen, lichten Erinnerung weichen wird.

Ich danke dir, liebe, gute, tapfere Barbara.

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