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Rede zum hunderjährigen Bestehen des Wiener Konzerthauses

21.10.2013 | Reden

Bundespräsident Heinz Fischer gratuliert beim Festakt des Wiener Konzerthauses: "Neue Musik genießen kann nur, wer sie auch hört."

Sehr geehrte Damen und Herren!

100 Jahre Wiener Konzerthaus – das ist ein schöner und großer Anlass, um zu feiern und zu gratulieren.

100 Jahre Wiener Konzerthaus – das klingt nach Geschichte, Tradition und Altehrwürdigkeit.

Wer sich allerdings das Programm des Konzerthauses ansieht, der wird eine Aktualität und Bandbreite entdecken, wie sie kaum ein anderer Konzertveranstalter in Wien zu bieten hat.

Ein Programm, das von klassischer Musik über Jazz bis hin zu Rockkonzerten und zeitgenössischer Musik reicht.

Ein Programm, in dem Weltstars und Shootingstars vertreten sind, das Nachwuchskünstlern eine Bühne bietet und offen für die Off-Szene ist.

Ein Programm, das Besucherinnen und Besucher aus allen Bevölkerungsschichten anlockt. Seien es Kenner und Liebhaber herausragender, arrivierter Interpreten und Orchester, seien es ganze Familien, die ihre Kinder in die be- und verzaubernde Welt der Musik einführen wollen.

Für sie alle ist das Wiener Konzerthaus eine Anlaufstelle, eine zentrale Adresse, ja eine Heimat.

Angesichts dieser Vielfalt muss man bewundernd und respektvoll feststellen, dass das Wiener Konzerthaus seiner ursprünglichen Idee und Zielsetzung treu geblieben und sich erfolgreich an die jeweiligen neuen Herausforderungen angepasst hat.

Seit es – zunächst als „Haus für Musikfeste“, dann als „Sängerhaus-Verein“ – projektiert und schließlich umgesetzt wurde, besteht die zentrale Aufgabe des Konzerthauses darin, möglichst viele Bevölkerungsschichten für Musik in all ihren Ausprägungen zu begeistern.

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass das Wiener Konzerthaus von Anbeginn an auch ein Ort der Bildung war. Nicht zufällig befindet es sich neben der Universität für Musik und darstellende Kunst und nicht zufällig wurde bei seiner Eröffnung ein Auftragswerk des damals 39-jährigen Richard Strauss zur Aufführung gebracht.


Meine Damen und Herren!

Erst vor Kurzem hat der ungarische Komponist Peter Eötvös, dem im Rahmen von „Wien Modern“ heuer ein Schwerpunkt gewidmet ist, positiv vermerkt, dass sich immer mehr Orchester der zeitgenössischen Musik widmen – und in diesem Zusammenhang das Wiener Konzerthaus lobend erwähnt, in dem er vor zwei Jahren  ein Konzert mit Werken von Georg Friedrich Haas und Friedrich Cerha dirigieren konnte.

Nun hatte ich das Glück, dass Friedrich Cerha – wie ich immer wieder gerne erzähle – vor fast sechs Jahrzehnten mein Musikprofessor am Hietzinger Gymnasium war, und – damals eine ziemliche Ausnahmeerscheinung – großes Interesse daran hatte, uns zeitgenössische Musik zu vermitteln und näher zu bringen. – Das ist in einer Stadt wie Wien gar nicht so einfach. Hier stößt man doch häufig auf den Glauben, dass das Verständnis für Mozart und Schubert gleichsam angeboren sei, Musik ab dem 20. Jahrhundert aber um viele Etagen niedriger zu bewerten sei.

Wie aber ist dem zu begegnen? 

In dem man, so ist oft zu hören, die „Hörgewohnheiten“ verändert. Und wie ändert man Gewohnheiten? Peter Eötvös kommt in dem bereits erwähnten Artikel zu einer recht einfachen Empfehlung: Regelmäßig ins Konzert gehen und unvoreingenommen der Musik lauschen!

Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher Ratschlag für die Leitung des Konzerthauses „Musik in den Ohren“ ist. Und vielleicht sollte man hinzufügen, dass das in Kürze stattfindende Festival „Wien Modern“ ein ausgezeichneter Anlass wäre, dem Ratschlag zu folgen: Neue Musik genießen kann nur, wer sie auch hört. 


Meine Damen und Herren!

Ich freue mich, die heutige Feierstunde mit Ihnen hier verbringen zu können, gratuliere dem Wiener Konzerthaus auf das Allerherzlichste und wünsche weiterhin viel Erfolg!

 

 

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