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Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim R20 Austrian World Summit in der Wiener Hofburg

15.05.2018 | Reden

"Wir müssen jetzt sofort konsequent mit den entsprechenden Maßnahmen starten. Ökonomische Instrumente dafür gibt es genug", betont der Bundespräsident in seiner Rede

Ich wusste nicht, dass man zwei Väter haben kann. Nur einer ist der rechtmäßige Vater des Austrian World Summit, und das ist natürlich Arnold Schwarzenegger. Aber vielen Dank für diese nette Einführung. Sie hat mir sehr geschmeichelt.

Lieber Arnold, sehr geehrter Herr Gouverneur,

verehrte Gäste aus dem In- und Ausland!

Sie verzeihen, wenn ich Sie nicht alle einzeln begrüße, aber eine Ausnahme möchte ich machen. Ich möchte ganz besonders Herrn Vizebürgermeister SUI Zhenjiang aus Peking begrüßen! Wir sind einander erst kürzlich persönlich in Peking bei meinem Staatsbesuch in China begegnet, wo Sie uns Umweltschutzprojekte, eine moderne Wasseraufbereitungsanlage, vorgestellt haben.

Ich freue mich, Sie alle hier in Wien begrüßen zu dürfen!

Dass ich das tun kann, ist nicht zuletzt Monika Langthaler zu verdanken.

Du und Dein Team haben diese Konferenz nun schon zum zweiten Mal auf die Beine gestellt. Ich möchte mir gar nicht ausdenken, wieviel Zeit und Energie da hineingeflossen sind. Vielen Dank!

Wir sind auch sehr stolz darauf, lieber Herr UNO-Generalsekretär António Guterres, dass der R 20 Austrian World Summit Teil des UN-Talanoa Dialogs der Vereinten Nationen und damit Teil des Umsetzungsprozesses des Pariser Klimaabkommens ist.

 

Meine Damen und Herren,

worauf beruht politischer Fortschritt?

Einfach gesagt, denke ich, ist Fortschritt immer auch ein Lernprozess. Es beginnt mit einer Idee. Jemand hat eine Vision. Menschen lassen sich begeistern. Diskutieren, machen Pläne, legen Ziele fest. Diese Ziele müssen dann auch erreicht werden. Durch „more action“, pflegt Arnold zu sagen. So kommt man voran – in kleinen und in großen Schritten. Hin zur großen Veränderung.

Bei allen Veränderungen sind es die Pioniere, die vorangehen, bis aus einer Idee, einer Vision, eine große, nicht mehr aufzuhaltende Bewegung wird. Und darum geht’s auch hier und heute.

Um die Leute zu begeistern, um zu sehen – ja es geht. Wir haben die Technologie in vielerlei Hinsicht, aber wir brauchen die Freude und das Verantwortungsgefühl, es auch zu tun.

Darum bin ich glücklich, dass Sie alle hier sind. Und so viele von Ihnen wissen wie man etwas bewegt.

Und was wollen wir bewegen? Wir wollen den Wandel des Weltklimas eindämmen, um die drohende Klimakatastrophe zu vermeiden.

Sie haben das schon 100 Mal gehört, aber ich möchte es trotzdem noch einmal wiederholen: Der Klimavertrag von Paris ist historisch.

Ob er reicht, ist eine zweite Frage. Ob die Maßnahmen, die dort vorgesehen sind, nicht zu – wie soll ich sagen – zu klein waren. Und machen wir uns nichts vor, der Umstieg von fossilen Energieträgern auf CO2-neutrale und klimaverträgliche Energieträger ist leicht gesagt, aber es ist nichts weniger als eine neue industrielle Revolution. Eine friedliche Revolution, die wir schaffen können, die wir schaffen müssen und die wir schaffen werden. Davon bin ich fest überzeugt.

Wir sind an einem Wendepunkt angelangt.

António Guterres hat heute hier gesagt, dass die drohende Klimakatastrophe die größte Herausforderung für die Menschheit insgesamt ist. Ich glaube, Sie haben vollkommen Recht, Herr Generalsekretär.

Es geht nicht um etwas heißere Tage, um etwas mehr Unwetter, etwas intensivere Gewitter, etwas längere Trockenperioden. Nein.

Es geht um nichts weniger und davon bin ich überzeugt, die letztlich unumkehrbaren und irreversiblen Prozesse des Klimawandels nicht nur einzuschränken, sondern sie zu verhindern. Und wir werden sie nicht verhindern, wenn wir nach einem halben Jahrhundert der Diskussion nicht endlich die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.

Ich persönlich bin seit etwa 40 Jahren mit dieser Frage konfrontiert. Ich bin nur ein Ökonom. Die Klimatologen müssen ja viel früher angefangen haben, das Problem zu untersuchen.

Was wir jetzt nicht tun, wird uns später viel mehr auf den Kopf fallen. Die billigste Variante des Klimaschutzes ist, jetzt zu investieren und nicht dann, wenn es zu spät ist. Das ist kein Gerücht, das sind keine Fake-News, das sind Tatsachen. 

Jedes Land hat hier Verantwortung zu tragen – Österreich als kleines Land genauso.

Wir sind schon bisher stark in der Nutzung erneuerbarer Energieträger – nicht zuletzt durch die Begünstigung der Natur – die Wasserkraft beispielsweise. Wir müssen und können aber noch um vieles besser werden.

Die österreichische Bundesregierung hat vor wenigen Wochen den Entwurf einer Klima- und Energiestrategie vorgelegt. Dieser wird nun mit wichtigen Stakeholdern diskutiert und soll vor dem Sommer beschlossen werden.

Ich wünsche allen den Mut, Frau Bundesministerin Köstinger, das gut über die Bühne zu bringen, eine Strategie zu entwickeln, auf die nicht nur wir, - auch im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft – sondern die gesamte Europäische Union als Vorbild schauen können.

Nicht nur, weil wir gerne Vorbild sind, sondern es geht um unsere Kinder, unsere Kindeskinder, um die nächsten Generationen, denen wir eine Welt hinterlassen wollen, die so schön ist wie wir es heute am Anfang in diesem Einleitungs-Film gesehen haben. Ich war ja ganz gerührt, das muss ich gestehen.

Ich möchte noch einmal betonen: Was wir jetzt nicht tun, wird uns später auf den Kopf fallen. Und mehr als das: Wir müssen jetzt sofort konsequent mit den entsprechenden Maßnahmen starten. Ökonomische Instrumente dafür gibt es genug. Ich begrüße die Initiative von Frankreich und anderen europäischen Staaten für CO2 Emissionen einen Mindestpreis einzuführen und begrüße, dass auch Bundesministerin Köstinger diese Initiative im Rahmen des ETS-Systems unterstützen wird.

Österreich wird am 1. Juli den Vorsitz der Europäischen Union übernehmen und damit auch ein großes Stück an Verantwortung für die Zukunft Europas, nicht zuletzt wird im Dezember die nächste Weltklimakonferenz in Polen stattfinden. Machen wir uns nichts vor, das wird ein hartes Stück Arbeit und ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern schon jetzt viel Erfolg bei dieser Konferenz.

Meine Damen und Herren!

Ich bin wirklich froh, heute bei Ihnen zu sein und diese Konferenz mit eröffnen zu dürfen. Und ich werde auch in Zukunft alles tun, den R20 AUSTRIAN WORLD SUMMIT, Ihre Aktivitäten und jene von Arnold Schwarzenegger weiter zu unterstützen.

Denn ich möchte wirklich, dass unsere Kinder und Kindeskinder, wenn sie einmal in die Alpen fahren, in die Berge, den Gletschern genauso fasziniert und staunend gegenüberstehen, wie ich.

Ich möchte vor allem, dass unsere Kinder, dass die Kinder, die in 10, 20, 30 Jahren in die Schule gehen dort lernen und dort etwas darüber erfahren, wie wir, die Weltgemeinschaft, es gemeinsam geschafft haben, die Klimakatastrophe zu verhindern. Und ich möchte nicht, dass sie das Umgekehrte lernen müssen.

Ich wünsche Ihnen allen einen inspirierenden und ermutigenden Tag. So viele von Ihnen sind hier, die schon Bescheid wissen, wie man etwas zum Positiven verändert. Der Austausch von best practice-Beispielen ist ja einer der wichtigsten Punkte, die auch Arnold und uns allen am Herzen liegen.

Vielen herzlichen Dank und alles Gute!

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