Rootline Navigation

"Mahner, Ideengeber und engagierte Stimme für soziale Gerechtigkeit und Solidarität!"

17.05.2013 | Reden

Großes Silbernes Ehrenzeichen für Caritas-Präsident Franz Küberl: Heinz Fischer in seiner Rede: "Ihr Engagement trägt entscheidend dazu bei, die Gesellschaft gerechter, friedlicher und menschlicher zu machen. Danke!"

Rede des Herrn Bundespräsidenten anlässlich der Überreichung des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich an denPräsidenten der Caritas Österreich Dr.hc. Franz Küberl

Freitag, 17. Mai 2013, 10 Uhr im Musikzimmer der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herzlich willkommen in der Wiener Hofburg!

Wir sind an diesem Vormittag zusammen gekommen, um eine Persönlichkeit zu ehren, die in unserem Land und weit über die Grenzen Österreichs hinaus als „soziales Gewissen“ unserer Gesellschaft bekannt ist und seit Jahrzehnten in Wort und Tat für Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit eintritt.

Ich heiße daher Sie, sehr geehrter Herr Präsident der Caritas Österreich, Dr. hc Franz Küberl, als unseren heutigen Ehrengast, ihre Gemahlin und alle Mitglieder Ihrer Familie, sowie auch alle Gäste herzlich willkommen, die wir über Ihren Vorschlag, sehr geehrter Herr Präsident, zu dieser Feierstunde eingeladen haben.

Ich danke Ihnen allen, dass Sie gekommen sind und durch Ihre Anwesenheit Ihre Wertschätzung für die Arbeit von Franz Küberl zum Ausdruck bringen.

Aufgrund eines sehr ausführlich und sorgfältig begründeten Antrages, den die Frau Bundesministerin für Inneres im Einvernehmen mit der Frau Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur gestellt hat, und dem ich sehr gerne entsprochen habe, habe ich heute die Freude, Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident, das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich zu überreichen.

Sie wurden am 22. April 1953 in Graz geboren und haben daher vor wenigen Wochen Ihr 60. Lebensjahr vollendet. Zu diesem besonderen Geburtstag möchte ich Ihnen auch von dieser Stelle aus nochmals sehr herzlich gratulieren.

Franz Küberl hat nach der Pflichtschule eine Handelsschule absolviert und ist nach einer etwa einjährigen Tätigkeit im Landeskrankenhaus Graz im Alter von 19 Jahren beruflich in den Dienst der Diözese Graz eingetreten.

Es folgten vier Jahre als Diözesansekretär der Katholischen Arbeiterjugend, anschließend sechs Jahre als Bundessekretär der Katholischen Jugend Österreichs. Während dieser Zeit war Franz Küberl auch vier Jahre Vorsitzender des Österreichischen Bundesjugendringes, war in dieser Eigenschaft einer der Wegbereiter des Zivildienstes und engagierte sich in der Folge maßgeblich bei der Weiterentwicklung dieser für das soziale Leben unseres Landes seit vielen Jahren unverzichtbaren Institution.

In den Jahren 1982 bis 1986 war Franz Küberl Mitarbeiter im Katholischen Bildungswerk in Graz und von 1986 bis 1993 Generalsekretär der  Katholischen Aktion der Diözese Graz-Seckau.

Die genannten Funktionen – die Franz Küberl, wie seine damaligen Mitstreiter berichten, allesamt mit sehr viel Engagement ausgeübt hat, teilweise kann ich das auch aus eigener Wahrnehmung bestätigen – waren eine exzellente Vorbereitung für sein weiteres berufliches Wirken im Bereich der Caritas.

Seit 1994 ist Franz Küberl Caritasdirektor der Diözese Graz uns seit 1995 – also seit 18 Jahren – auch Präsident der Caritas Österreich.

Die Caritas ist bekanntlich eine große und wichtige soziale Einrichtung der Katholischen Kirche, aber Franz Küberl ist weit über den kirchlichen Bereich und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus als Mahner, Ideengeber und engagierte Stimme für soziale Gerechtigkeit und Solidarität bekannt und geschätzt.

Neben dem Alltagsgeschäft der Führung einer höchst professionell arbeitenden, im In- und Ausland wirkenden Hilfsorganisation ist Franz Küberl in den 18 Jahren seiner Tätigkeit an der Spitze der Caritas auch immer wieder mit besonderen Initiativen an die Öffentlichkeit getreten, von denen ich nur die wichtigsten erwähnen möchte:

·      Franz Kübel hat für die Weiterentwicklung des Sozialrechtes, etwa im Bereich der Sozialhilfe oder des Pflegefondsgesetzes, bei der Einführung eines Systems der Grundversorgung für Flüchtlinge, sowie zu etlichen anderen Materien sehr konkrete und durchdachte Vorschläge gemacht, von denen einige auch umgesetzt werden konnten.

·      Im Integrationsbereich hat sich Präsident Küberl vor allem um die Förderung von Bildung und Ausbildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund bemüht. Verschiedene von ihm initiierte Projekte dienen der Förderung der Kenntnisse der deutschen Sprache und der Vorbereitung auf den Einstieg in das Berufsleben.

·      Die Förderung der Freiwilligenarbeit und des Ehrenamtes, ohne die das soziale Netzwerk unserer Gesellschaft nicht tragfähig wäre, ist ein besonderes Anliegen von Franz Küberl. Im Umfeld der Caritas arbeiten über 30.000 Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vornehmlich in der Hospizarbeit, in der Lernbegleitung, in der Obdachlosenbetreuung, in Seniorenheimen und bei der Betreuung von Flüchtlingen.

·      Franz Küberl ist auch ein sehr begabter Netzwerker, der es versteht, bei der Umsetzung wichtiger Sozialprojekte mit der Wirtschaft, mit den Medien und zahlreichen anderen Institutionen zusammen zu arbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit sind viele nachhaltige Initiativen entstanden, die teilweise auch über Österreichs Grenzen hinaus wirken.

·      Schließlich möchte ich noch auf einen besonderen Schwerpunkt der Arbeit Präsident Küberls und der Caritas Österreich zu sprechen kommen: Die weltweite Hilfe bei Hungerkatastrophen, Naturkatastrophen und das weltweite Bemühen um Menschen, die vor Gewalt und Verfolgung auf der Flucht sind. Kurzfristige Hilfen zur Überwindung der Not nach Elementarereignissen, sowie langfristige und nachhaltige Hilfe im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, haben der Caritas Österreich in vielen Ländern der Welt hohes Ansehen und große Wertschätzung verschafft.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass Franz Küberl Mitbegründer der Stiftung Nachbar in Not ist und seit vielen Jahren als Mitglied des ORF Publikumsrates und des ORF Stiftungsrates tätig ist.

Bei der Würdigung des verdienstvollen Wirkens von Präsident Küberl sollte man aber nicht nur in den Blick nehmen, was er tut, sondern auch wie er es tut. Franz Küberl versteht sich nicht nur als einer der obersten „Sozialarbeiter“ unseres Landes und als Anwalt der „Mildtätigkeit“. Er ist für zahlreiche Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf der Schattenseite des Lebens stehen, weil sie krank, behindert, verfolgt, arm, obdachlos, einsam, ausgegrenzt oder von Schicksalsschlägen betroffen sind, ein Partner „auf Augenhöhe“. Zu Recht fordert er von der Gesellschaft, von den politischen Verantwortungsträgern und von allen, die gesicherten Verhältnissen leben, die Solidarität mit jenen ein, denen dies nicht vergönnt ist.

Mahner wir Franz Küberl müssen oft hartnäckig und manchmal auch unbequem sein. Ihr Engagement trägt aber entscheidend dazu bei, die Gesellschaft gerechter, friedlicher und menschlicher zu machen – und dafür möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident Küberl, heute namens unserer Republik und auch persönlich sehr herzlich danken.

Ein Symbol dafür soll das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich sein, das ich Ihnen nunmehr überreichen werde. Ich hoffe, dass Ihnen dieses Symbol des Dankes und der Anerkennung Freude bereitet.

Österreich zählt auch in Zukunft auf Ihren Einsatz, Ihren Rat und Ihre Initiativen!

Herzlichen Glückwunsch!

Aktionen