Sehr geehrte Damen und Herren!
Als ich gestern in einer Tageszeitung über die heutige Ausstellung gelesen habe, dass dies die erste umfassende Werkschau Herbert Brandls in Wien sei, war ich offen gestanden erstaunt bis ungläubig. Konnte das sein, dass jemandem, dessen Werke in Museen in den USA, der Schweiz, Portugals, Deutschlands oder Frankreichs zu sehen sind, erst jetzt eine angemessene Schau in Wien gewidmet wird? Sehr überraschend. Doch: wenn es in der Zeitung steht, dann muss es wohl stimmen….
Und ausnahmsweise scheint es tatsächlich zu stimmen.
Vielleicht hängt meine Verwunderung auch damit zusammen, dass ein imposantes Bild von Herbert Brandl in der Präsidentschaftskanzlei hängt und mir sein Werk – oder zumindest ein kleiner Ausschnitt davon – daher täglich präsent ist.
Oder es könnte damit zusammenhängen, dass mir die Präsentation Herbert Brandls auf der Biennale von Venedig 2007 noch sehr gegenwärtig ist.
Wie auch immer; unbestritten ist es ein früher Höhepunkt im heurigen Ausstellungsjahr, dass das Kunstforum eine große Werkschau dieses wichtigen österreichischen Künstlers zeigt. Ich möchte daher Ihnen, sehr geehrte Frau Direktor Brugger, und Ihrem Team einmal mehr zu einer Ausstellung gratulieren, die das Kunstforum auf der Freyung als erstklassigen Ort für bildende Kunst bestätigt.
Sie, Frau Direktor, haben bereits sachkundig und anschaulich eine kurze Einführung in das Schaffen Herbert Brandls gegeben; ich kann mich daher auf einige persönliche Eindrücke beschränken und versuchen, mit ein paar Worten laienhaft zu skizzieren, was mich an diesen Bildern beeindruckt.
Da ist zunächst die expressive Darstellung der Bergwelt. Als jemand, der die Berge liebt und zugleich vor ihnen Respekt hat, ist es ein besonderes Erlebnis, die eindrucksvollen Darstellungen seine Sicht der Bergwelt zu betrachten.
Ich halte es für eine große Leistung, das Beindruckende der hochalpinen Landschaft, die Stimmung dieser Region in seiner Bilder-Sprache einzufangen. Es ist eine "Gradwanderung“, bei der viele andere Künstler absturzgefährdet wären.
Doch es sind nicht nur die Berge, es ist die Natur generell, die mit immer anderen Mitteln erfasst wird: Sonnenuntergänge, Wolken, Wasser oder Blumen. Mit großen Gesten werden teils monumentale Bilder geschaffen, die zum lange Betrachten einladen.
Die Tatsache, dass die allermeisten Bilder von Herbert Brandl ohne Titel sind, hat zur Folge, dass der Betrachter nicht von vornherein in eine bestimmte Richtung gelenkt wird, sondern seiner Phantasie bei den abstrakten Bildern freier Lauf gelassen wird.
Und die Tatsache, dass manche Bilder im gleichen Farbton gehalten sind, während andere eine üppige Farbenvielfalt entwickeln, hat zur Folge, dass die Farbenstärke in diesen Fällen besonders ins Auge springt.
Ich möchte an dieser Stelle auch den umfangreichen, informativen, zweisprachigen Katalog von Ingried Brugger und Florian Steiner nicht unerwähnt lassen. Er ist ebenso schön gestaltet wie informativ. Und sollte daher in keiner Bibliothek fehlen.
Meine Damen und Herren!
Ich hatte die Gelegenheit, bereits vor dem Eröffnungsfestakt die Ausstellung zu besichtigen. Sie haben dies noch vor sich. Ich möchte Sie nicht länger von dieser wirklichen Freude abhalten und erkläre daher die Ausstellung „Herbert Brandl“ für eröffnet.