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Eröffnungsrede des Bundespräsidenten beim International Animal Welfare Summit 2018 (IAWS)

24.04.2018 | Reden

"Wir können unsere Landwirtschaft nur nachhaltig gestalten, wenn auch die Tiere artgemäß gehalten werden. Das kommt nicht nur unserer Umwelt zugute, sondern auch unserer Gesundheit und letztendlich der gesamten Gesellschaft"

Your Royal Highness,

sehr geehrter Herr Kommissar Vytenis Andriukaitis,

verehrte Gäste aus dem In- und Ausland,

Vor allem aber:

Lieber Heli Dungler

und liebes Vier Pfoten-Team,

meine Damen und Herren,

Freundinnen und Freunde der Tiere!

 

Ich freue mich sehr, heute hier zu sein, weil – wie Sie sich sicher vorstellen können – großer Tierliebhaber bin. Mit wenigen Ausnahmen.

Ich glaube, dass noch vor einigen Jahren eine Veranstaltung in dieser Form, mit dieser Vielfalt an Teilnehmerinnen und Teilnehmern, nur ein großer Traum gewesen wäre. Der Traum ist Wirklichkeit geworden!

Der 1. Internationale Tierschutzgipfel ist Realität.

Ich möchte etwas betonen:

Tierschutz ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Ich liebe Tiere. Wie gesagt, mit wenigen Ausnahmen wie Zecken und Nacktschnecken. Sie alle hier lieben Tiere. Wir wollen ihnen mit Respekt begegnen.

Jeder und Jede, die oder der schon einmal eine enge Beziehung mit einem Tier hatte, wird verstehen, was ich meine.

Es gibt zahlreiche Geschichten bei mir. Ich kann nur einige herausgreifen:

Mein erster Hund, da war ich noch sehr klein, war ein englischer Setter. Wenn ich Verdruss hatte und unglücklich war, konnte ich mich zu ihm auf seine Decke legen und er hat mich getröstet.

Eine andere Geschichte, an die ich mich auch gerne erinnere:

Wir hatten einen schottischen Terrier. Sie müssen sich vorstellen, meine damalige Frau und ich saßen am Grunewaldsee in Berlin und hörten aufwallendes und abebbendes Gelächter. Die Geschichte war: Unser Scotch Terrier Max fand eine dänische Dogge unsympathisch und hatte diese Dogge rund um den See verfolgt. Dieses Selbstbewusstsein muss man einmal haben. Ein sehr gescheites und selbstbewusstes Tier.

Dieses Selbstbewusstsein erinnert mich auch an einen Zwerghasen. Der Zwerghase hatte bei uns sein Zimmer. Das war damals im Schloss Laudon, hier in Wien. Er saß in der Früh am Fenster im Parterre und die vorbeigehenden Beamten, die ihre Kurse besuchten, haben ihn mit allerhand Grünzeug gefüttert. Aber das Wesentliche war: Dieses kleine Tier hatte sein eigenes Revier. Und unser Hund und unsere Katze haben nur einmal versucht, sein Revier zu betreten. Nach den ersten Ohrfeigen haben sie den Hasen respektiert.

Politisch hat mich der Eisbär zwanzig, dreißig Jahre begleitet:

Der Eisbär als Symbol einer untergehenden Tierart. Wenn der Klimawandel so weitergeht wie bisher, wird der natürliche Lebensraum der Eisbären, der Polarkreis, verloren gehen. Wir werden ihn nur noch im Zoo oder ähnlichen Institutionen bewundern können.

Damals als ich noch im Parlament war, habe ich den Eisbären in meinen Reden zum Klimawandel als Symbol für uns verwendet. Ich habe gesagt: „Für den Eisbären ist es zu spät. Für uns Menschen ist es noch nicht zu spät.“

Die Wahrnehmung des Themas Tierschutz in unserer Gesellschaft hat sich massiv verändert. Niemand weiß das besser als Vier Pfoten. Das zeigt auch der heutige Gipfel.

Einst war Tierschutz ein Nischenthema für ein paar Idealisten, die sich um „Luxusthemen“ kümmern, von angeblichen Esoterikern, die nichts von wirtschaftlichen Notwendigkeiten verstehen, wie früher oft etwas abschätzig gesagt wurde.

Diese Zeit ist vorbei.

Tierschutz ist längst viel, viel mehr:

Er ist ein brisantes, dringliches Thema, eine Existenzfrage, die die gesamte Gesellschaft, ja eigentlich die gesamte Menschheitsfamilie betrifft. Tierschutz ist vor allem kein Bereich, den wir isoliert vom ethischen, wirtschaftlichen und sozialen Kontext betrachten können. Es beginnt beim Artenschutz und reicht bis zur artgerechten Haltung der Nutztiere, und der gesamten Gestaltung der Nahrungsmittelproduktion.

Allzu intensive Landwirtschaft, Massentierhaltung, Einsatz von Chemie zur Steigerung der Produktivität:

All das hat nicht nur enorme Auswirkungen auf unsere Umwelt, sondern auch auf die Qualität unserer Produkte selbst, auf unsere Gesundheit und damit unsere Lebensqualität und nicht zuletzt auf das Weltklima.

Wir können unsere Landwirtschaft aber nur nachhaltig gestalten, wenn auch die Tiere artgemäß gehalten werden. Das kommt nicht nur unserer Umwelt zugute, sondern auch unserer Gesundheit und letztendlich der gesamten Gesellschaft.

Ich freue mich daher ganz besonders, dass es mit der heutigen Veranstaltung gelungen ist, erstmals Vertreterinnen und Vertreter aus so vielen unterschiedlichen Bereichen an einen Tisch zu holen:

aus der Wirtschaft, aus der Landwirtschaft, aus der Forschung, sogar aus dem kulturellen Bereich. So unterschiedlich diese Bereiche sind, so vielfältig werden die Positionen heute sein. Sie werden im Lauf der Diskussionen vielleicht nicht in allem einig sein. Das eine oder andere Detail wird durchaus umstritten sein und lebhaft diskutiert werden.

Heute wird ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung gemacht:

Denn wir stellen uns gemeinsam Fragen, die uns alle betreffen und die wir nur gemeinsam lösen können.

Ich möchte daher VIER PFOTEN für den langjährigen, unermüdlichen Einsatz und für das Engagement, das hinter der Organisation dieses 1. Internationalen Tierschutzgipfels steht.

Wie es der Zufall so will, hat sich kürzlich eine kleine Anekdote zugetragen:

Ich war letzte Woche bei einem offiziellen Besuch in Jordanien, habe König Abdullah getroffen und wichtige Gespräche geführt.

Aber u.a. sitze ich bei einem Abendessen neben einem Vertreter der österreichischen Botschaft – ein junger Mann. Er hat mir erzählt wie interessant und vielfältig sein Aufgabenbereich ist:

Einmal saß er friedlich in seinem Büro als das Telefon klingelte. Ein Österreicher saß irgendwo in der Wüste fest, weil er mit einem Löwen unterwegs war. Offenbar war er mit einem Auto unterwegs und im Anhänger saß der Löwe. Details hatte ich nicht nachgefragt. Den Behörden kam das sehr eigenartig vor. Jedenfalls ist es diesem Mitarbeiter gelungen, den Herrn wieder frei zu kriegen. Der Löwe kam entweder aus Alleppo in Syrien oder aus dem Irak und der betroffene Tierschützer war von den Vier Pfoten.

Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie man mit persönlichem Engagement im Sinne des Tierschutzes viel Gutes erreichen kann.

Herzlichen Dank an alle Vortragenden und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Ich wünsche Ihnen, ich wünsche uns allen, einen spannenden, zukunftsorientierten und erkenntnisreichen Tag.

Möge die heutige Konferenz ein Beginn sein für einen umfassenderen Blick für ganzheitlichere Lösungsansätze im Tierschutz und damit für unser aller Zukunft.

Vielen Dank.

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