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Eröffnung der 19. Klangspuren in Schwaz in Tirol

13.09.2012 | Reden

Heinz Fischer würdigt in seiner Rede besonders die verdienstvolle Arbeit des Festivals im Rahmen der Kunstvermittlung: "Auch das Hören zeitgenössischer Musik und neuer Klänge muss erst gelernt werden"

Sehr geehrte Damen und Herren!

Seit 1994 gibt es in Österreich die Klangspuren als Festival zeitgenössischer Musik und sie finden heuer zum 19. Mal statt. Das heißt, dass dieses Festival Nachhaltigkeit bewiesen und sich einen fixen Platz im österreichischen Musikleben erarbeitet hat. Gerne habe ich daher die Einladung angenommen, an der Eröffnung dieses Festivals hier in Schwaz teilzunehmen, was mir dadurch erleichtert wurde, dass ich einerseits die Reise nach Tirol mit anderen Terminen in Tirol verbinden konnte und andererseits die Klangspuren 2012 dem Schwerpunkt Korea gewidmet sind.

Denn die Tatsache, dass bei der Eröffnung der Klangspuren 2012 koreanische Gegenwartsmusik eine starke Rolle spielt, trifft sich gut mit der Tatsache, dass Österreich und Korea heuer den 120. Geburtstag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1892 feiern.

Vor wenigen Tagen, nämlich am Montag dieser Woche fand in der Wiener Hofburg ein Konzert statt, das den österreichisch-koreanischen Beziehungen gewidmet war. Es war eine ganz exzellente und stark akklamierte Darbietung koreanischer Musikerinnen, die meine hohe Einschätzung der Qualität des koreanischen Musikschaffens gefestigt hat. Ich halte nicht nur die Qualität der Interpretation europäischer Musik durch koreanische Musikerinnen und Musiker für außerordentlich eindrucksvoll, sondern habe in der Vergangenheit interessante Begegnungen mit der traditionellen koreanischen Musik gemacht, sodass ich – ohne ein Experte zu sein – mir vorstellen kann, dass man das Gleiche auch von der zeitgenössischen Musik Koreas sagen kann.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt. Ich finde es für wichtig und erfreulich, dass die Klangspuren das Angebot der verschiedenen Musikfestivals in Tirol in erfreulicherweise komplettieren.

Zu den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit ihrem Schwerpunkt auf Renaissance und Barock kommen die Festspiele Erl mit dem Fokus auf der Musik des 19. Jahrhunderts und eben auch die Klangspuren mit zeitgenössischen Kompositionen, darunter beachtlich vielen Ur- und Erstaufführungen.

Eine besonders verdienstvolle Arbeit leisten die Klangspuren auch im Rahmen der Kunstvermittlung und hier wiederum im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Denn die oft ins Treffen geführten Schwierigkeiten, die Konzertbesucher mit zeitgenössischer Musik haben, beruhen fast ausschließlich auf Hörgewohnheiten, das heißt darauf, dass viele Menschen nicht gelernt haben und nicht gewohnt sind, die neuen Wege, die die zeitgenössische Musik eingeschlagen hat nachzuvollziehen. Dabei gilt hier dasselbe wie bei der klassischen Musik, nämlich, dass Hören gelernt sein will.

Eine frühe Vermittlung Neuer Musik ist ein wichtiger Beitrag, das Gehör auch in dieser Hinsicht zu schulen und so ein weites und spannendes künstlerisches Feld zu erschließen. Daher freue ich mich, dass die Klangspuren ein engagiertes Musikvermittlungsprogramm anbieten und möchte die Verantwortlichen ermuntern, weiter in dieser Richtung zu arbeiten.

Meine Damen und Herren!

Ich betrachte es als sehr positiv, dass sich die zeitgenössische Musik in Österreich einen fixen Platz im Reigen der Festivals erobern konnte. Dies ist auch ein Signal an die hervorragenden Komponistinnen und Komponisten über die unser Land verfügt. Zwei von ihnen, Johannes Maria Staud und Georg Friedrich Haas, sind heute am Eröffnungsabend mit Werken vertreten. Aber auch Olga Neuwirth, Bernhard Lang oder Beat Furrer und viele andere verdienen es nicht nur genannt, sondern auch aufgeführt zu werden.

Aus allen diesen Gründen sehe ich dem Konzert mit Spannung entgegen und wünsche allen Mitwirkenden sowie den Verantwortlichen für das Festival erfolgreiche und spannende Klangspuren 2012.

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