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"Die starke kulturelle Tradition ist etwas Gemeinsames"

06.04.2018 | Interviews und Beiträge

Im Interview mit Chinas größter Nachrichtenagentur XINHUA spricht der Bundespräsident über die Highlights des Staatsbesuchs in China und wie er sich persönlich auf die Reise vorbereitet

XINHUA: Was sind die wesentlichen Punkte bzw. Highlights Ihres Besuches in China?

Alexander Van der Bellen: Ich war im Jahr 2005 im Rahmen einer Parlamentarierdelegation auf Besuch in China. Dieser Besuch ist aber mein erster als österreichischer Bundespräsident. Ich bin sehr gespannt auf die Veränderungen seit meinem letzten Besuch. Meine Frau Doris und ich freuen uns sehr darauf, die chinesische Gastfreundschaft, das Land, seine Leute, seine beeindruckende Kultur und Geschichte näher kennenzulernen und vor allem mehr über die imponierende wirtschaftliche Entwicklung Chinas in den letzten Jahrzehnten zu erfahren.

Die Stationen unserer Reise werden Peking, Hainan und Chengdu sein – also sehr unterschiedliche Destinationen. Ich möchte möglichst viele verschiedene Seiten Chinas kennenlernen. Persönlich freue ich mich vor allem auf den Besuch in der Verbotenen Stadt.

Der Höhepunkt meines Besuchs wird aber das Treffen mit Herrn Staatspräsident Xi sein. Ich freue mich sehr darauf, ihn persönlich kennenzulernen.

Ein wichtiges Ereignis aus bilateraler Sicht wird die Eröffnung des neuen Österreichischen Generalkonsulats in Chengdu darstellen – ein Schritt, der dem Wirtschaftswachstum dieser Stadt und der Region Sichuan Rechnung trägt. In Sichuan bin ich gespannt auf den Besuch des Qingcheng Shan, eines der Entstehungsorte des Taoismus. Und natürlich auf das Jiang Yan Panda-Reservat.

Welche Aspekte Österreichs würden Sie Ihren chinesischen Partnern präsentieren?

Österreichs Verständnis als Kulturnation, unser musikalisches Erbe und die Schönheit unserer Landschaft sind, so glaube ich, auch in China ein Begriff. Immerhin durften wir im Vorjahr fast 900.000 chinesische Gäste in Österreich begrüßen. Diese starke kulturelle Tradition ist ja etwas Gemeinsames, etwas, das unsere beiden Länder verbindet.

Was ich im Zuge meines Staatsbesuchs diesmal etwas stärker in den Vordergrund rücken möchte, ist die Tatsache, dass österreichische Unternehmen in vielen Sparten eine einzigartige Expertise innehaben und zu Marktführern in ihren Bereichen zählen – das betrifft insbesondere den Hochtechnologiebereich, Umwelttechnologien, Wasser, Infrastruktur, Nachhaltigkeit – alles Themen, die auch für China von großer Relevanz sind. Wir werden daher das österreichische Know-how im Rahmen von zwei Wirtschaftsforen in Peking und Chengdu präsentieren. Und natürlich wird das auch Gegenstand unserer Gespräche im Rahmen des BOAO-Forums in Hainan sein.

 Wie werden Sie sich persönlich auf die China-Reise vorbereiten?

Ich werde mich auf diesen Besuch im Rahmen von Gesprächen mit einer Reihe von Gesprächspartnern aus Politik, Wirtschaft und Kultur vorbereiten, aber natürlich auch durch entsprechende Lektüre. Mir sind auch einige Klassiker von eminenter Bedeutung der Ming-Zeit empfohlen worden, wie „Reise nach Westen“ oder „Der Traum der roten Kammer“.

 Wie sehen Sie die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Österreich und China?

Unsere Beziehungen sind ausgezeichnet und haben sich auf hohem Niveau kontinuierlich weiterentwickelt. Österreich ist daran interessiert, diese Beziehungen durch einen regelmäßigen hochrangigen Besuchsaustausch weiter auszubauen. Es gibt eine Reihe von Bereichen, in denen eine weitere Intensivierung vorstellbar ist, das gilt etwa für den Wissenschaftsbereich. Wichtig ist dabei aus meiner Sicht eine Kooperation, die beiden Seiten Vorteile bietet und sich auf Augenhöhe bewegt.

In welchen Bereichen würden Sie die bilaterale Kooperation vorrangig vorantreiben?

Ich sehe eine Reihe von Kooperationsmöglichkeiten für China und Österreich, von Wissenschaft, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Lebensmittel bis hin zu Finanzdienstleistungen und Tourismus, auch Wintersporttourismus. In letzterem Bereich bietet natürlich die Winterolympiade 2022 in Peking besondere Möglichkeiten zur Kooperation zwischen unseren Ländern. Ich persönlich komme ursprünglich aus dem Bereich der Wissenschaft und sehe auf dem Sektor der Innovation und Technologie einiges an Kooperationspotential.

Welche Kooperationsprojekte sind für diesen Besuch vorbereitet?

Wir planen den Abschluss einiger bilateraler Abkommen, deren Unterzeichnung im Rahmen der Reise vorgesehen ist. Darüber hinaus wird es wichtig sein, dass wir uns zur Seidenstraßeninitiative und zu den sich dadurch ergebenden Möglichkeiten für beide Seiten austauschen. Ein besonderes Highlight in diesem Zusammenhang ist die Verabschiedung eines Zuges der ÖBB Rail Cargo am Chengdu-EU Bahnhof Richtung Österreich, gemeinsam mit dem Herrn Bundeskanzler und ÖBB-Vorsitzendem Matthä. Ein Projekt, das die engen Verbindungen zwischen unseren beiden Ländern und den Ländern entlang der Seidenstraße zur Geltung bringt.

 Von 7. -12. April 2018 reist Bundespräsident Alexander Van der Bellen gemeinsam mit einer hochrangigen österreichischen Delegation nach China. Das genaue Programm des Staatsbesuchs erfahren Sie HIER

 

 

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