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"Die Perspektive und die Kraft der Frauen gilt es einzubeziehen in alle politischen Entscheidungsstrukturen - weltweit, und mehr noch als bisher auch in unseren westlichen Gesellschaften"

07.03.2017 | Reden

Rede des Bundespräsidenten anlässlich des Benefiz-Suppenessens der Katholischen Frauenbewegung Österreichs am Dachstuhl des Wiener Stephansdomes

Hochwürdigster Herr Kardinal,

liebe Mitglieder der Bundesregierung und Abgeordnete zum Nationalrat,

sehr geehrte Frau Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung.

 

Meine Damen und Herren,

ich danke Ihnen, der Katholischen Frauenbewegung, sehr herzlich, dass Sie meine Frau und mich zu diesem Benefiz-Suppenessen anlässlich des Familienfasttages eingeladen haben. 

Im Kern geht es dabei darum, der ungleichen Verteilung von Wohlstand weltweit, dem Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken.

Aber bevor ich fortfahre, möchte ich auch noch aus einem anderen Grund danken.

Nämliche für die Einladung an diesen Ort, den Dachstuhl des Stephansdoms. Ohne Ihre Einladung hätte ich diesen architektonisch so wunderbaren Ort vielleicht nie gesehen. Danke dafür.

Die Katholische Frauenbewegung hat einen zweijährigen Themenschwerpunkt: „friedensaktiv – Frauen für eine gerechte Welt“.

Und sie formuliert, worauf es ankommt bei der Schaffung und Erhaltung von Frieden:

zuallererst auf soziale Gerechtigkeit.

Frieden ist eines der wertvollsten Güter dieser Welt.

Die Europäische Union und deren Vorgänger, deren 60. Gründungstag wir demnächst feiern, haben uns in Westeuropa die wohl längste Friedensperiode in diesem einst so kriegerischen Kontinent beschert: 72 Jahre seit 1945.

Die EU fußt auf gegenseitigem Respekt und dem Willen, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen: gemeinsam und solidarisch.

Heute ist dieser Konsens verschiedentlich wieder infrage gestellt, heute setzen einzelne Regierungen und Parteien wieder auf Nationalismus und Abgrenzung, versuchen populistische Kräfte, auseinanderzudividieren, was zusammengewachsen war. Aber Entsolidarisierung dient nicht einem friedlichen Miteinander.

Die Katholische Frauenbewegung wirkt der Entsolidarisierung weltweit entgegen.

Seit 1958 hat sie rund 100 Frauenprojekt in Asien, Lateinamerika und Afrika gefördert. Meist geht es um Bildungs-, Gesundheits- und Landwirtschaftsprojekte. Frauen werden aber auch dabei unterstützt, ihre Rechte in männerdominierten Gesellschaften wahrzunehmen.

Heuer sollen Hilfsprojekte in Nepal ins Zentrum des Engagements gestellt werden. Die Frauen aus Nepal, die heute hier zu Gast sind, haben gezeigt, was Friedensarbeit bedeutet.

Dass es nämlich notwendig ist, Lebenschancen, Zugang zu Rechten, Bildung und Ressourcen für alle zu schaffen.

Solidarisch zu sein, miteinander zu arbeiten. Sie wissen, dass das stark macht. Dass das den Boden nährt, auf dem ein dauerhafter Frieden gedeihen kann, den es zehn Jahre lang nicht gegeben hat in Nepal, und an dem es weiterzubauen gilt, auch heute noch, elf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs.

Die Perspektive und die Kraft der Frauen gilt es einzubeziehen in alle politischen Entscheidungsstrukturen, besonders auch wenn es um die Schaffung oder die Sicherung des Friedens geht – weltweit, und mehr noch als bisher auch in unseren westlichen Gesellschaften.

Zum Schluss möchte ich einmahnen, dass sich Österreich als eines der reichsten Länder der Erde seiner Verantwortung stellen möge:

Noch immer bewegt sich der Beitrag Österreichs zur Entwicklungszusammenarbeit bei lediglich rund 0,3 Prozent des Bruttonationaleinkommens, weit entfernt vom selbst erklärten Ziel, nämlich 0,7 Prozent.

Entwicklungspolitische Arbeit wird von der Katholischen Frauenbewegung vorbildhaft geleistet. Auch der Staat sollte sein gerechtes Scherflein dazu beitragen.

Ich danke Ihnen.

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