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Der Bundespräsident erhält in Sarajewo den Isa-beg-Ishakovic-Preis 2013

30.10.2013 | Reden

In seiner Rede dankt Heinz Fischer für die ihm als Staatsoberhaupt und Österreich insgesamt "erwiesene große Ehre". Die hohe Auszeichnung ist benannt nach dem Gründer der bosnischen Hauptstadt

Exzellenzen, 

meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich bedanke mich bei Ihnen allen für die Teilnahme an dieser Feier und für die mir und meiner österreichischen Delegation erwiesene herzliche Gastfreundschaft.

KLEPSIDRA, ihren akademischen Mitgliedern und vor allem Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident, Prof. Amel Zuljovic, darf ich von ganzem Herzen für die Verleihung des Iza beg Ishakovic-Preises 2013 und die mir und Österreich damit erwiesene große Ehre danken.

Österreich und Bosnien-Herzegowina haben eine lange und für die Zeit von 1878 bis zum Ersten Weltkrieg, besonders enge historische Verbindung. Österreich war aber auch an der Seite von Bosnien und Herzegowina durch umfassende humanitäre Hilfe, etwa durch die erfolgreiche Aktion „Nachbar in Not“, als es im Bosnienkrieg 1992-1995 großes Leid, Zerstörung und gewaltsame, ethnische Vertreibungen von 1,5 Mio. Menschen gab. Dieses humanitäre Engagement Österreichs wurde von Einzelpersonen, aber ganz besonders auch durch die massive Hilfsbereitschaft der österreichischen Bevölkerung, die ausführliche mediale Berichterstattung und die finanzielle Unterstützung durch die österreichische Bundesregierung entscheidend geprägt.

Alleine die Austrian Development Agency hat seit 1995 insgesamt 465 Mio. Euro für die Entwicklungszusammenarbeit in Bosnien und Herzegowina ausgegeben, ein gutes Drittel davon für den für die Zukunft des Landes essentiellen Bildungsbereich, vor allem die Höhere Bildung und die Berufsausbildung.

Rund 3000 Studenten aus Bosnien und Herzegowina studieren derzeit an österreichischen Universitäten und genießen dieselben Bedingungen wie österreichische Studenten.

Österreich ist stolz auf seine sehr gut integrierte Diaspora von insgesamt 135.000 Menschen aus Bosnien und Herzegowina. Sie leisten einen großen Beitrag zum Wohlstand Österreichs, aber sie sind auch wesentliche Initiatoren für österreichische Investitionen in BuH. Österreich ist mit 1,7 Mrd. Euro seit 1995 größter Investor in Bosnien und Herzegowina.

Seit Dezember 2010 reisen bosnisch-herzegowinische Jugendliche, Geschäftsleute und Touristen ohne Visum nach Österreich und in den Schengenraum. Das ist meiner Meinung nach der bisher größte Schritt Bosnien-Herzegowinas in Richtung Europäischer Union, dem jedoch weitere und wesentlich umfangreichere Reformanstrengungen Bosnien-Herzegowinas folgen müssen, um nicht zurückzufallen. Ich appelliere an die politisch Verantwortlichen des Landes in beiden Entitäten, das Einende über das Trennende zu stellen, damit den Bürgern Bosniens, vor allem auch der jüngeren Generation, Zukunftschancen nicht genommen werden.

 

Sehr geehrte Damenund Herren!

Österreich als EU-Mitgliedsstaat seit 1995 hat größtes Interesse an einem politisch  und wirtschaftlich stabilen Bosnien und Herzegowina und arbeitet daher auch bilateral eng mit Bosnien und Herzegowina im Sicherheitsbereich zusammen. Sicherheit ist nämlich unteilbar, und Sicherheitsprobleme in BuH, wie Drogen-, Waffen- und Menschenschmuggel sowie in der gesamten Westbalkanregion haben unweigerlich negative Auswirkungen auf Österreich und ganz Europa.

Die internationale Staatengemeinschaft hat aufgrund der österreichischen Balkanexpertise, der historischen und engen Beziehungen mit BuH und des guten Rufs Österreichs in ganz Bosnien und Herzegowina dem österreichischen Diplomaten Valentin Inzko seit März 2009 das Amt des Hohen Repräsentanten und seit Dezember 2009 den österreichischen Generälen Bernhard Bair, Robert Brieger und derzeit Dieter Heidecker das Kommando über die EUFOR-Mission ALTHEA anvertraut. Das ist ein Vertrauensbeweis, der uns aber gleichzeitig Ansporn ist, noch mehr zu tun und nach gangbaren Wegen zu suchen, um BuH auf seinem Reformweg zu unterstützen.

Österreich führt auch gemeinsam mit Slowenien und anderen EU-Partnern zahlreiche EU-Twinning-Projekte und das wichtige Projekt „Support to Law Enforcement Agencies“ in Bosnien-Herzegowina durch, um BuH an die Europäische Union heranzuführen, EU-Standards stufenweise zu verbessern und EU-Recht ins nationale Rechtssystem einzuführen.

Wien und Innsbruck haben mit Sarajewo besonders enge partnerschaftliche Verbindungen. Die Olympiastadt Innsbruck hat Sarajewos Winterolympiade 1984 mit viel Know-how unterstützt.

Die Partnerstadt Wien verdankt Sarajewo die hier als öffentliches Verkehrsmittel erprobte Straßenbahn und heute fahren noch in dieser historischen Stadt Wiener Straßenbahngarnituren, ein Geschenk Wiens an Sarajewo so wie die Unterstützung Wiens und der Republik Österreich für die Wiedererrichtung des Alten Rathauses bzw. der späteren Volks- und Universitätsbibliothek, dem Wahrzeichen Sarajewos, das während der Belagerung der Stadt im Bosnienkrieg zerstört und abgebrannt ist.

Am 28.Juni 2014, genau 100 Jahre nach den fatalen Schüssen des Gavrilo Princip, werden die Wiener Philharmoniker ein Konzert unter der Leitung des österreichischen Stardirigenten Franz Welser-Möst und mit dem Chor des Nationaltheaters Sarajewo zur Wiedereröffnung dieses Gebäudes geben. Ich werde mich bemühen an diesem Konzert teilzunehmen, und ich werde mich bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass ich Sarajewo zum ersten Mal vor fast 55 Jahren, nämlich im Jänner 1959 als Studentenfunktionär der Universität Wien bei einem Studentenkongress besucht habe.

Das alles soll beweisen und beweist, dass die Ereignisse vom Juni 1914 heute längst keinen Schatten mehr auf die überaus engen und positiven Beziehungen zwischen Bosnien und Österreich werfen.

Die regionale Zusammenarbeit, speziell mit seinen drei Nachbarn Kroatien, Serbien und Montenegro, aber auch im Rahmen des in Sarajewo beheimateten Regionalen Kooperationsrats, der Zentraleuropäischen Initiative und der Europäischen Donauraumstrategie sollten für Bosnien und Herzegowina das Sprungbrett zu einer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufwärtsentwicklung sein.

Österreich wird dieses Land und die Westbalkanregion als „Nachbarn und enge Freunde“ immer unterstützen. Die Mitglieder von KLEPSIDRA haben mit der Verleihung des Iza beg Ishakovic-Preises an mich als Staatsoberhaupt Österreichs diese enge Freundschaft und Verbindung zwischen unseren beiden Ländern neuerlich besiegelt.

Dafür darf ich nochmals sehr herzlich danken. Ich bedanke mich auch für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche uns eine gute, friedliche, gemeinsame Zukunft.

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