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Das Tier als Metapher: Junge Kunst und die Unmenschlichkeit des Krieges

31.01.2014 | Presseaussendungen

Bundespräsident Heinz Fischer und die Künstlerin Deborah Sengl bei der Eröffnung der Ausstellung "die letzten tage der menschheit", inspiriert von der berühmten Satire von Karl Kraus

Klosterneuburg - Ratten erobern das Essl Museum in Klosterneuburg: Deborah Sengl hat aus 176 Tierpräparaten ("vielleicht auch 177, ich habe sie nicht abgezählt") eine Installation "die letzten tage der menschheit" gestaltet, die vom gleichnamigen Theaterstück von Karl Kraus inspiriert ist.

Die Ausstellung wurde am Donnerstagabend durch Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet.

Über ein Jahr lang hat Sengl an ihrem Werk gearbeitet, das Straßen- und Magistratsszenen, Geschehnisse im Lazarett und Gräueltaten an den Kriegsschauplätzen in akribischen Details darstellt, wobei die Ratten als Protagonisten fungieren. Es gehe ihr dabei nicht um die Illustrierung eines "Historienschinkens", sondern um "freie künstlerische Interpretation" unter dem Aspekt der Aktualität, erklärte die Künstlerin beim vormittäglichen Pressegespräch. Das Tier als Metapher vermeide die Ablenkung durch Physiognomie. Die Entscheidung für Ratten liege in der Ähnlichkeit mit Menschen, so Sengl: "Sie sind sicher die egoistischsten Wesen."

Insgesamt 44 meist kleine Szenen hat Sengl raumgreifend im Großen Saal des Museums mit weißen Ratten nachgestellt, kombiniert mit Zeichnungen und Malerei. Nur der "Nörgler" Kraus trägt ein schwarzes Fell. Weiß sind auch die winzigen Requisiten wie Fahnen, Zeitungen, Möbel oder Hüte, fast puppenküchenartig. In einzelnen Szenen wird die farbliche Reinheit gebrochen durch Blut, Urin und Alkohol. Die Assoziation mit weißen Laborratten ist durchaus beabsichtigt, sind doch auch in den Krieg gehetzte Menschen nicht mehr wert als Versuchstiere. Die Tiere wurden allerdings nicht für die künstlerische Arbeit getötet, sondern dienten als Futterratten für die Greifvogel- und Reptilienzucht und wurden nach ihrer Verwertung von einem Präparator für Sengl konserviert.

Kuratiert wurde die Schau von Günther Oberhollenzer und Andreas Hoffer. Der Katalog enthält neben zahlreichen Abbildungen u.a. auch Einblicke in den Entstehungsprozess der Arbeit sowie Texte von Karl Kraus, Karlheinz Essl, Meinhard Rauchensteiner und David Schalko. Bundespräsident Fischer hat über das gesamte Ausstellungsprogramm 2014 im Essl Museum den Ehrenschutz übernommen.

S E R V I C E - Essl Museum Klosterneuburg: Deborah Sengl, "die letzten tage der menschheit". Eröffnung am 30. Jänner um 19.30 Uhr. Ausstellungsdauer bis 25. Mai. Information: Tel. 02243/37050-150, www.essl.museum

bar/we/dae

Quelle: APA/PrK

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