Rootline Navigation

"Bleiben Sie stark und selbstbewusst damit alle vom Wohlstand profitieren."

12.06.2018 | Reden

Der Bundespräsident stärkt in seiner Rede beim 19. ÖGB-Bundeskongress dem Gewerkschaftsbund den Rücken und spricht sich für eine Bewahrung des österreichischen Gesundheits- und Sozialversicherungssystem aus

Sehr geehrte Damen und Herren!

Herzlichen Dank für die Einladung zum 19. ÖGB-Bundeskongress! 

Unlängst hat mich jemand gefragt, wie ist denn Deine Einstellung zu Gewerkschaften.

Gäbe es keine Gewerkschaften, man müsste sie erfinden! Habe ich geantwortet.

Warum?

Gewerkschaften wie der ÖGB sind gegründet worden, weil die arbeitenden Menschen sich gegen Ausbeutung auflehnten, weil sie ihre Arbeitsbedingungen weil sie ihre gesamte Lebenswelt mitgestalten weil sie an politischen Entscheidungsprozessen teilhaben wollen.

Und Gewerkschaften stehen für Solidarität.

Und ich finde es gut, dass der ÖGB seinen Einfluss nicht nur auf die Arbeitswelt beschränkt. Das Leben der Menschen besteht ja auch nicht nur aus bezahlter Arbeit.

Deshalb kann die Arbeit einer Gewerkschaft nicht am Fabrikstor oder an der Bürotür enden.

Es geht immer auch um Wirtschaft, Kultur, Ökologie, Friedenspolitik und natürlich internationale Solidarität.

Im Gewerkschaftsbund engagieren sich viele tausende Menschen. Sie setzen sich für andere ein, sie verhandeln hart und wenn es nicht anders geht, sind sie auch bereit auf die Straße zu gehen.

Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich. Deshalb möchte heute auch allen Danke sagen, die sich als Betriebsrätinnen und Betriebsräte oder auf anderen Ebenen einsetzen. Danke für Ihren unermüdlichen Einsatz!


Sehr geehrte Damen und Herren!

Was Österreich auszeichnet, ist der hohe soziale Friede. Und das hat natürlich damit zu tun, dass sich die Gewerkschaft und die Arbeiterkammer mit den Vertretern der Arbeitgeber und der Bauern in der Sozialpartnerschaft zusammensetzen.


Was diese Sozialpartnerschaft auszeichnet, ist die Fähigkeit, auch bei unterschiedlichsten Positionen konstruktive Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe zu führen, die Interessen des jeweils anderen zu verstehen und schlussendlich zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.

Das hat dazu beitragen, dass Österreich zu einem der reichsten Länder der Welt geworden ist, dass Österreich die Wirtschaftskrise gut überstanden hat und jetzt zuversichtlich und selbstbewusst in die Zukunft blicken kann.

Alle Bundesregierungen seit 1945, hat Präsident Foglar in seiner Rede gesagt, haben die konstruktive Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern zu schätzen gewusst und zu schätzen gelernt.

Alle? - Naja, sagen wir: mit Abstufungen!

Heute steht die Gesellschaft, stehen die Gewerkschaften vor einer großen neuen Aufgabe: Es ist der digitale Wandel.

Generell ist die Herausforderung für die Gesellschaft und den ÖGB, eine faire Arbeits- und Lebenswelt zu erhalten und zu gestalten.

Und das auch für jene Menschen, deren Arbeit nicht eindeutig zu „selbstständig“ oder „unselbstständig“ zuordenbar ist. Oder die in prekären Arbeitsverhältnissen leben müssen.

Besonders wichtig ist und bleibt, dass die Menschen ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit verdienen können, das gilt besonders für Frauen.


Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich denke, wir sind uns einig, dass wir auch in Zukunft sozialen Frieden und eine gerechte Gesellschaft haben wollen.

Daher: Bleiben Sie stark und selbstbewusst damit alle vom Wohlstand profitieren.

Sorgen Sie für die Erhaltung und den Ausbau unseres Gesundheits- und Sozialversicherungssystems.

Treten Sie für ein solidarisches Miteinander ein.

Dazu gehört der Kampf gegen Diskriminierung.

Und dazu gehört auch der Kampf für eine Gesellschaft, in der Faschismus und Rassismus keinen Platz haben.

Denn die Menschenwürde ist unteilbar!


Sehr geehrte Damen und Herren,

dieser Kongress steht auch im Zeichen eines personellen Wechsels, denn Erich Foglar verabschiedet sich als ÖGB-Präsident. Erich Foglar ist krisenbewährt. Schon als leitender Sekretär für Finanzen mussten Sie dem damals strauchelnden ÖGB auf die Beine helfen. Und in Ihre Amtszeit fiel auch die Wirtschaftskrise, die Österreich halbwegs heil überstanden hat.

Ich möchte mich bei Ihnen, lieber Erich Foglar, für fast zehn Jahre Engagement als ÖGB-Präsident im eigenen Namen vor allem aber im Namen der Republik sehr, sehr herzlich bedanken.

Ich wünsche Ihnen viel Zeit mit Ihren Enkerln und zum Schifahren. Und wie ich höre, sind auch schon einige Fernreisen geplant.

Alles Gute!


Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte der Wahl in zwei Tagen ja nicht vorgreifen. Wie ich höre, könnte es aber so sein, dass einer, der schon Präsident ist, bei der Wiener Austria nämlich, auch Präsident des ÖGB werden könnte. Er wäre dann sozusagen ein Doppelpräsident.

Als Rapidler bringe ich den Namen des Austria-Präsidenten (Wolfgang Katzian) natürlich nicht über die Lippen.

Ich wünsche aber dem möglichen Doppelpräsidenten jedenfalls weiterhin Zeit, um auf den Fußballplatz zu gehen.

Vor allem aber wünsche ich ihm, so er gewählt wird, für die verantwortungsvolle Aufgabe als künftiger ÖGB-Präsident das Allerbeste, viel Erfolg und ein herzliches Glück auf!

Und auch Ihnen allen wünsche ich ein herzliches Glück auf und einen gelungenen 19. ÖGB-Bundeskongress.

Danke.

Aktionen