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Abschied von Bundesministerin Sabine Oberhauser

05.03.2017 | Reden

Ansprache von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei den Trauerfeierlichkeiten für Bundesministerin Sabine Oberhauser

Liebe Familie Oberhauser!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung!

Frau Nationalratspräsidentin!

Herr ÖGB-Präsident Foglar!

Werte Trauergäste!

 

Abschied nehmen ist immer sehr schmerzvoll.

Und der Abschied von Sabine Oberhauser tut ganz besonders weh.

 

Liebe Familie Oberhauser!

Niemand kann einem anderen Menschen den langen Weg der Trauer und des Schmerzes abnehmen.

Ich auch nicht.

Aber wir wollen heute an ihrer Seite stehen mit großem Respekt und mit großer Anerkennung für ihr Leben, für ihre vielfältigen Leistungen, für ihr Engagement und für die Liebe und Zuneigung, die sie gegeben hat.

Sabine Oberhauser hat in ihren Ämtern und Funktionen immer alles gegeben.

*

Sie war stark, bis zuletzt.

Stark zu sein hieß für Sabine immer auch, sich stark zu machen für andere.

Stärke als langjährige Personalvertreterin und Gewerkschafterin, als Ärztin und Managerin, als langjährige Nationalratsabgeordnete, als Vorsitzende und Vorstandsmitglied in vielen Gremien, in Frauenorganisationen, als Nationalratsabgeordnete, Klubvorsitzende der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion, langjährige ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende, zuletzt als Bundesministerin für Gesundheit und ab Juli 2016 als Bundesministerin für Gesundheit und Frauen. 

Und auch im Kampf gegen die Schrecken ihrer Krankheit blieb sie stark.

Bis zum Schluss.

Das hat mich beeindruckt, das hat viele Menschen in Österreich beeindruckt.

Wir weichen gerne aus, weil unsere aufgeklärte Gesellschaft vieles über das Leben weiß, aber die Krankheit, den Tod, die eigene Endlichkeit gerne verdrängen möchte. Unsichtbar machen.

Aber Sabine Oberhauser hat nie eine Fassade vor sich aufgebaut, sich nie unsichtbar gemacht, sich versteckt.

Sie musste sich daher auch nie einer Fassade entledigen, wenn sie ein Mensch sein wollte.

Sie ließ sich sehen, und sie wurde gesehen, auch als kranker Mensch.

Sie wurde als Mensch wahrgenommen, bei dem man immer auch in den innersten, warmherzigen, fröhlichen, humorvollen, unerschütterlich offenen, gesprächsbereiten, aber auch traurigen, zweifelnden, ja auch verzweifelten Menschen sehen konnte.

 

*

Sabine Oberhauser hat viel bewegt. Und sie hat dabei auch uns als Gesellschaft bewegt. Sie hatte feste Wurzeln und klare Prinzipien. Sie hatte Kompetenz, Disziplin und Tatkraft, verbunden mit Humor, Lachen, der Fähigkeit zur Selbstironie, Distanz zu sich selbst.

Bei ihr war immer klar sichtbar, dass sie Mühe und Anstrengung immer auch mit einem tiefen Sinn für Humor verbinden konnte. Das machte sie so einnehmend und sympathisch.

Wir betrauern heute den politischen Menschen Sabine Oberhauser und ihre menschliche Politik. Wir betrauern den Verlust ihres Engagements, ihres Humors, ihres Lachens.

Aber wir können diesen Schmerz des Abschieds umwandeln in gute, dankbare, helle Erinnerung.

Lebe wohl, Sabine und nimm ein letztes „Danke“ mit für Dein Leben, Deine Arbeit, Dein Beispiel!

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