Sehr geehrte Damen und Herren!
Eine Uraufführung und zwei Premieren sui generis begleiten den heutigen Eröffnungstag der Bregenzer Festspiele:
Die Uraufführung von Detlev Glanerts Oper „Solaris“, die wir mit Spannung erwarten – kennen doch viele von uns den Roman von Stanislav Lem und manche auch die Verfilmungen von Andrei Tarkowski oder Steven Soderbergh.
Umstände, die neugierig machen, wie die musikalische und szenische Interpretation dieses literarischen Klassikers hier in Bregenz ausfallen wird.
Bei den Premieren beziehe ich mich zunächst auf jene des neuen Landeshauptmannes von Vorarlberg, Markus Wallner, der die Bregenzer Festspiele zum ersten Mal in seiner neuen Funktion als Landeshauptmann miterleben wird.
Und ich beziehe mich auf den ebenfalls neuen Präsidenten der Bregenzer Festspiele, Hans-Peter Metzler, der seit März 2012 an der Spitze dieses westösterreichischen Festivals Günther Romberg abgelöst hat.
Ich wünsche Ihnen beiden viel Freude und Erfolg bei der Erfüllung Ihrer sehr wichtigen aber sehr unterschiedlichen Aufgaben.
Gleichzeitig bietet der heutige Eröffnungsakt eine gute Gelegenheit, die jahrelange Tätigkeit des früheren Präsidenten Günther Romberg im Dienste der Bregenzer Festspiele zu würdigen. Ich bin überzeugt, dass Günter Romberg wesentlich dazu beigetragen hat, die Festspiele zu dem zu formen, was sie heute sind: ein international anerkanntes Festival, ein Vorzeigeunternehmen und eine ebenso traditionsreiche wie zeitgemäße Veranstaltung.
Ich möchte von dieser Stelle aus Günther Romberg ganz ausdrücklich für sein Engagement, seine Beharrlichkeit und die stets mit ganzem Einsatz vollbrachte Arbeit danken!
Günther Romberg ist heute, wie ich weiß, nicht anwesend, aber nicht, weil ihm die Bregenzer Festspiele nicht mehr wichtig sind, sondern – wie mir gesagt wurde – aus einem sehr vornehmen Grund: Er will die Bühne der Festspieleröffnung voll und uneingeschränkt seinem Nachfolger überlassen.
Gleiches gilt auch für den langjährigen Landeshauptmann von Vorarlberg, Herbert Sausgruber, der 1 ½ Jahrzehnte an der Spitze des Bundeslandes Vorarlberg gestanden ist. Er war ein Landeshauptmann, dem jede Form populistischer Kraftmeierei fremd war und dessen Stärke nicht die Ankündigung, sondern verantwortungsbewusstes Handeln war.
Auch ihm ein herzliches Dankeschön für seine Leistungen im Interesse unseres Landes und persönlich für ausgezeichnete Zusammenarbeit.
Meine Damen und Herren!
„Erinnerungen an die Zukunft“ lautet das Motto der diesjährigen Bregenzer Festspiele, ein Motto, das, wie Intendant David Pountney betont hat, weniger ein „Denkspiel“ als vielmehr ein „alltägliches Phänomen“ beschreibt – dass wir nämlich dem Zukünftigen mit dem Wissen und der Erfahrung der Vergangenheit und Gegenwart begegnen und begegnen müssen. Tatsächlich können wir laufend beobachten, wie neue Phänomene und Herausforderungen mit althergebrachten Lösungsvorschlägen konfrontiert oder mit dem Hilfsmittel der Extrapolation analysiert werden. Aber – so könnte die Gegenfrage lauten: Ist es überhaupt möglich, das Neue zu wagen ohne auf alte Muster zurückzugreifen? Steckt nicht selbst im Wort „Revolution“ (das in der Oper André Chenier eine so wichtige Rolle spielt) im Unterschied zur "Evolution" die Vorsilbe "Re"?
Ich glaube, dass es nicht darum geht, das Alte aus dem Gedächtnis zu verdrängen, sondern dem Neuen nicht mit Denkverboten, sondern mit Mut und Offenheit zu begegnen.
An Mut für das Neue darf es gerade jetzt weder in der Politik noch in der Gesellschaft mangeln. Dabei kann uns die Kunst ein Wegweiser sein.
Mutige Kunst war immer jene, die neue Wege gewiesen hat und zugleich jene, die heute jenes Erbe ausmacht, auf das gerade Österreich so stolz sein kann.
„Kunst heißt: neue Kunst“ – hat Arnold Schönberg einmal geschrieben. Und es ist durchaus legitim, diese Erkenntnis auch auf andere Bereiche anzuwenden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Kehren wir zurück zu „Erinnerungen an die Zukunft“. Die allernächste Zukunft heißt „Bregenzer Festspiele“ und diese Zukunft schöpft einerseits aus unseren Erinnerungen und macht uns gleichzeitig neugierig für das Neue.
In diesem Sinne mache ich von der Einladung Gebrauch, diese Zukunft ganz nahe an die Gegenwart heranzuführen indem ich sage: die Bregenzer Festspiele 2012 sind eröffnet.
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