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Rosenzimmer

virtueller Rundgang



Das nach den schönen Supraporten (über den Türen befindliche Ölgemälde) benannte „Rosenzimmer“ enthält als Hauptschmuck die sogenannte „kaiserliche Vorstellungsuhr“.  

Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt schenkte diese automatische Kunstuhr im Jahre 1750 seiner Schwägerin Maria Theresia anlässlich der Vollendung ihres zehnten Regierungsjahres in den österreichischen Erblanden und der fünften Wiederkehr des Tages der Kaiserkrönung ihres Gatten Franz I. Die Uhr war vom Darmstädter Hofmechaniker Ludwig Knaus angefertigt worden. Sein Bruder Friedrich v. Knaus, der Maler G. A. Eger und zahlreiche Hilfskräfte hatten bei der Herstellung mitgewirkt. Die beiden Brüder Knaus traten später in die Dienste des Wiener Hofes.



Diese „kaiserliche Vorstellungsuhr“ gilt als eine der schönsten Prunkuhren der Barockzeit. Sie ist mannshoch und befindet sich in einem Glasschrank. Die Uhr mit der Bühne für die „Vorstellung“ ist von einem prächtigen Gehäuse aus Schildpatt und Silber umgeben, das eine Fülle von allegorischen Figuren und Inschriften zeigt. Das Gesamtgewicht der Uhr beträgt 128 Kilogramm, 50 Kilogramm Silber wurden verarbeitet.



Die „Vorstellung“, die auf der Bühne unter dem Zifferblatt der Uhr durch einen komplizierten Mechanismus in Bewegung gesetzt wird, stellt eine Huldigung für das Herrscherpaar Franz Stephan und Maria Theresia dar: Zunächst schreiten unter Musikbegleitung der Kaiser und die Kaiserin, von rechts und von links kommend, gegen die Mitte der Bühne, deren Rückwand hinter einer barocken ogendekoration das kaiserliche Heer um die Festung Preßburg versammelt zeigt. Reichgekleidete Pagen, die das Kaiserpaar begleiten, sinken in die Knie und überreichen Franz die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches, Maria Theresia die Kronen der Königreiche Ungarn und Böhmen. Nun erscheint über den Häuptern des Kaisers und der Kaiserin in dunklen Wolken drohend ein böser Dämon, der die Züge des schärfsten Widersachers Maria Theresia trägt, nämlich König Friedrichs II. von Preußen. Er wird jedoch von dem aus lichter Höhe herbeieilenden Erzengel Michael mit einem Feuerschwert vertrieben. Schließlich schreibt der „Genius der Geschichte“ mit goldener Feder in goldener Farbe Buchstabe für Buchstabe langsam die Worte „Vivant Franciscus et Theresia“ an das Firmament, während unter den Klängen festlicher Fanfaren Lorbeerkränze für die beiden Gefeierten vom Himmel herabschweben.

Der Landgraf von Hessen-Darmstadt soll seinem Hofmechaniker 80.000 Gulden für die Uhr bezahlt haben. Das Werk, das aus einer Unzahl von Zahnrädern und Achsen zusammengesetzt ist, stand hundert Jahre lang still, wurde aber im Jahre 1946, als die Präsidentschaftskanzlei in den Leopoldinischen Trakt der Hofburg verlegt wurde, von einem Wiener Uhrmacher wieder in Gang gesetzt.