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Arbeitszimmer Josef II.



Die gegen den Heldenplatz zu gelegene Zimmerflucht des Leopoldinischen Traktes diente Kaiser Josef II. als Wohnung. Der erste Raum, dem Schweizerhof zunächst, ist das einstige Schlafzimmer des Kaisers. Dieses Zimmer, dessen Wände mit Brüsseler Tapisserien aus dem 18. Jahrhundert geschmückt waren, wurde wegen der Farbe der Möbelbezüge der „blaue Salon“ genannt. Der nächste Raum, der den Namen „grüner Salon“ führte, dient nunmehr dem Bundespräsidenten ebenso wie einst Josef II. als Arbeitszimmer. 

Der „grüne Salon“ 


An zwei Wänden sind große Gemälde des Wiener Hofmalers Johann Franz Greipel (1720-1792) angebracht. Das eine der beiden Bilder zeigt eine Gruppe von vier jungen Mädchen in der Kleidung griechischer Göttinnen nach der Mode des Rokoko vor einer Berg- und Waldlandschaft. Auf dem anderen Bild erblickt man den voll besetzten Zuschauerraum eines kleinen Theaters. Am rechten Bildrand ist ein Teil der Bühne zu erkennen. Lange Zeit wusste man nicht, welche Bedeutung die beiden Gemälde besitzen. Ihre Deutung war völlig in Vergessenheit geraten.

Dem Bundespräsidenten Dr. Adolf Schärf ist es zu danken, dass festgestellt werden konnte, welches Ereignis hier vom Künstler festgehalten wurde. Bei einer genauen Prüfung der zwei Bilder erkannte Schärf zunächst, dass beide Gemälde eine und dieselbe Opernaufführung zum Gegenstand haben. Die Gruppe der vier Mädchen, die das linke Bild beherrscht, ist auch auf der Bühne des Theaters zu sehen, das auf dem rechten Bild veranschaulicht wird. Der Umstand, dass im Hintergrund, vor dem die vier mythologischen Figuren agieren, Pegasus zu erblicken ist, unter dessen stampfenden Hufen hoch oben auf einem wild zerklüfteten Berg eine Quelle, die Hippokrene, hervorsprudelt, veranlasste Schärf, alte Operntextbücher durchzusehen. Bei ihrer Lektüre kam er wie spätere Überprüfungen bestätigen konnten zu der Überzeugung, dass es sich um eine Aufführung der Oper „Il Parnasso confuso“ von Christoph Willibald Gluck handeln müsse. Der Text dieser Oper stammt von dem Hofdichter Karls VI. und Maria Theresias, Pietro Antonio Metastasio.


Am Tag nach der Hochzeit des Kronprinzen Josef, des späteren Kaisers Josef II., mit seiner zweiten Gattin, Maria Josepha von Bayern am 23. Jänner 1765 wurde in einem eigens zu diesem Zweck in Schloss Schönbrunn eingerichteten Theater die Oper „Il Parnasso confuso“ aufgeführt. Von den Töchtern Maria Theresias verkörperte Erzherzogin Amalie den Apollo, Elisabeth die Muse Melpomene, Josepha die Euterpe und Charlotte die Erato. Der Bruder der Sängerinnen und des Bräutigams, Erzherzog Leopold, der spätere Kaiser Leopold II., dirigierte das Orchester vom Cembalo aus. Die Mitglieder der Hofgesellschaft mit Kaiser Franz I., Kaiserin Maria Theresia, Kronprinz Josef und dem Feldherrn Karl von Lothringen sind auf dem Bild porträtgetreu dargestellt. Auch die Überfüllung des Saales ist erkennbar, die zur Folge hatte, dass der Sohn des Obersthofmeisters Khevenhüller ohnmächtig an der offenen Bühne vorbei aus dem Zuschauerraum getragen werden musste.